Natur darf Munitionsdepot zurückerobern

Das ehemalige Wachgebäude an der Zufahrt wird abgerissen
Das ehemalige Wachgebäude an der Zufahrt wird abgerissen
Foto: IKZ

Hemer..  Ein weiteres Zeugnis der Vergangenheit Hemers als Militärstandort wird in den kommenden Jahren verschwinden: Das verborgene im Wald zwischen Apricke und der Becke gelegene Munitionsdepot. Seit Beginn der sechziger Jahre wurde dort in rund 20 unterirdischen Betonbunkern die gesamten Munitionsbestände der Blücherkaserne gelagert. Als nach dem Ende des Kalten Krieges die Bundeswehr verkleinert wurde und damit auch die Belegung des Hemeraner Standortes schrumpfte, wurde das Munitionsdepot nach und nach geräumt und schließlich ganz aufgegeben, nachdem der komplette Abzug aus Hemer beschlossen war.

Jetzt soll das gesamte Gelände quasi aus der militärischen wieder in die Verantwortung der Natur zurückgegeben werden. Zu diesem Zweck wird das Munitionsdepot zu einer Bodendeponie umfunktioniert. Betrieben wird die Deponie voraussichtlich über fünf Jahre von einem Mendener Bauunternehmen, das dort rund 100 000 Kubikmeter unbelasteten Erdreichs abkippen darf. Diese Menge reicht aus, dass sämtliche der Betonbunker darunter verschwinden und anschließend äußerlich nichts mehr an die zwischenzeitliche Nutzung durch die Armee erinnert.

Wachtürme mitten im Wald

Über Jahrzehnte war das gesamte Gelände nicht nur von einem Sicherheitszaun umgeben, sondern auch strengstens bewacht. Zu diesem Zweck waren sogar mit Suchscheinwerfern ausgestattete Wachtürme errichtet worden. Der Bewuchs mit hohen Bäumen verhinderte auch den Blick von oben, so dass die Lage des Depots selbst heute auf Luftbildern kaum auszumachen ist. All diese Sicherheitseinrichtungen werden nicht zugekippt, sondern zuvor abgerissen oder demontiert. Das gilt auch für die Wachgebäude an der ehemaligen Zufahrt zum Depot sowie die asphaltierten Straßen und Plätze.

Boden wird kontrolliert

Die Betreiberfirma muss allerdings eine neue Zufahrt bauen, die die Deponie von der Zufahrt vom Steinbruch Stricker/Weiken aus erschließt. Über diese werden dann die mit dem Boden beladenen Lkw rollen. Um die Belastungen durch den zusätzlichen Schwerverkehr für die Anwohner in der Becke möglichst gering zu halten, müssen die Deponie und der Steinbruch eng zusammenarbeiten: die Lastzüge, die mit Erdreich die Deponie-Anfahren, sollen möglichst anschließend mit im Steinbruch geladenem Material wieder abfahren, so dass zwei Leerfahrten gespart bleiben. Dennoch wird mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen von etwa zehn Lkw pro Werktag zu rechnen sein. Die Qualität des angelieferten und deponierten Bodens wird regelmäßig durch den Märkischen Kreis überprüft.

Auch wenn es zwischenzeitlich zu Störungen der Flora und Fauna durch die Deponie kommet, wird am Ende die Natur profitieren. Und es gibt eine Menge seltener Pflanzen und Tiere in dem Gebiet, wie der Landschaftspflegerische Begleitplan ausweist, den das Essener Fachbüro „Ökoplan“ erstellt hat. Deren Bestände sollen schon während des Betriebes möglichst geschont werden. So muss zum Beispiel auf Fledermäuse Rücksicht genommen werden. Bäume, die gefällt werden müssen, werden vorher auf eventuelle Fledermaushöhlen untersucht. Die Säge darf erst dann angesetzt werden, wenn die Tiere von sich aus ausgeflogen sind. Notfalls müssen Fledermausspezialisten sich um sie kümmern. Mindestens einer der Bunker soll dauerhaft als Winterquartier für Fledermäuse hergerichtet werden.