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Landesgartenschau im Kriegsgefangenenlager Stalag VI A Hemer

12.02.2010 | 18:17 Uhr
Landesgartenschau im Kriegsgefangenenlager Stalag VI A Hemer

Hemer. Der wahre Hemeraner „Zauber der Verwandlung” ist jetzt vielen Journalisten aus NRW vorgestellt worden: vom Kriegsgefangenenlager Stalag VI A zur wunderschönen, friedvollen Landesgartenschau. Da sah man betroffene Mienen.

Heute spreche man nicht über Blumen, sondern über ein Kapitel Ortsgeschichte, das zugleich ein Weltgeschichtskapitel sei, eröffnete Bürgermeister Michael Esken die Konferenz am Ort des Geschehens im Gebäude 15 der Landesgartenschau - vor einigen Jahren noch Stabsgebäude des Panzerbataillons 203 der Bundeswehr in der damaligen Blücherkaserne in der Garnisonstadt Hemer.

Anlass war jetzt die Vorstellung des Modells vom Stammlager VI A Hemer, woran Wolfgang Ebe seit April 2008 mit akribischer Genauigkeit arbeitet und bisher über tausend Arbeitsstunden investiert hat. Das Modell (Maßstab 1 : 300) zeigt den baulichen Zustand des größten Kriegsgefangenenlagers in Deutschland im Istzustand des Jahres 1945 mit Baracken, immer noch mit Zelten von Nürnberger Nazi-Parteitagen und mit noch heute markanten Kasernenblöcken. Als Vorsitzender des Vereins für Hemeraner Zeitgeschichte zählte Hans-Hermann Stopsack die wechselvolle Nutzung auf: Bau als Wehrmachtskaserne, Stammlager VI A Hemer für kriegsgefangene Soldaten, nach der Befreiung am 14. April 1945 durch US-Soldaten „Camp Roosevelt” und Lazarett und Lager zur Heimführung verschleppter Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter, Internierungslager für deutsche Nazis, Ardennenkaserne für belgische Besatzungstruppen, ab 1956 Bundeswehrgarnison. Stopsack: „Und jetzt die schönste Verwandlung. Es gehört zur Geschichte des Landesgartenschaugeländes und der Stadt und zur größeren Geschichte mit Bedeutung für das Ruhrgebiet.” Kriegsgefangene Soldaten aus dem berüchtigten Stalag VI A Hemer seien zu Zehntausenden bei Arbeitseinsätzen im Ruhrbergbau und in der Landwirtschaft an Unterernährung und schwerer Arbeit gestorben. Weitest entfernte Arbeitseinsatzorte für Stalag-VI-A-Kriegsgefangene waren Neuss und Düren im Westen, Tecklenburg im Norden, Lübbecke, Warburg, Brilon in östliche Richtung.

Die Stalag-VI-A-Ausstellung in der Landesgartenschau mit Modell, Fotos und Dokumenten werde die Betrachter erschüttern, sagte Stopsack: Und wenn sie wieder draußen im schönsten Gelände seien, wäre das der größte Zauber der Verwandlung.

Esken machte die Journalisten auf Hemers Abkürzungsjargon aufmerksam und bat eindringlich um Berücksichtigung bei der Berichterstattung: Alle Welt kürze Landesgartenschau als „Laga” ab, während man in Hemer auf „LGS” bestehe wegen der phonetischen Laga-Nähe zum Stalag. Stopsack dolmetschte: „,Laga' heißt Westfälisch ,Lager'.”

Ehemalige Stalag-VI-A-Insassen haben Hemer in den letzten Jahrzehnten verstärkt besucht; letzte Überlebende in hohem Alter haben sich angemeldet für den LGS-Besuch im Sommer.

Wolfgang Ebe war eigentlicher Mittelpunkt der Pressekonferenz. Seit April 2008 baut er in unzähligen Stunden an dem Lagermodell, das Ende März fertig sein soll. Allein der Zaun: 7,5 km im Original ist für 17 Modellmeter aus 3000 Messingstiften zusammengelötet worden; am Ende werden es 25 m Zaun sein. Er habe Maschinenschlosser gelernt und 34 Jahre bei der Eisenhütte gearbeitet, sagt der 50-jährige Deilinghofer.

Paul Kramme

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