Großer Bahnhof für prominenten Staatsmann

Der ehemalige Präsident von Afghanistan, Hamid Karsai, besucht im Vorfeld des Campus Symposium 2016 Hemer und trägt sich unter anderem in das Goldene Buch der Stadt ein
Der ehemalige Präsident von Afghanistan, Hamid Karsai, besucht im Vorfeld des Campus Symposium 2016 Hemer und trägt sich unter anderem in das Goldene Buch der Stadt ein
Foto: IKZ

Hemer/Iserlohn.. Nur ein Viertelstündchen später als erwartet ist gestern Mittag ein stattlicher Konvoi von Limousinen – eskortiert von mehreren Polizeifahrzeugen – vor dem Restaurant „ZwanzigZehn“ am Sauerlandpark vorgefahren. An Bord eines der schweren Autos sitzt ein solch hochrangiger Gast, wie ihn Hemer seit langer Zeit nicht mehr erlebt hat: Hamid Karzai, von 2001 bis 2014 Präsident von Afghanistan.

Hauptredner lernt den Schauplatz kennen

So gut wie nichts war in den vergangenen Tagen über den Besuch des Staatsmannes nach außen gedrungen. Allein schon aus Sicherheitsgründen. Vor Ort am Sauerlandpark war gestern die Situation dann aber vergleichsweise entspannt. Hamid Karsai und sein Gefolge – darunter der afghanische Botschafter Hamid Sidig, der ehemlige Außenminister Dr. Rangin Dadfar Spanta sowie zahlreiche Sicherheitskräfte – werden von Matthias Thelen, Geschäftsführer des Campus Symposiums, willkommen geheißen. Und das erklärt auch schon den Grund für den Besuch des Expräsidenten – Karsai ist als Hauptredner für das Symposium im kommenden Jahr eingeladen worden und hatte den Wunsch geäußert, den Schauplatz der Veranstaltung kennen zu lernen, wozu seine Deutschlandreise ja eine ausgezeichnete Möglichkeit biete.

Bekanntlich ist der genaue Schauplatz des Symposiums aber noch offen, nachdem Thelen seine Zusammenarbeit mit der BiTS-Hochschule am Seilersee wie berichtet gekündigt hat. Und als Veranstaltungsort scheint offenbar mittlerweile auch der Sauerlandpark infrage zu kommen. Was die Stippvisite Karsais nach Hemer in entsprechendem Licht erscheinen lässt.

Karsai gratuliert zu einer reizenden Stadt

Bürgermeister Esken empfängt den hohen Gast mit umgelegter Amtskette. Der Austausch von Höflichkeiten und Informationen findet in englischer Sprache statt. Karsai trägt die landestypische Kopfbedeckung und bescheinigt Esken, Bürgermeister einer äußerst reizenden Stadt zu sein. Nach der weiteren Vorstellung der Teilnehmer des kleinen Empfangs, gekommen sind unter anderem die Vorsitzenden der Ratsfraktionen und die Landtagsabgeordnete Inge Blask, aber auch der frischegebackene Geschäftsführer des Sauerlandparks Dr. Christian Wingendorf, zieht die Gesellschaft ins Restaurant, wo der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Hemer sowie ins Gästebuch des Campus Symposiums auf dem Programm steht. Karsai erledigt die Zeremonie mit viel Sorgfalt und lobt sogar ausdrücklich die Qualität des dargebotenen Füllfederhalters.

Deutsche Wirtschaft soll in Afghanistan investieren

Nach einem fünfzehnminütigen Gespräch zwischen den Mitgliedern der afghanischen Delegation und den Verantwortlichen des Symposiums hinter verschlossenen Türen, stellt sich Karsai noch den Fragen der Journalisten. „Fragen zu allen Themen“, wie er betont. Doch die drehen sich dann nahezu ausschließlich um die aktuelle Lage in seiner Heimat und die Entwicklung Afghanistans seit der Jahrtausendwende. Karsai appelliert an die deutsche Wirtschaft, nicht ängstlich zu sein und in Afghanistan zu investieren. Das werde für beide Seiten zu Gewinnen führen.

Auf die Frage, wie dem internationalen Terrorismus entgegengewirkt werden könnte, äußerte Hamid Karsai Zweifel an einer militärischen Lösung. Diese könne nur die Gemeinschaft aller Staaten erreichen, unter Einbeziehung der islamischen Welt.

Nach der kurzen Pressekonferenz und einem Abschied von den Hemeranern geht es hinaus in die Autos und weiter nach Iserlohn, wo im Hotel Vierjahreszeiten ein Mittagessen und weitere Gespräche mit zahlreichen Gästen aus der heimischen Wirtschaft warten.