Freud und Leid ganz nah beieinander

Der Hemeraner Sänger  Marvin Boldt bringt sein erstes Album mit dem Namen Schicksalswende heraus.
Der Hemeraner Sänger Marvin Boldt bringt sein erstes Album mit dem Namen Schicksalswende heraus.
Foto: IKZ

Hemer/Bad Oeynhausen..  Manchmal zieht Marvin Boldt in seinem Krankenzimmer auch tagsüber die Jalousien herunter. Das sind dann Tage, an denen es ihm nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sehr schlecht geht. Die Sonne draußen scheint, und er darf wegen einer möglichen Infektionsgefahr nicht einmal das Fenster öffnen. Seit acht Monaten ist der 23-jährige Hemeraner im Herzzentrum Bad Oeynhausen an sein Bett gefesselt. Wenn es sein Zustand erlaubt, schafft er es, sich hinzusetzen und am E-Piano zu spielen. Neben seiner Familie gibt ihm die Musik Kraft. Das war schon immer so. Marvin Boldt wartet auf ein neues Herz, steht seit Februar auf der Hochdringlichkeitsliste für eine Transplantation. Es ist eine bittere Zeit des Wartens und des Hoffens – genau wie er sie im Jahr 2011 schon einmal durchgemacht hat. Damals wurde dem 18-Jährigen das erste neue Herz implantiert. Das war der 10. August vor vier Jahren.

Dank des neuen Herzens kann der Hemeraner im Leben wieder durchstarten und sich wieder voll und ganz seinem liebsten Hobby – der Musik – widmen. Er hat wieder so viel Kraft, dass er sogar an verschiedenen Orten in NRW als Sänger auf der Bühne steht. Dann 2014 das Unfassbare: Marvins Körper stößt das Herz ab, es gibt Komplikationen, Marvin wird schwächer und schwächer. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet der Sänger und Komponist bereits an seinem ersten Album, das am 9. Juni erscheint und online überall gekauft werden kann. „Ein Jahr lang habe ich daran gearbeitet. Auch, als ich schon so krank war. Diese Lieder bedeuten mir viel. Alles ist wohl überlegt und spricht den Menschen aus der Seele“, sagt Marvin, der jetzt vom Krankenbett aus im Herzzentrum Bad Oeynhausen verfolgen muss, wie sein Pop-Soul-Album mit dem Namen „Schicksalswende“ ankommt. Es sind sechs Tracks auf dem Album. „Ich möchte die Menschen damit berühren. Es war für mich eine große Chance, das Album aufzunehmen“, so der Sänger.

Hoffnungsvolles Warten auf ein neues Herz

Als der Hemeraner im August 2011 sein erstes neues Herz bekommt, haben die Ärzte gedacht, dass es wahrscheinlich nicht ewig, aber zumindest viel länger als drei Jahre lang schlägt. Nachdem es die ersten Probleme gegeben hat, bekommt Marvin alle zwei/drei Monate eine Lungenentzündung. Behandelt wird er zunächst im Krankenhaus in Hagen, von dort geht es nach Bad Oeynhausen. Zweimal erleidet der 23-Jährige einen Herzstillstand, zweimal holen ihn die Ärzte zurück ins Leben. Und der Hemeraner, der in der Zeit nach der ersten Transplantation öffentlich für den Organspendeausweis wirbt und darauf aufmerksam macht, dass es einfach jeden treffen kann, will leben! Er gibt nicht auf und weiß, dass Patienten in der Regel zwischen drei und sechs Monaten auf ein neues Herz warten. „Ich stehe seit Februar auf der Liste. Bald könnte es soweit sein“, hofft der 23-Jährige, dass er endlich operiert werden kann – und er hofft auf seine ganz persönliche Schicksalswende.