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Michael Esken zieht es in seine Heimatstadt Verl

21.01.2015 | 22:48 Uhr
Michael Esken zieht es in seine Heimatstadt Verl
Michael Esken wurde als Bürgermeister-Kandidat der CDU Verl nominiert, links die Fraktionsvorsitzende Gabi Nitsch, rechts der CDU-Vorsitzende Matthias HumpertFoto: Christoph Ackfeld

Hemer/Verl. Michael Esken wird aller Voraussicht nach den Bürgermeistersessel in Hemer räumen und dafür in seiner Heimatstadt Verl einnehmen. Dort hat ihn der Vorstand der Verler CDU am späten Dienstagabend – noch im Anschluss an die Ratssitzung in Hemer – einstimmig für dieses Amt nominiert. Nachdem Esken seine Zusage zur Kandidatur gegeben hat, braucht sie nur noch am 7. Februar von einer Mitgliederversammlung abgesegnet zu werden. Die Wahl des Bürgermeisters findet am 13. September statt.

Die Entwicklung der letzten Tage kam völlig überraschend – auch für Michael Esken selbst, wie er am späten Abend auf einer Pressekonferenz erklärte. Zuvor hatte er den erweiterten Vorstand und die Fraktion der Hemeraner CDU über seine Pläne informiert. Lediglich den Vorsitzenden und Fraktionschef Martin Gropengießer habe er, so Esken, bereits am Sonntagabend in Kenntnis gesetzt. Von Gropengießer war dazu gestern keine Stellungnahme zu erhalten, er verwies auf eine Pressekonferenz der CDU am Donnerstagabend.

„Ich kann mich nicht erinnern, je eine schwerere Entscheidung getroffen zu haben!“ Mit diesen Worten warb Esken um Verständnis für seinen Entschluss, den er nicht kühl und rational kalkuliert, sondern emotional aus dem Bauch heraus gefasst habe. Im Mittelpunkt stehe die Zusammenführung seiner Familie. Bekanntlich führt Eskens Frau in Verl ihre Zahnarztpraxis, die beiden Töchter gehen dort zur Schule. Esken: „Dort steht mein Elternhaus, dort leben meine Mutter, meine Schwester, mein Bruder und viele alte Freunde.“ Als sich für ihn in den zurückliegenden Tagen urplötzlich das Fenster aufgetan habe, seinen Lebensmittelpunkt und sein berufliches Wirken zusammenzulegen, habe er zugegriffen. So eine Chance bekomme man „nur einmal im Leben“.

Risiko der Nicht-Wahl istin Verl nicht sehr groß

Verl ist mit knapp 25 000 Einwohnern kleiner als Hemer, das Amt des Bürgermeisters um eine Besoldungsstufe niedriger dotiert. Es seien also gewiss keine materiellen Gründe, die ihn bewogen haben, sich zu bewerben, beteuert Esken. Dennoch lockt in gewisser Weise das Geld: Verl sei eine der reichsten Kommunen in NRW, räumt Esken ein. Und die sich dadurch ergebenden Gestaltungsspielräume würden ihn durchaus reizen.

Ein großes Risiko in Verl eventuell nicht gewählt zu werden, geht Michael Esken nicht ein. Seine Chancen stehen in der traditionell „schwarzen“ Stadt ausgesprochen gut. Die CDU ist seit 1975 mit 68 bis 52 Prozent die stärkste Fraktion. Bei der ersten Direktwahl eines Bürgermeisters erzielte der Christdemokrat Klaus Hörsting 76,7 Prozent der Stimmen. Sein Nachfolger und noch amtierender Bürgermeister Paul Hermreck kam 2004 auf 58 Prozent und 2009 auf 64,8 Prozent.

Am 30. Dezember hatte Hermreck überraschend mitgeteilt, am 13. September 2015 nicht noch einmal kandidieren zu wollen. Der 58-Jährige beklagte bei einigen wichtigen Entscheidungen mangelnde Unterstützung durch die Mehrheitsfraktion. Für die Verler CDU kam die Absage überraschend. Bei der Suche nach einem neuen Kandidaten wurde dann am 13. Januar zunächst der Name des Verler Kämmerers Matthias Möllers ins Spiel gebracht, der einen Tag später auf die Kandidatur verzichtete.

Auf der Liste möglicher Kandidaten stand ebenfalls Michael Esken. Eine telefonische Kontaktaufnahme mit dem Verler CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Matthias Humpert hat es am vergangenen Freitag gegeben. Am vergangenen Sonntag ist das Ganze dann in einem vierstündigen persönlichen Gespräch mit dem Verler Parteichef Matthias Humpert und der Fraktionsvorsitzenden Gabi Nitsch konkret geworden. Am Dienstagabend tagte in Verl der CDU-Vorstand, Michael Esken stieß nach der Ratssitzung in Hemer noch dazu. Spätabends sei dann das Paket festgezurrt worden - einstimmig.

Bis auf weiteres bleibe er Bürgermeister in Hemer, werde professionell seine Aufgaben erledigen, unterstrich Esken gestern Abend. „Es gibt noch einige Projekte, die ich in Hemer anstoßen und umsetzen möchte.“ Er wolle nicht den Eindruck hinterlassen, dass er schon weg sei. Den Wahlkampf in Verl werde er nach Feierabend und an Urlaubstagen führen. Ob er schon vor der Wahl am 13. September in Hemer zurücktrete, sei allein seine Entscheidung, die er in enger Absprache mit der hiesigen CDU treffen wolle.

