Hahn thront wieder über der Stadt

Der Wetterhahn kehrt auf die Ebbergkirche zurück
Der Wetterhahn kehrt auf die Ebbergkirche zurück
Foto: IKZ

Hemer..  Seit Monaten war die Turmspitze der Ebbergkirche verwaist. Bekanntlich hatten die Böen des Sturmtiefs „Qumaira“, das am 7. Februar vergangenen Jahres mit 90 Stundenkilometern über die Region brauste, den stolzen Wetterhahn in bedrohliche Schieflage versetzt. Kugel und Hahn drohten aus rund 40 Metern Höhe auf den Kirchplatz zu stürzen. Eile war seinerzeit geboten, die beschädigten Elemente zu bergen, was in einer spektakulären Aktion bereits vier Tage später gelang.

Am Donnerstag wiederholte sich dieses Schauspiel, allerdings in entgegengesetzter Richtung. Erneut rollte der große Spezialkran aus Beckum an, um den Wetterhahn mitsamt Kugel und Gestänge wieder gen Himmel zu hieven. Rund 120 Kilogramm wog die kostbare Fracht. Vier Fahrten waren notwendig, um den Kirchturmschmuck wieder in alte Position zu heben.

Kranwagen war der Weg zur Kirche lange verwehrt

Mit der Reparatur hatte die evangelische Kirchengemeinde die Schlosserei Jürgen Müller beauftragt. Der knapp 90 Zentimeter hohe Halterungsfuß des Befestigungsgestänges wurde komplett erneuert und die beiden Gestängeteile miteinander verschweißt. Ein Kautschuküberzug gegen Rost wurde aufgetragen und dem rund drei Meter hohen Gestänge ein neuer schwarzer Anstrich verpasst. Wegen länger andauernder Straßenbauarbeiten in dem Wohngebiet hinter der Ebbergkirche mussten die Elemente nach Wiederinstandsetzung in der Schlosserei Müller eingelagert werden, da für den stattlichen Spezialkran keine Zufahrtsmöglichkeit zur Kirche bestand.

Um 9 Uhr bewegte sich der Korb mit den Dachdeckern Jens Blümel und Andreas Schmidt erstmals nach oben. Mit im Gepäck zunächst das vierfüßige Gestänge – Präzisionsarbeit für Kranführer Ingo Tilch. Nun folgte für die Handwerker der schwierigste Teil ihrer Mission: Der Gestängefuß musste über die freigelegte massive Eichenspitze des Turms gestülpt, in Waage gebracht und mit 20 Schlosserschrauben im Holz verankert werden.

Firmenchef Björn Bartels begutachtete die Arbeiten von unten und befand den Sitz des Gestänges für gut, so dass der Rest folgen konnte. Hahn und Kugel, mit einem frischen Goldanstrich versehen, traten die Fahrt gen Himmel an. Begleitet von jener Bleikartusche, die bei der Demontage den überraschten Handwerkern in die Hände gefallen war. Die Kartusche war vor der Fahrt nach oben mit den alten Dokumenten gefüllt und ergänzt um den Lokalteil der Heimatzeitung vom 12. Februar vergangenen Jahres, in dem über die Bergungsarbeiten ausführlich berichtet worden war. Dazu kamen einige Fotos sowie eine vom Dachdeckermeister Bartels verfasste und signierte Urkunde.

Bei immer wieder auftretenden leichten Windböen verpassten die Handwerker dem Halterungsfuß zunächst eine Kupferverkleidung zum Schutz vor Regenwasser. Jens Blümel befestigte die Kartusche in der Kugel, um sie gemeinsam mit seinem Kollegen am Gestänge zu montieren. Zu guter Letzt nahm der Wetterhahn seinen Ausguck in luftiger Höhe wieder ein; die leichteste Übung an diesem Vormittag. Sein Schaft wurde einfach auf den Kopfstift des Gestänges gestülpt. Sofort nahm der Vogel Fahrt auf und drehte fröhlich seine Runden – den Wind immer im Gesicht.