Keine vierte Tonne für die Kartoffelschalen

Eine Biotonne bekommen die Hemeraner nicht. Sie sollen den Biomüll zum Bringhof fahren.
Eine Biotonne bekommen die Hemeraner nicht. Sie sollen den Biomüll zum Bringhof fahren.
Foto: dpa

Hemer..  Eine vierte Mülltonne mit grünem oder braunen Deckel müssen sich die Hemeraner nicht vor die Haustür stellen, doch auch in der Felsenmeerstadt gilt seit Jahresbeginn die bundesweite Pflicht, den Biomüll separat zu sammeln. Wer im eigenen Garten kompostiert, ist auf der ökologisch sichersten Seite, alle anderen können ihre Kartoffelschalen und Kaffeefilter künftig zum Bringhof in Deilinghofen fahren. Gestern fehlte allerdings noch der bestellte Container. In den nächsten Tagen soll er aufgestellt werden.

Wenige Städte ohne Biotonne

Grundlage für die Biotonne ist eine Regelung im Kreislaufwirtschaftsgesetz. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) appellierte an alle Länder und Kommunen, die Pflicht flächendeckend umzusetzen. Im Frühjahr letzten Jahres hatten immerhin schon 340 der etwa 400 Stadt- und Landkreise in Deutschland eine Biotonne eingeführt. Bis auf Lüdenscheid und Neuenrade wehren sich aber alle Städte im Märkischen Kreis vor allem aus Kostengründen für die Bürger gegen eine weitere Tonne. Bei einem Holsystem müssten nämlich Behältermieten, Sammeln und Transport zusätzlich berechnet werden, obwohl die eigentlichen Entsorgungskosten über die Restmüllkosten der Abfallentsorgungsgesellschaft bereits bezahlt sind.

Im Bringsystem sehen Kreis und Stadt eine Alternative, die auch den gesetzlichen Vorgaben entspreche, denn dort sei nicht vorgeschrieben, wie Bioabfälle gesammelt werden müssten. Zum Biomüll gehören auch Grünabfälle, die bereits in großen Mengen in Hemer gesammelt werden. Allein der Bringhof verzeichnet eine jährlich Zunahme auf mittlerweile 1300 Tonnen. Mit den zehn Grünabfuhren in den Ortsteilen erreicht Hemer über 2500 Tonnen. Bis 2021 sollen nach dem Landes-Plan durchschnittlich pro NRW-Bürger 150 Kilogramm biologischer Abfall ökologisch ausgenutzt werden, somit müsste sich die Hemeraner Menge noch verdoppeln. Unbekannt ist aber die Menge der Eigenkompostierung.

Nun sollten die Hemeraner aber nicht auf die Idee kommen, ihre Nahrungs- und Küchenabfälle mit in die Grünabfuhr zu werfen. „Bioabfälle werden separat in eine Verwertungsanlage gebracht“, betont Umweltamtsleiter Edgar Schumacher. Es dürfte sich somit für die wenigsten Haushalte lohnen, die Küchenabfälle gesondert im Keller in einer ausleerbaren Tonne zu sammeln und dann, rechtzeitig bevor sie das ganze Auto zumüffeln, kilometerweit bis nach Deilinghofen zu transportieren.

Laut dem Bundesumweltministerium gehören in die Bioverwertung: Käse einschließlich der Naturrinde, Fischgräten und Tierknochen in haushaltsüblichen Mengen. Gräten werden am besten in Zeitungspapier eingewickelt, um üblen Geruch einzudämmen. Das Papier sollte aber nicht bunt bedruckt sein. Küchenkrepp, Papierhandtücher und Taschentücher, auch Servietten, sind erlaubt, ebenso Sammeltüten für Bioabfall aus Papier und aus gekennzeichneten biologisch abbaubaren Kunststoffen. Grundsätzlich sollten Papier und Pappe aber nicht in diese Tonne kommen. Milchprodukte wie die Reste vom Joghurt und Quark dürfen in die Biotonne, Milch selbst aber nicht.

Reste von Brot und Wurst

Schalen von Zitrusfrüchten, auch etwa die von Äpfeln, Birnen und Kartoffeln, gelten als Grünabfälle und sind damit erlaubt. Auch Eierschalen sind zulässig. Mit Speiseresten sollten es Verbraucher nicht übertreiben. Nur haushaltsübliche Mengen von rohen, gekochten oder verdorbenen Nahrungsmitteln sollten in die Biotonne kommen. Das gilt auch für Fleisch- und Wurstwaren. Reste von Brot und sonstigen Backwaren sind auch erlaubt. Teebeutel, Teereste sowie Kaffeesatz und Kaffeefilter dürfen ebenfalls hinein.

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