RSE-Trauerspiel um stillgelegte Bahnstrecke Hemer-Menden
10.02.2010 | 10:38 Uhr 2010-02-10T10:38:00+0100
Hemer. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn wird die stillgelegte Bahnstrecke Menden-Hemer nur für Sonderfahrten zur Landesgartenschau nutzen und anschließend aufgeben. Dazu nimmt Johannes Schmoll hier nachfolgend Stellung als Vorsitzender der "Eisenbahnfreunde Hönnetal".
"Die Frage nach der Perspektive der Strecke Menden-Hemer ist nun offenbar geklärt. Was örtlichen Eisenbahnfreunden in Kenntnis der politischen und gesellschaftlichen Zustände vor Ort längst klar war, ist bei der RSE nun auch angekommen. Nach der Landesgartenschau wird die Strecke Menden-Hemer endgültig aufgegeben und abgebaut.
Was soll man dazu sagen? Enttäuschung macht sich breit, keine Schadenfreude! Denn die Rhein-Sieg-Eisenbahn, die schon andere Strecken wieder in Betrieb setzte - wenn auch in der Regel nur museal, hat ja bei vielen Menschen nicht nur Hoffnungen geweckt, sie hat gerade bei den Aktiven des zum Glück noch nicht gegründeten „Förderverein Oesetalbahn" auch Hoffnungen ausgenutzt.
Viele Bürger entlang der Strecke nach Hemer konnten und wollten sich mit der Einstellung einer Eisenbahn in einem so dicht besiedelten Gebiet nicht abfinden und haben nicht nur politisch, sondern auch ganz praktisch gehandelt. Der Weichenausbau in Hemer war nur ein Beispiel. Auch wenn wir stets anders gedacht haben, zollen wir diesen Aktiven unseren Respekt! Wie mögen sich diese Menschen wohl jetzt fühlen?
Dass ihre Hoffnungen von vornherein ziemlich chancenlos waren, hätte jedem, der sich näher mit der Thematik beschäftigt hat, klar sein müssen. Die Politik, egal auf welcher Ebene, hat nie den Mut aufbringen können, den Öffentlichen Personennahverkehr zwischen den Städten Menden, Hemer und Iserlohn sinnvoll und aufeinander abgestimmt zu ordnen - egal nur mit Bus oder besser mit Bus und Eisenbahn. Zwar gab es einzelne Hoffnungsschimmer, letztlich ist alles mit dem Argument fehlender Finanzen und auch aus Bequemlichkeit im Sande verlaufen.
Wir Eisenbahnfreunde Hönnetal e. V. haben - nach vielen Jahren des Einsatzes für diese Strecke, nach endlosen Sitzungen und Debatten - das irgendwann hinnehmen müssen. Verstanden haben wir es bis heute auch nicht.
Aber uns ist klar: Die Strecke Menden-Hemer hat nur die Option Schienenpersonennahverkehr und keine andere. Und wenn diese Option nicht greift, ist der Radweg wohl das kleinere Übel, wenn auch garantiert keines, das uns glücklich machen würde! Wie anmaßend oder naiv (?) dagegen anzunehmen, dass sich dieses politische Blatt plötzlich wenden würde, nur weil ein privates Unternehmen plötzlich daherkommt und eine Kommune (Stadt Hemer) mit legalen rechtlichen Mitteln unter Druck setzt - rechtlich und finanziell.
Diese Art des Vorgehens ist bei uns von Anfang an auf große Skepsis gestoßen. Rechtlich mag es einwandfrei sein, aber damit gewinnt man nicht die Herzen der Menschen, die notwendig sind, um politische Prozesse in letzter Sekunde zu ändern. Die RSE hat weite Teile der bahnfreundlich gestimmten Bevölkerung nicht erreicht und die Oesetalbahner haben leider mit ihrem großen Elan gegen Windmühlen kämpfen müssen.
Es bleiben Fragen: Warum ist die Rhein-Sieg-Eisenbahn nie selbst offensiv an die Öffentlichkeit gegangen? Warum hat sie selbst nie die Initiative ergriffen, Freunde für diese Bahnlinie zu gewinnen? Warum musste das ausschließlich über die Aktiven des Fördervereins Oesetalbahn geschehen? Hat sie selbst nie an den Erfolg dieses Projektes geglaubt? Dann stellt sich die Frage, warum sie aktiv geworden ist.
Schlimmer ist aber die Frage: Welchen Schaden hinterlässt dieses Unternehmen hier vor Ort? Dabei geht es nicht nur um finanzielle Aspekte.
Wenn jetzt Fahrten zur Landesgartenschau auf der Strecke nach Hemer nochmals zustande kommen sollten, dann wieder unter dem Stern der „letzten Fahrten", wie sie Hemer 1989, 1993 (Sundwig), 2007 und 2008 schon erlebt hat - ein Trauerspiel."
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