"Gott gebe mir Gelassenheit"
20.06.2007 | 09:33 Uhr 2007-06-20T09:33:06+0200Ihmert. (rd) Unvorstellbar eigentlich, dass im orkanverwüsteten Wald über dem Gut Holmecke wieder ein Freiluftgottesdienst stattfinden konnte wie seit Jahrzehnten in der ev. Kirchengemeinde Ihmert am letzten Sonntag vor den Sommerferien üblich. Undenkbare
Nach ständigen Regengüssen in der letzten Woche lachte am Sonntagmorgen pünktlich die Sonne zu den Gottesdienstvorbereitungen. Fleißige Mitarbeiter der Kirchengemeinde stellten die Bänke und einen Altar unter die Kuppeln von Bäumen, die "Kyrills" Willkü?r verschont hatte. Von drei Seiten grenzten umgestürzte Fichtenriesen nun den "Kirchraum im Grünen" ein. Es waren eindrucksvolle Sitzplätze, eingerahmt von teilweise mehr als zwei Meter hohen Wurzelrädern! Hautnahe Demonstration archaischer Macht und Gewalt der Natur im zerlegten Wald vermittelte eine eigenartige Atmosphäre, die nachhaltig verstärkt wurde durch die plötzlich sichtbar gewordene Erkenntnis von der Verantwortung des Menschen für die Schöpfung. So kann man fromm werden!
In diesem Sinne sagte Pfarrer Martin Legler zur Begrüßung: "Ja, wir waren alle sehr erschrocken darüber, wie der Sturm den Wald um uns herum niedergelegt hat. Aber selbst für unseren Umgang mit der Natur gilt wie überall im Reich Gottes: Wir können unseren Lebensstil ändern und damit auch das Gesicht dieser Welt verändern!".
Auch in seiner Predigt bezog sich Legler auf das, was wachsen kann, wenn es der Mensch selber aussät - und wenn es noch so unscheinbar winzig ist wie das Senfkorn in Jesu Christi Gleichnis. Als Symbol zum Anfassen hatte Legler kleine Mammutbaum-Samenkörnchen von der Insel Mainau mitgebracht. Die Gottesdienstbesucher durften diese Samenkörner mitnehmen, um sie zu Hause im Garten einzupflanzen - auf dass auch in Ihmert demnächst Mammutbäume ganz langsam heranwachsen?
Folgenden Gedanken gab Ihmerts Hirte im Talar seinen Schäfchen mit auf den Heimweg: "Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Gott gebe mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und Gott gebe mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!".
An Ihmerts "Waldgottesdienst '07" im zerstörten Forst über Gut Holmecke wird man lange denken müssen. Sehr zahlreich waren die Christen gekommen. Die drei Gemeindechöre sorgten für den schönen musikalischen Rahmen: der Kirchenchor, der Posaunenchor und "Mehrchorn".
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