Ruhe und Frieden wie lange nicht

Runder Tisch Asyl am Montag in Deilinghofen: Auch bei diesem Gespräch ging es entspannter zu als in der Vergangenheit.
Runder Tisch Asyl am Montag in Deilinghofen: Auch bei diesem Gespräch ging es entspannter zu als in der Vergangenheit.
Foto: IKZ

Deilinghofen..  Nach vielen Monaten der Aufregung, sich häufender Gewalttaten und Fällen von Kleinkriminalität sowie Belästigungen und Bedrohungen der Deilinghofer Bevölkerung und daraus resultierender politischer Aufgeregtheiten ist die Lage in der Zentralen Unterbringung für Flüchtlinge und Asylbewerber am Apricker Weg zurzeit offenbar ruhig und friedlich. Endsprechend entspannt war die Atmosphäre auch am Runden Tisch Asyl am Montagabend. Zum ersten Mal in diesem Jahr waren Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg, der Stadt Hemer, der Polizei, der Diakonie, der Malteser und nicht zuletzt der Deilinghofer Bürgerinnen und Bürger zusammengekommen, um die Situation zu analysieren.

Kaum noch Einsätze der Polizei und Strafanzeigen

Der ungeheure Zustrom von Menschen aus dem Kosovo in die Bundesrepublik, der zu Beginn des Jahres stattgefunden hat, sorgt paradoxerweise in Deilinghofen für Ruhe. Das dortige Camp ist nämlich aktuell zu über 97,3 Prozent mit solchen Kosovaren belegt und die sorgen kaum für Ärger, ganz im Gegenteil zu alleinreisenden jungen Männern aus Nordafrika, die in der Vergangenheit durch Aggressivität und kriminelles Gebaren stete Herde der Unruhe gewesen sind. Kriminalrat Michael Bauermann von der Verbindungsstelle der Polizei beim Regierungspräsidenten sowie Jürgen Pretzlaff, Leiter der Polizeiwache Hemer, warteten mit verblüffenden Zahlen auf: Im März gab es ganze drei Einsätze der Polizei im Camp, wobei es lediglich um die Suche nach bestimmten Personen ging, im April bisher keinen einzigen. Bei Strafanzeigen im Zusammenhang mit Bewohnern der Einrichtung meldet die Polizei für beide Monate sogar völlige Fehlanzeige.

Insgesamt sind zurzeit (Stichtag Montag) 450 Menschen am Apricker Weg untergebracht, davon sind 120 Kinder im Alter bis zu 13 Jahren. Der hohe Anteil an Familien gilt als weitere Ursache für die friedliche Atmosphäre. Unterbringungsleiter Michael Bennemann: „Die vielen Kinder machen es quirlig, aber sehr angenehm.“ Darüber hinaus berichtete Bennemann, dass das ehrenamtliche Engagement sowie das Aufkommen an Sachspenden der Bevölkerung für die Einrichtung ungeachtet aller Ärgernisse der Vergangenheit ungebrochen groß ist.

Kosovaren werden bewusst gemeinsam untergebracht

Dass in der Einrichtung neben sieben Albanern, zwei Algeriern, einem Marokkaner und einer Serbin ausschließlich Kosovaren zu finden sind, ist indes kein Zufall, wie Thomas Sommer, in Arnsberg neuer Dezernent für die Betreuung von Flüchtlingen, erläuterte. Vielmehr werden Asylbewerber aus diesem Balkanstaat ganz bewusst in der Deilinghofer Einrichtung gemeinsam untergebracht. Auch wenn diese Menschen ausgesprochen friedlich sind, so ist es dennoch das Bestreben, sie möglichst schnell wieder in ihre Heimat zurückzuführen, denn die Erfahrung lehrt, dass in der Regel lediglich einer von hundert als Asylbewerber anerkannt wird. Vor allem wird bei den Kosovaren, die sich zumeist mit völlig falschen Vorstellungen nach Deutschland haben locken lassen, dafür geworben, freiwillig in ihre Heimat zurückzureisen, um eine Abschiebung zu vermeiden. Doch auch diese Verfahren dauern noch zu lange, beklagte Christa Belabbes, Flüchtlingsberaterin der Diakonie: „Wenn die Leute sich zur Rückkehr entschlossen haben, wollen sie nicht mehr lange warten, sonst überlegen sie es sich wieder anders.“

Bürger erleichtert, aber noch skeptisch für die Zukunft

Wie lange die Ruhe in Deilinghofen währen wird, ist ungewiss. Irgendwann werde der Anteil an Flüchtlingen aus anderen Ländern sicherlich wieder steigen, so Thomas Sommer. Doch zu Überbelegungen wie in der Vergangenheit mit dem daraus resultierenden Konfliktpotenzial soll es nicht mehr kommen.

Die Bürgervertreter am Runden Tisch zeigten sich deshalb für die Zukunft weiter skeptisch, obwohl sie bestätigten, dass es im Dorf zurzeit friedlich wie lange nicht zugehe.