Größte Kyrill-Schäden sind beseitigt
17.01.2008 | 19:06 Uhr 2008-01-17T19:06:00+0100
Hemer. Orkan Kyrill fegte genau vor einem Jahr über Deutschland und sorgte für einen enormen Schaden. Heute erkennt man den Wald auf dem Hemeraner Stadtgebiet nicht wieder. Ganze Wälder wurden ausgelöscht.
„Das hat mit dem deutschen Wald, wie man ihn sich so vorstellt, nicht mehr viel zu tun”, sagt Hemers Umweltamtsleiter Edgar Schumacher. Ein Jahr, nachdem Orkan Kyrill über weite Teile Deutschlands gefegt ist und in Hemer ganze Wälder wie Streichhölzer umgelegt hat, sind die Aufräumarbeiten sehr weit fortgeschritten. Aber wo früher dichte Wälder mit wunderschönen Wanderwegen waren, ist außer gigantischen leeren Flächen nichts mehr. Insgesamt sind in Hemer rund 400 000 Festmeter Holz gefallen, allein der Sturmschaden im Stadtwald beträgt 43 000 Festmeter.
18. Januar 2007: Kyrill sorgte für Angst und Schrecken
Die Nacht vom 18. auf den 19. Januar werden Hemeraner Bürger wohl nie vergessen: Riesige Fichten knickten einfach um oder wurden komplett entwurzelt. Dächer wurden durchschlagen, Autos unter Bäumen begraben, ganze Ortsteile durch die quer liegenden Bäume komplett abgeschnitten. Die Feuerwehr war mit 180 Mann rund um die Uhr im Einsatz. Die Sirenen heulten ohne Pause - eine gruselige Atmosphäre. Dazu kam der heulende Wind, der die Hemeraner in Angst und Schrecken versetzte. Dass bei diesem Orkan nur ein Feuerwehrmann verletzt wurde, grenzt immer noch an ein Wunder.
Aufräumarbeiten gehen voran
Während die Aufräumarbeiten im gesamten Märkischen Kreis weniger weit fortgeschritten sind, stehen Hemer, Menden und Balve gut da. Wenn Stadtförster Dirk Basse sagt, dass man „so gut wie durch” sei, heißt das, dass vom städtischen Wald bereits 39 000 Festmeter Holz aufgearbeitet sind. „Einiges ist sicher bereits in den USA zu Holzhäusern verbaut worden”, schätzt Basse. Aber auch nach China, Indien, Österreich und Bayern ist das Hemeraner Holz geliefert worden.
Ohne die Bahn keine Chance
„Ohne die Inbetriebnahme der Bahnstrecke hätten wir das nie geschafft”, so Edgar Schumacher. Am 21. Juni wurden die ersten Züge nach einigen bürokratischen Hürden beladen. So sind Tausende Festmeter über die Schiene weggerollt. Nicht nur Holz aus dem Stadtwald, sondern auch das Holz der beiden Forstbetriebsgemeinschaften Unteres Hönnetal und Ihmert. Die großen Lkw, die beladen mit dicken Baumstämmen rund um die Uhr über Hemers Straßen fahren, scheinen überall zu sein. Henning Edelhoff, 2. Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Unteres Hönnetal, ist zufrieden mit dem Verlauf der Aufräumarbeiten. Von den finanziellen Verlusten für die Waldbauern mag er gar nicht reden. 65 000 Festmeter Holz sind bereits verkauft, natürlich nicht für das Geld, was man vor dem 18. Januar 2007 bekommen hätte. „Es ist ja auch vieles umgefallen, was normalerweise noch 20 Jahre hätte stehen können”, so Edelhoff im Gespräch mit der Heimatzeitung. So kann die nächsten 60 Jahre kein Holz verkauft werden.
Frust bei Waldbauern
Was Henning Edelhoff mit seinen 10 Hektar Land macht, weiß er noch nicht genau. „Pflanzmaterial für Fichten gibt es zurzeit sowieso nicht. Und wenn ich Laubbäume anpflanze, mit denen man einen Dachstuhl bauen kann, dann wird der Dachstuhl in 250 Jahren gebaut”, sagt er. Vier Unternehmen waren und sind mit den Aufräumarbeiten im städtischen Wald beschäftigt. „Zum Teil wurde in mehreren Schichten gearbeitet, und die Männer haben teilweise sogar direkt im Wald gewohnt”, so Dirk Basse, der sich im vergangenen Jahr nur mit den Kyrill-Schäden beschäftigt hat. „Alles andere ist durch den Orkan liegen geblieben!” Auch die Forstwirte Frank Liedtke und Angela Lanfermann waren gefordert wie nie und verzichteten bis auf eine Woche im Sommer sogar auf ihren Urlaub. Denken Edgar Schumacher und Dirk Basse über die Holzpreise nach, wirken sie nicht gerade erfreut. Hat man vor Kyrill 80 Euro für einen Festmeter Fichte mit B-Qualität bekommen, rutschten die Preise im Sommer des vergangenen Jahres runter auf 40 Euro. Zurzeit bekommt die Stadt Hemer zwischen 50 und 60 Euro pro Festmeter.
Größerer Schaden als bei griechischen Waldbränden
In diesen Tagen werden bei der Stadt Hemer Anträge für EU-Fördermittel geschrieben. So sind nicht nur die Wälder zerstört, sondern auch alle Wege. Vergleicht man die Schäden, die Kyrill in ganz Deutschland angerichtet hat, zum Beispiel mit den Bränden in Griechenland, ist die Schadenssumme in Griechenland nur halb so hoch wie der durch Kyrill in Deutschland - so hat es die Europäische Kommission berechnet.
Stadtförster warnt vor Leichtsinnigkeit
Wer ein Jahr nicht in der Region gewesen ist, wird die Wälder nicht wiedererkennen. Ganze Landstriche haben ein neues Gesicht bekommen. Unter www.ikz-online.de finden Interessierte Videos aus den heimischen Wäldern und können sich vom Schadensausmaß selbst ein Bild machen. Stadtförster Basse warnt immer noch vor Spaziergängen im Katastrophengebiet. „Vielen Bäumen reicht ein kräftiger Windstoß, um umzukippen!
0mitdiskutieren