Kind des Ruhrgebiets mit türkischen Wurzeln

Ertunc Deniz, Leiter des Amtes für Jugend, Familien, Senioren und Soziales in Hemer
Ertunc Deniz, Leiter des Amtes für Jugend, Familien, Senioren und Soziales in Hemer
Foto: IKZ

Hemer..  Ertunc Deniz ist durchaus stolz auf seine Herkunft. So hat er selbst recherchiert, dass er wohl der einzige türkischstämmige Jugendamtsleiter in Deutschland ist. Oder besser wird, denn offiziell hat ihn der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag erst zum 1. Juni in dieses Amt bestellt. Was auf den 34-Jährigen im neuen Job erwartet, weiß er genau, denn die Arbeit des Leiters des Amtes für Jugend, Familie, Senioren und Soziales – wie es offiziell heißt – erledigt er bereits kommissarisch seit März dieses Jahres, nachdem sein Vorgänger Klaus Erdmann zum Dezernenten aufgestiegen war.

Zweisprachigkeit bautviele Hemmnisse ab

Türkischstämmig bedeutet im Fall von Ertunc Deniz übrigens nicht, dass er jenseits des Bosporus das Licht der Welt erblickt hätte. „Eigentlich bin ich ein Kind des Ruhrgebiets“, lacht Deniz, der in Witten geboren und aufgewachsen ist. Seine Eltern allerdings waren aus der Türkei nach Deutschland gezogen, haben sich aber von Anfang an bemüht, sich in der neuen Heimat zu integrieren. Auch wenn die ersten Worte, die er als Kleinkind gesprochen hat, sicherlich türkisch waren, empfindet Ercun Deniz dennoch Deutsch als seine Muttersprache. Allerdings beherrscht er parallel auch das Türkische perfekt. Ein Umstand, der ihm in seiner bisherigen Laufbahn als Sozialarbeiter sehr oft nützlich gewesen ist.

Auch wenn er mittlerweile zumeist am Schreibtisch sitzt, ist Ertunc Deniz mit der Arbeit an der Basis genauestens vertraut. Bevor er vor vier Jahren als Leiter der Abteilung für Erziehungshilfe zur Hemeraner Stadtverwaltung stieß, hatte er sich bereits als stellvertretender Sachgebietsleiter und Bezirkssozialarbeiter in Wermelskirchen und Radevormwald Meriten verdient. Und immer, wenn er sich um Kinder und Jugendliche aus türkischen Familien kümmern musste, bauten sein Name und seine Sprachkenntnisse häufig schnell Hemmungen ab. Andererseits hat sein eigener Migrationshintergrund nie den Zugang zu deutschen Familien erschwert. „Sobald die Menschen die fachliche Kompetenz wahrnehmen, spielt das keine Rolle mehr“, so seine Erfahrungen.

Mit der Arbeit an derBasis bestens vertraut

Obwohl er auf das Studium der Sozialarbeit später berufsbegleitend ein Masterstudium in Sozialmanagement aufgesattelt hat, kennt Ertunc Deniz auch die nichtakademische Arbeitswelt aus langjähriger Erfahrung. Bevor er über den zweiten Bildungsweg sein Abitur machte, hatte er bereits eine Ausbildung als Energie-Elektroniker absolviert. Sein Studium finanzierte er durch Arbeit im Bergbau, aber auch schon in einem Kinderheim. Letzteres hat ihm reichlich Erfahrung für sein späteres Berufsleben beschert.

Im Moment ist Ertunc Deniz noch dabei, sich mit seinem umfangreichen Aufgabengebiet im Detail vertraut zu machen. Waren bisher zumeist Kinder und Jugendlichen seine Klientel, so ist er mittlerweile zum Beispiel auch für die Seniorenarbeit der Stadt verantwortlich. Und sein Amt ist mit über 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das personell größte in der Stadtverwaltung. Es gilt also, eine Menge von neuen Namen und Gesichtern kennen zu lernen. Die Gesichter, die er aber am liebsten sieht, sind die seiner Frau und seiner beiden kleinen Töchter. Sie sind die Quelle, aus der er Kraft für die Verantwortung und Arbeit schöpft. Die junge Familie wohnt in Dortmund, unweit des BVB-Trainingsgeländes. Und obwohl seine Sympathie für den Club über die Jahre immer weiter gewachsen ist, schließt Ertunc Deniz nicht aus, demnächst aus Dortmund fortzuziehen. Dann natürlich nach Hemer.