Rentner lassen im Training die Reifen quietschen

Zwölf Fahrerinnen und Fahrer im Alter von über 65 Jahren nahmen an einem Fahrsicherheitstraining teil, welches die Polizei des Märkischen Kreises verlost hatte.
Zwölf Fahrerinnen und Fahrer im Alter von über 65 Jahren nahmen an einem Fahrsicherheitstraining teil, welches die Polizei des Märkischen Kreises verlost hatte.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Senioren lernen auf Verkehrsübungsplatz den Umgang mit Gefahrensituationen im Straßenverkehr

Hemer..  „Eigentlich dachte ich, dass ich im Straßenverkehr schon alles kann“, sagt Rolf Matthes. Der Rentner ist stolze 80 Jahre alt und verfügt über jede Menge Erfahrung im Straßenverkehr, aber ob er in Extremsituationen immer noch so reagieren würde wie früher? Diese Frage stellte sich Rolf Matthes auch lange Zeit, gestern wurde sie beantwortet. Allerdings nicht im Straßenverkehr, sondern auf dem Verkehrsübungsplatz in Hemer. Dorthin hatte die Polizei des Märkischen Kreises zwölf Senioren eingeladen, die unter Anleitung zweier Fahrsicherheitstrainer den Umgang mit Gefahrensituationen erlernen sollten.

Dieses einmalige Training für Senioren hatte die Polizei bei ihrer Infoveranstaltung im Rahmen des Seniorenkinos im Filmpalast Iserlohn, das immer am ersten Mittwoch im Monat stattfindet, verlost. „Es ist nicht einfach, die Generation über 65 Jahren zu erreichen. Dank der Kooperation mit dem Filmpalast ist es uns nun gelungen, die ersten Senioren für solche Fahrsicherheitstrainings zu sensibilisieren und hoffen, dass viele weitere folgen werden“, sagt Bernd Scholz, Leiter der Direktion Verkehr.

Eine gewisse Skepsis war mit von der Partie

Mit gemischten Gefühlen kamen am Montag die glücklichen Gewinner auf dem Verkehrsübungsplatz in Hemer an. Eine gewisse Unsicherheit machte sich schon breit im Schulungsraum. „Was kommt auf uns zu? Kann etwas passieren? Schaffen wir das?“ Fragen, die den Senioren zu Beginn in den Köpfen herumschwirrten. Doch die Fahrsicherheitstrainer Axel Strüver und Uwe Düchting konnten die Teilnehmer schnell beruhigen, und so stieg nach der Vorstellungsrunde auch die Vorfreude auf das eigentliche Training. Ein Slalomparcours, Kurvenfahrten, Bremstechniken sowie das Ausweichen und Bremsen bei Hindernissen standen auf dem Programm.

Die erste Vollbremsung nach 60 Jahren Führerschein

„Von solchen Dingen habe ich einiges noch nie in meinem Leben gemacht“, sagt Rolf Matthes, der noch nie für eine Vollbremsung voll in die Eisen hat steigen müssen. Gestern musste er. Und laut seines Trainers machte es der 80-Jährige auch sehr gut. „Das war eine sehr gute Bremsung“, gab Fahrsicherheitstrainer Axel Strüver sein Lob über das Funkgerät weiter

Auch die anderen Teilnehmer legten die anfängliche Skepsis immer mehr ab, und so quietschten nicht selten die Reifen auf dem Asphalt des Übungsplatzes. Auch bei den Kurvenfahrten spielten die Senioren mächtig mit dem Gaspedal und standen jüngeren Fahrern, die normalerweise vermehrt an den Fahrsicherheitstrainings der Verkehrswacht Iserlohn teilnehmen, in nichts nach.

Doch neben all dem Spaß kam auch die Ernsthaftigkeit nicht zu kurz. Denn die Fahrerinnen und Fahrer zeigten sich doch erstaunt über die schwierigen Verhältnisse bei nasser Fahrbahn und die Folgen einer falschen Lenkradhaltung. Auch die Sitzposition war bei den wenigsten von vornherein optimal. „Ich bin sehr froh, dass ich an diesem Training teilnehmen konnte und bin mir sicher, dass ich nun im Falle einer Extremsituation anders reagieren würde als zuvor“, resümiert Rolf Matthes. Und genau das war ja auch das Ziel.