Juristische Klimmzüge: Ratsmehrheit für Gesamtschule Hemer
28.01.2009 | 22:35 Uhr 2009-01-28T22:35:00+0100Hemer. „Es kann kein Zurück mehr geben”, Petra Schlottmann, Vorsitzende des Fördervereins Gesamtschule, prostete mit Sekt auf den Abend. 25 von 38 anwesenden Ratsmitgliedern haben am Mittwoch um 20.45 Uhr eine Dringlichkeitsentscheidung pro Gesamtschule unterschrieben.
Kein Jubel, verhaltener Applaus: Über 350 Eltern und Kinder im Zuschauerraum der Gymnasiumsaula wussten nach einem Wechselbad der Gefühle gar nicht wie ihnen geschah, so kompliziert war das juristische Prozedere.
Wegen der zu kurzen Ladungsfrist hatte Bürgermeister Esken keine ordnungsgemäße Ratssitzung eröffnen können, sprach fortan von einem „Meeting”. So war auch keine reguläre Beschlussfassung möglich. Esken setzte auf eine Dringlichkeitsentscheidung. Juristisch wandte sich Arne Hermann Stopsack (FDP) gegen dieses Vorhaben, denn eine Dringlichkeit sei nicht gegeben, weil der Rat bereits entschieden habe. Der Rat solle sich durch den BM nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen.
Juristisches Vorspiel
So wurde das juristische Vorspiel länger als die thematische Auseinandersetzung. BM Esken zog sein „Meeting” unbeirrt durch, informierte über die in Aussicht gestellte schnelle Genehmigung durch den Regierungspräsidenten und ein Gespräch mit dem Schulministerium. Er wandte sich auch gegen anonyme Drohungen und Beleidigungen gegen Ratsmitglieder und mahnte eine faire Auseinandersetzung an. „Wir haben ein verdammt gutes Parlament”, sagte er. Die Unterschrift eines Ratsmitgliedes unter der Dringlichkeitsentscheidung hätte genügt, damit wäre jedoch niemandem geholfen gewesen. Den Knoten durchschlug CDU-Fraktionschef Dr. Gerhard Webers mit der Ankündigung, die CDU werde den Elternwillen respektieren und mehrheitlich zustimmen. Damit war der Wahlkampf eröffnet. „Willkommen im Panoptikum”, sagte SPD-Chef Hans-Peter Klein. Am Beschlussvorschlag habe sich schließlich nur der BM als Antragsteller geändert. Eltern und Förderverein hätten viel erreicht. Hans-Georg Humpert (GAH) dankte dem BM, der „eine zielgerichtete Lösung gesucht und auch gefunden habe”. Durch das letztmalige Nachsitzen werde endlich dem Elternwillen und der politischen Verantwortung Rechnung getragen.
Die Dringlichkeitsentscheidung unterzeichneten schließlich 25 Ratsmitglieder plus BM: Bei Ablehnung durch UWG und FDP also mutmaßlich 11 aus der CDU. Der Rat wird diese Entscheidung am 3. März bestätigen müssen, wobei wohl nicht mit anderen Mehrheiten zu rechnen sein wird. Heute geht der Halbtagsantrag zur Bezirksregierung. Wenn die Genehmigung vorliegt, will der Förderverein mit allen Beteiligten feiern. Wie weiter mit den bereits erfolgten Ganztags-Anmeldungen vorgegangen wird, will die Stadt allen Eltern kurzfristig mitteilen. Fest steht, dass maximal 120 Schüler aufgenommen werden können, also 66 abgelehnt werden müssen. Iserlohn als Alternative fällt weg, da Hemer eine eigene Gesamtschule bekommt. An den vorhandenen weiterführende Schulen beginnen die Anmeldungen am 9. Februar.
20:19
Hallo brasseur,
bevor wir hier weiterdiskutieren: Wie viele Kinder haben Sie momentan auf welchen Schulen in Hemer?
