Im Schlafsack die Bücherei bei Nacht erlebt

Kulturstroclhe übernachten in der Stadtbücherei
Kulturstroclhe übernachten in der Stadtbücherei
Foto: IKZ

Hemer..  Es ist ein Traum für alle Bücherwürmer: Auf Socken durch die Bibliothek streunen, ein Lieblingsbuch nach dem anderen aus dem Regal ziehen und das am besten die ganze Nacht.

Wenn die Jahrgangsstufe 2 der Brabeckschule in der Stadtbücherei übernachtet, kann es auch schon mal etwas später werden als sonst. Ist auch kein Problem, denn morgen ist ja schulfrei: „Heut lesen wir die ganze Nacht, das Licht wird gar nicht ausgemacht“, sangen die Kinder in ihrem selbstgedichteten Lied mit Klassenlehrerin Sandra Bartmann. Um sie herum ein riesiges Lager aus Matratzen, Iso-Matten, Schlafsäcken und Plüschtieren. Die „Lesenacht“ fand im Rahmen des Kulturstrolcheprojektes der Stadt Hemer in Kooperation mit dem Kultursekretariat Gütersloh statt. Seit diesem Schuljahr nehmen wieder sieben zweite Klassen aus den Hemeraner Grundschulen daran teil. In einem Zeitraum von drei Jahren geht es darum, im Klassenverbund verschiedene kulturelle Einrichtungen, meist städtische, kennenzulernen.

Die Brabeckschule machte ihren Anfang am Donnerstag mit der Lesenacht in der Bücherei. Da es der erste Kulturstrolche-Termin war, bekamen die Kinder von Bernadette Böger, Verantwortliche für das Projekt in Hemer, zunächst die leuchtend-orangenen Kappen. Diese werden sie, wie üblich, die nächsten drei Jahre behalten und auf jedem Kulturstrolche-Termin mit dabei haben.

Im knalligen Orange nahm die Lesenacht am Donnerstag also ihren Lauf. Nicht nur das Rumstöbern stand auf dem Programm. Nach einer kleinen Führung durch das Gebäude las Bücherei-Mitarbeiterin Ingrid Grün-Schmieder aus dem Buch „Pippilothek“ vor und erklärte anhand der Geschichte von Fuchs und Maus, wie man sich in einer Bücherei verhalten sollte und was es zu beachten gilt: Wie viel darf ich zum Beispiel gleichzeitig ausleihen und wann muss ich es wieder zurückbringen?

Auch Kulturstrolche werden zu später Stunde müde

Einige Kinder hatten bestens vorgesorgt und ihren Büchereiausweis schon mit dabei, so konnten sie noch am gleichen Abend die ersten Bücher ausleihen. Andere waren wiederum mit Taschenlampen ausgestattet und hatten sich in ihre Schlafsäcke verkrochen, um in Ruhe durch die Geschichten zu stöbern. Sogar Klassiker wie „Hanni + Nanni“ scheinen bei manchen noch voll im Trend, andere lasen passend zur Uhrzeit lieber „Gespensterkrach um Mitternacht“. Aber auch, wenn die Lesenacht aufregend und spannend war, gegen die natürliche Müdigkeit kann man nicht ewig ankämpfen: „Lesen macht müde“, hörte man schon aus einer Ecke, „mir fallen die Augen zu“.

Und so wurde doch irgendwann das große Licht in der Bücherei ausgeknipst, auch wenn unter dem ein oder anderen Schlafsack sicher noch eine Taschenlampe weiterleuchtete, weil die Geschichten gerade zu spannend waren.