Rührende Sorgfalt für leckeres Bier

Bier selbst brauen – Gerhard Ruhmann (Mitte) zeigt, wie es geht.
Bier selbst brauen – Gerhard Ruhmann (Mitte) zeigt, wie es geht.
Foto: IKZ

Hemer..  „Wann haben wir genau mit dem Maischen begonnen?“, fragt Gerhard Ruhmann in die Runde. Zwanzig Augenpaare blicken ihn an. Aus einer Ecke kommt die Antwort, wie aus der Pistole geschossen: „Eine Stunde und drei Minuten!“

„Alles klar“, stellt Ruhmann fest, „dann kannst Du jetzt auf 72 Grad stellen.“ Gesagt getan. Die Temperatur am Einkochkessel wird justiert. Schon seit geraumer Zeit liegt süßliches Malzaroma in der Luft, die Raumtemperatur beträgt exakt 19,9 Grad.

Gerhard Ruhmanns Zuhörer sind heute in die Gaststätte Mettgenpin gekommen, um von dem leidenschaftlichen Bierbrauer zu lernen. Der Profi aus der Dortmund verspricht: „Ohne große Investitionen kann jeder sein eigenes Bier brauen.“ Was in unseren Breiten noch eher selten praktiziert wird, ist in den USA viel etablierter. Eine Million Amerikaner sind diesem Hobby bereits verfallen und trinken die eigene „Hausmarke“ mit Freunden und Bekannten. Der heutige Workshop der Volkshochschule am vergangenen Samstag soll den Teilnehmern Lust darauf machen, mit „Utensilien, die in jedem Haushalt zu finden sind“, Bier zu brauen.

Brauen und Trinken macht gleichermaßen Spaß

Der Spaß soll natürlich im Vordergrund stehen und er kommt auch tatsächlich nicht zu kurz. Parallel zum theoretischen Lernen und praktischem Tun wird die Stimmung durch ein Mitbringsel Ruhmanns gehoben: Von einem seiner vorherigen Seminare hat er ein Fass „Hönnetaler Gold“ mitgebracht. Dieses Selbstgebraute schmeckt den Kursteilnehmern offenbar ganz vorzüglich. Im Minutentakt wird der Hahn betätigt und das „flüssige Glück“ in Krüge gefüllt, die umgehend wieder geleert werden. Der Pegel steigt, da muss auch schon einmal der ein oder andere auf dem Örtchen „abhefen“.

Während sich die Maische langsam aber sicher der Zieltemperatur von 72 Grad nähert, beantwortet Gerhard Ruhmann unermüdlich Fragen. Seine Antworten sind dabei häufig mit Anekdoten verbunden. Sascha will zum Beispiel wissen: „Stimmt es, dass Brauereien das Reinheitsgebot umgehen?“ „Ja, das stimmt“, so der passionierte Brauer, um dann auf die Geschichte des Gesetzes aus dem Jahr 1516 einzugehen: „Ich weiß es noch wie heute“, erklärt er augenzwinkernd, „Man wollte verhindern, dass Weizen zu flüssigem Brot wird.“ Laut Gesetz sollten in Zeiten des Hungers nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser im Bier enthalten sein. Der Dozent interpretiert das Gesetz im Übrigen auf seine eigene Weise: „Ich sage dazu Vielfaltsverbot.“

Als die gewünschte Temperatur im Kessel erreicht ist, wird nach Schroten und Maischen der nächste Arbeitsschritt eingeläutet. Pit, der zuvor sorgfältig den Rührstab durch den gelb-braunen Sud gezogen hat, hebt den Einkochkessel und schüttet den Inhalt in einen Läuterbottich. In diesem werden die festen von den flüssigen Bestandteilen der Maische getrennt. Bei diesem Vorgang gibt es eines zu beachten, so Gerhard Ruhmann: „Das Läutern ist nichts für Hektiker.“ Die gefilterte Flüssigkeit schmeckt nun sehr süß. Nach dem Aufkochen, was alle Keime abtötet, wird mit dem Hopfen die nächste wichtige Zutat zugegeben.

Während sich der außergewöhnliche Arbeitstag für die Seminarteilnehmer dem Ende entgegen neigt, wartet Gerhard Ruhmann immer noch mit weiteren Informationen auf. Er gibt den angehenden Bierbrauern mit auf den Weg, dass sie steuerfrei bis zu 200 Liter pro Jahr selbst brauen dürfen. Außerdem erzählt er, dass das heute gebraute Bier drei bis vier Wochen reifen muss. Aus diesem Grund kann es selbstverständlich nicht sofort gekostet werden. Vielmehr wird ein späterer Braukurs Gerhard Ruhmanns in den Genuss kommen, das Bier aus Hemer zu probieren. Es bestimmt genauso gut ankommen, wie bei den Hemeranern das „Hönnetaler Gold“. Prost!