Ich habe den Eindruck, dass Sie nicht ganz up to date sind, was die Verhältnisse auf unseren Schulen angeht. Ich würde unsere Schulen nicht als Ponyhof bezeichnen. Der Tierschutzverein würde übrigens dagegen protestieren. So etwas macht man nicht mit Tieren.
der sundwiger
23:45
@die alte Regina
Klischees, nichts als Klischees! Die schwedischen oder finnischen Lehrer sind nicht besser und nicht schlechter als die deutschen, sie haben nur kleinere Klassen und besseren Zugriff auf Eltern, die sich ihren erzieherischen Pflichten verweigern. Die Schulen sind besser ausgestattet. Absolventen werden vom Staat hofiert, damit sie auch nur ja studieren, und am Ende stehen berufliche und gesellschaftliche Anerkennung.
Vor allem gibt es keine Parallelgesellschaft, die sich der Integration entzieht und Lehrer vorführt, wo sie nur kann.
Alles andere ist Klischee!
Unterrichtsmethodisch geht es in finnischen oder norwegischen Sekundarschulen zu wie im Deutschland der 50er Jahre.
19:00
An die alte Regina und Chrisi18:
Ich stimme der alten Regina vollkommen zu!
Zu Chrisi18: Wir Eltern, die Ihr Kind zur jetzigen Gesamtschule angemeldet haben wissen wahrscheinlich fast alle, daß es nicht das Optimum ist! Aber leider leider gibt es in diesem Staate für unsere Kinder keine bessere Alternative!
Und das ist das traurige in diesem Staat! Wir wissen alle das unser Schulsystem von Grund auf reformiert werden muß!!!
12:45
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10:30
Wenn meine gewählten Volksvertreter sich so schnarchnasig benehmen, wie das in der letzten Woche geschehen ist, dann bin ich als Volk außerordentlich froh darüber, einen - ebenfalls gewählten - Bürgermeister zu haben, der ihnen aufs Pferd hilft.
@ die alte Regina
Zitieren Sie öfter Texte anderer Leute, ohne dies zu kennzeichnen und die Quellen zu nennen?
09:54
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09:54
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09:51
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08:48
Was mich sehr stört ist die selbstherrliche Art des Bürgermeister Esken.
Da werden gültige Fristen nicht eingehalten, man nennt eine Ratssitzung einfach neudeutsch Meeting und fasst Beschlüsse die u.U. rechtlich keinen Bestand haben.
Auf die gute alte Herrscherart.
Herr Esken wir leben in einer Demokratie und gewählte Volksvertreter haben ein Anrecht auf einen ordentlichen Ablauf.
Ihre konfusen Aktionen mögen vielleicht einige Wähler beeindrucken, sollte die Gesamtschule jedoch über einen Formfehler stolpern, was jetzt sehr gut möglich ist, möchte ich nicht in Ihrer Haut stecken.
ihr Kurt Beckmann
08:29
@ die alte Regina
100% Zustimmung, siehe meinen Beitrag #38
Förderung der vorhandenen Schulen, so z.B. die Hauptschulklassen drastisch verkleinern, 2 Lehrer pro Klasse, hinarbeiten auf die mittlere Reife als Perspektive u.s.w. will nicht noch mal alles wiederholen.
Doch damit hat die jetzt geplante Gesamtschule Hemer keine Gemeinsamkeiten.
Hier entsteht eine klassische Schule mit einer Klassenstärke um die 30 Schüler, ein Lehrer vorne am Pult, alles wie gehabt.
Dass man wahrscheinlich auch noch Lehrkräfte ohne Gesamtschulerfahrung einsetzen wird verbessert die Situation garantiert nicht.
Statt dem ewigen Versuch Gesamtschule sollte man lieber die vorhandenen Schulen stärken und gerade die Hauptschulen personell viel besser ausstatten damit es keine Resteschulen werden, sondern man ganz gezielt schwächere Schüler fördern kann.
Die Gesamtschule ist in meinen Augen dazu ein untauglicher Versuch und bindet nur unnötig Mittel.