Für Horst Riedel ein deutlicher Rausschmiss

Die Gymnastikgruppe muss nun auf Horst Riedel verzichten.
Die Gymnastikgruppe muss nun auf Horst Riedel verzichten.
Foto: IKZ

Hemer..  „Wollen wir zuerst etwas singen“, fragt Horst Riedel in die gut gelaunte Gruppe. Im Haus 3 a des Altenheimes der Arbeiterwohlfahrt sitzen fünf Männer und vier Frauen erwartungsvoll auf ihren Stühlen. Sie alle gehören zur Gymnastikgruppe und freuen sich jetzt auf die Stunde mit Horst Riedel. Gedächtnisübungen, Bewegung und auch gemeinsames Singen kommen in der Gruppe gut an. Alle kommen gerne zu den Treffen. Nur ein paar der Senioren wissen, dass Übungsleiter Horst Riedel zum letzten Mal diese Gruppenstunde leitet.

Die Frauen wollen gerne singen, die Männer würden lieber sofort turnen. Aber als Horst Riedel sein Akkordeon auspackt und die ersten Töne den Raum einnehmen, lächeln auch sie und lauschen der Musik. Die Frauen singen fröhlich mit. Den Text des Liedes „Lustig ist das Zigeunerleben“ kennen die meisten auswendig. Ein schöner Einstieg in die Gymnastikstunde. Im lockeren Gespräch hatte Riedel zuvor das Gedächtnis der Männer und Frauen in Schwung gebracht. „Wie viele Tage hat der Dezember, und wann ist Silvester? Welches Datum haben wir heute, und was habt ihr über die Feiertage gegessen?“ Riedel will es genau wissen, und während die einen aus der Gruppe ohne Probleme antworten können, denkt der eine oder andere ein bisschen länger nach.

Lustig geht es in der Gruppe zu, und vor der Trainingseinheit verriet ein Bewohner des Altenheimes lachend: „Gleich machen wir Gymnastik. Den rechten Arm hoch, den linken Arm hoch und dann hast du einen Knoten drin“. Horst Riedel sorgt mit seiner Art für eine sehr angenehme Bewegungsstunde, bringt die älteren Herrschaften immer wieder mit kleinen Bemerkungen zum Lachen. Seit über elf Jahren geht Horst Riedel als Übungsleiter bei der AWo ein und aus. Damit ist jetzt Schluss. Am Montag verabschiedete sich der Hemeraner bei der AWo.

Mitte des Jahres wurde Riedel telefonisch durch eine Mitarbeiterin der AWo mitgeteilt, dass sein Vertrag nicht verlängert würde. Der Grund: Mit 75 Jahren sei er zu alt, um bei der AWo als Übungsleiter zu fungieren. „Das war für mich ein Rauswurf“, so Horst Riedel, der es im Grunde immer noch nicht fassen kann. Er nahm Kontakt mit Fredi Camminadi, dem Ehrenvorsitzenden der AWo, auf, der sich um die Angelegenheit kümmerte. Zudem wurde er von der Pflegedienstleitung des AWo-Altenheimes unterstützt. Daraufhin gab es eine Vertragsverlängerung bis Ende des Jahres.

Zu schwammig: Riedel geht nach über elf Jahren

Jetzt im Dezember ging es wieder um eine Verlängerung. Längst hatte Riedel sich auch bei der Arbeiterwohlfahrt in Dortmund gemeldet und nachgefragt, was es mit dem „zu alt sein“ auf sich hat. Unbedingt möchte Riedel ein Schriftstück sehen, das aussagt, dass er mit 75 Jahren zu alt ist. Immer wieder fragte er nach – mit dem Ergebnis, dass er jetzt noch einen Vertrag bis 31. Juli 2015 bekommen soll. „Und dann stehe ich Mitte des Jahres wieder da“, lehnte Horst Riedel ab, „mir tut es für die Bewohner des Altenheimes sehr leid.“ Auch die Versicherung, dass sich die Heimleitung, die im neuen Jahr in Hemer beginnt, sicher für den engagierten Hemeraner einsetzen werde, ist Riedel mittlerweile zu schwammig.

Pflegedienstleiterin Maria Kless, die im Seniorenheim zudem stellvertretende Heimleiterin ist, sieht den Fehler beim mittlerweile nicht mehr in Hemer beschäftigten Einrichtungsleiter Stephan Eull, der im Februar seinen Dienst in Hemer begonnen hatte. „Seitens der Einrichtungsleitung ist es versäumt worden, sich um die Vertragsverlängerung zu kümmern. Man kann die Äußerung nicht mehr schön reden.“ Stephan Eull ist seit August nicht mehr da, hat einen Auflösungsvertrag zum 30. November unterschrieben – es war ein kurzes Gastspiel bei der AWo in Hemer. Jetzt wird seitens der Personalabteilung in Dortmund nach einem neuen Leiter für das Altenheim gesucht. Und vielleicht auch nach einem neuen Übungsleiter für die Seniorengymnastik.