Erinnerung an den Abschied von Heinz Öhmann

Der vorzeitige Abschied des Bürgermeisters ist für die Hemeraner CDU ein déjà-vu. Im November 2002 hatte der aus Lingen kommende Heinz Öhmann nach siebeneinhalb Jahren überraschend erklärt, im März 2003 für das Bürgermeisteramt in Coesfeld kandidieren zu wollen. Auch er führte vor allem familiäre Gründe an, zumal seine Ehefrau Friederike in der Coesfelder Kreisverwaltung tätig war. Mit der Wahl und Amtsübernahme Öhmanns in Coesfeld mussten die Hemeraner Christdemokraten auf eine neue Kandidatensuche gehen. Aus 22 Bewerbern wurde schließlich Michael Esken nominiert.

Folgende Erklärung gab Esken am Mittwochabend ab:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

schlaflose Nächte kenne ich eigentlich gar nicht. Fast nichts hat mich seit meinem Amtsantritt im Jahr 2003 um den Schlaf gebracht: Kein Jugend- und Kulturzentrum, kein Haushaltssicherungskonzept, keine Landesgartenschau, sieht man einmal von dem ersten Entwurf des Jübergturms ab. Das hat sich in der vergangenen Woche grundlegend geändert, denn meine Familie und ich mussten einen lebenswichtigen Entschluss treffen: Ich werde vielleicht nach einer Wahl im September diesen Jahres von Hemer in die Stadt Verl (Kreis Gütersloh) wechseln.

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine schwerere Entscheidung getroffen zu haben. Aber dieser Schritt, und das wissen wir alle, musste irgendwann einmal auf mich zukommen. Es gibt Momente im Leben, die sich als einmalige Chancen entpuppen. Es sind die Momente, in denen sich eine Tür nur einen Spalt öffnet, und wenn wir nicht hindurchschlüpfen, verschließt sie sich auf ewig. Der CDU-Vorstand im ostwestfälischen Verl hat mich gestern Abend einstimmig als ihren Bürgermeisterkandidaten nominiert. Und ja, ich möchte diese einmalige Gelegenheit nutzen, und mich in der Stadt, in der ich zur Grundschule und zum Gymnasium gegangen bin, in der ich aufgewachsen bin, in der ich als Gruppenleiter der Kolpingsfamilie arbeiten durfte, in der ich über 12 Jahre im Rat saß und in der meine Mutter und Geschwister leben als Bürgermeisterkandidat zur Wahl stellen.

Ich wünsche mir von Herzen, dass ich mit dieser Entscheidung niemandem vor den Kopf stoße, vielmehr erhoffe ich mir Ihr Verständnis. In Verl gehen meine beiden Töchter zur Schule und arbeitet meine Frau. Seit 12 Jahren hier in Hemer erfahre ich durch meine Familie größte Unterstützung in meinem Beruf. Es ist nun für mich als christlicher Mensch, dem Familie das höchste Gut ist, an der Zeit, meiner Frau und meinen Kindern etwas zurückzugeben und ihnen wenn möglich und die Bürgerinnen und Bürger mich wählen nach Verl zu folgen.

Liebe Hemeranerinnen und Hemeraner, diese Entscheidung habe ich seit Sonntagabend dieser Woche in den sehr kurzen Nächten wohl durchdacht, immer wieder abgewogen und keineswegs lange vor mir hergeschoben. Erst mit dem Jahreswechsel habe ich im Urlaub erfahren, dass Verls amtierender Bürgermeister Paul Hermreck nicht mehr kandidieren wird. In den vergangenen Tagen ist dann die CDU Verl an mich herangetreten und hat mich überzeugt, mich der Bürgermeisterwahl am 13. September 2015 zu stellen.

Meine sehr geehrten Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich habe bereits erwähnt, dass es die fast schwerste Entscheidung meines Lebens ist, Hemer evt. zu verlassen. Gemeinsam haben wir in elfeinhalb Jahren so vieles erreicht. Ich liebe diese Stadt, ich liebe diese tollen Menschen in Hemer. Ihnen allen möchte ich aus tiefstem Herzen Danke sagen. Ohne starke Bürger kann es keinen starken Bürgermeister geben. Ohne Sie alle wäre ich auch nicht in der Lage gewesen, die Geschicke unserer Stadt mit zu lenken. Ohne Sie hätte sich diese jetzt anstehende Chance mit all ihren Herausforderungen wahrscheinlich auch nie ergeben. Ein besonderer Dank gilt natürlich auch der CDU in Hemer, den Fraktionsmitgliedern, dem CDU-Vorstand und dem ganzen CDU-Team, denn ohne die Unterstützung aus der Partei heraus wäre vieles einfach nicht möglich gewesen.

Bitte akzeptieren Sie, dass ich mich für die Familie entschieden habe. Ich hoffe, dass die Verler Bürgerinnen und Bürger mich willkommen heißen werden.

Reinhard Köster und Ralf Engel

Kommentare
22.01.2015
18:56
Michael Esken zieht es in seine Heimatstadt Verl
von Erziehungsberechtigter | #9

Wer könnte denn die Alternative sein?

Vor Herrn Esken hatte Hemer als letzten guten BM Hans Meyer.
Und dies schreibe ich als Nicht-CDU-Wähler.

1 Antwort
Michael Esken zieht es in seine Heimatstadt Verl
von GraueGans1 | #9-1

Jeder ist ersetzbar. Und auch ein Herr Esken ist ersetzbar. Es wird immer bessere Alternativen geben. Man wird sehen was passiert. Und auch derjenige, der die Nachfolge übernimmt, der wird wieder hoch in den Himmel gehoben.

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