Kein Futterbrocken im Haifischbecken Möbel-Branche

Möbelhändler Rainer Wiesemann
Möbelhändler Rainer Wiesemann
Foto: IKZ

Hemer..  Als Rainer Wiesemann in den vergangenen Tagen die Nachrichten über die jüngsten Konzentrationen auf dem regionalen Möbelmarkt las, haben sie ihn erst überrascht, dann traurig gemacht. „In 10 bis 15 Jahren werden nur noch die Großen übrig bleiben“, prophezeit Hemers einziger Möbelhändler. Befürchtungen, s­ein Geschäft könnte das nächste Stückchen Futter im Haifischbecken der Branche sein, hegt er allerdings nicht.

Die Vorstellung, das Möbelhaus Wiesemann könnte ähnlich wie Sonneborn oder Zurbrüggen durch XXXLLutz übernommen werden, lässt Rainer Wiesemann sogar schmunzeln: „Ich würde sofort ja sagen, wenn der Preis stimmt, aber das wird nicht passieren.“ Der Familienbetrieb, den Wiesemann in vierter Generation leitet, hat sich über Jahre und Jahrzehnte in einer Marktnische eingerichtet und ist dort vor allem aufgrund seiner geringen Größe wohl sicher vor den Gelüsten der Branchen-Riesen. Allerdings muss auch die Firma Wiesemann sich strecken, wenn sie im tobenden Preiskampf überleben will.

Wer weder in der Disziplin „Billiger“ und schon gar nicht „Größer“ mithalten kann, muss seine Chance in der Sparte „Besser“ suchen. Und genau das gelingt Rainer Wiesemann bisher ganz gut. Schon vor 20 Jahren hat er sich vom Vollsortiment verabschiedet und setzt in erster Linie auf die Standbeine Küchen, begehbare Schränke sowie gesundes Schlafen und Sitzen – jeweils im mittleren und hohen Qualitätsstandard. Das Pfund, mit dem er Wuchern kann, ist dabei die Beratungskompetenz und -sorgfalt, die die Kunden überzeugt. Die kommen übrigens bei weitem nicht nur aus Hemer, sondern auch aus Iserlohn, Balve, Altena, Menden, ja sogar Hagen.

„Überleben können wir auch dank unserer schlanken Kostenstruktur“, räumt Rainer Wiesemann ein. Das Stammpersonal besteht neben ihm nur aus weiteren drei Köpfen, für das familieneigene Gebäude mit einer Geschäftsfläche von lediglich knapp 400 Quadratmetern braucht er keine Pacht und keinen Kapitaldienst zu zahlen. Würden auf diesem Weg monatlich ein paar tausend Euro abfließen – das Schiff würde wohl ins Schlingern geraten.

So geht Rainer Wiesemann im Moment davon aus, dass Hemers einziges Möbelgeschäft in den kommenden Jahren erhalten bleibt. Allerdings ist ein Ende dennoch schon in Sicht. Der 49-jährige wird kaum einen Nachfolger finden, nachdem sein Sohn sich durch ein Maschinenbau-Studium in andere berufliche Richtungen orientiert. „Ich werde derjenige sein, der irgendwann den Laden zumacht“, gibt sich Rainer Wiesemann keinen Illusionen hin.