Fingerfarbe simuliert die Krankheitserreger

Auch ein paar Besucher wie der kleine Noah durften ausprobieren, wie die Krankheitskeime verbreitet werden.
Auch ein paar Besucher wie der kleine Noah durften ausprobieren, wie die Krankheitskeime verbreitet werden.
Foto: IKZ

Hemer..  Zwei Menschen schütteln sich zur Begrüßung die Hände. Dabei werden Bakterien ausgetauscht. Einer der beiden geht anschließend durch eine Tür und macht im anderen Raum das Licht an. Prompt finden sich die Keime auf der Klinke und dem Lichtschalter. Schließlich kommt ein Dritter in den Raum und schaltet beim Verlassen die Lampe wieder aus. Er trägt nun Krankheitserreger von Leuten weiter, die er vielleicht überhaupt nicht kennt und nie gesehen hat.

Was im Alltag gang und gäbe und kaum zu vermeiden ist, kann im Krankenhaus zur tödlichen Bedrohung werden. Deshalb war der Eingangsbereich der Paracelsus-Klinik am Dienstag Schauplatz einer ungewöhnlichen Mitarbeiterschulung, die auch von vielen Patienten und Besuchern des Hauses mit großem Interesse verfolgt wurde.

Das Wandern von Bakterien und anderen Krankheitserregern von Mensch zu Mensch und auf Gegenstände, das normalerweise nur unter dem Mikroskop beobachtet werden kann, war bei der Aktion mit bloßem Auge zu verfolgen. Simuliert wurden die Mikroben mit roter Fingerfarbe, die in nullkommanix von einer Hand zur anderen und schließlich auf eigens aufgestellte Schalter und Klinken landeten.

Aber es gab noch mehr zu sehen: Mitarbeiter die des Weges kamen, wurden gebeten, ihre Finger auf eine sterile sogenannte Abklatschplatte zu drücken. Diese werden – nachdem die Keime Kulturen gebildet haben in einem Labor untersucht. Über eine anonyme Kennnummer, kann jeder, der an dem Test teilgenommen hat, in ein paar Tagen erfahren, welche Erreger er an seinen Händen mit sich herumgetragen hat – ganz gleich ob er gerade von Zuhause, von einer Station, von der Toilette oder einem Behandlungsraum gekommen ist.

„Am schlimmsten wäre es, wenn sich direkt nach dem Waschen oder gar Desinfizieren der Hände noch Erreger finden“, sagt Bernhard Külpmann, Hygienefachmann, der für viele Krankenhäuser arbeitet und zusammen mit Iris Strohhammer auch die Schulung im Foyer vorgenommen hat. Iris Strohhammer gehört zur Belegschaft der Paracelsus-Klinik und absolviert gerade eine Weiterbildung zur Hygienefachkraft.

Zur Demonstration gehörten gestern auch zwei UV-Boxen, in die die Mitarbeiter ihre Hände stecken durften. Zuvor hatten sie die Hände mit einer Testsubstanz desinfiziert. Unter dem UV-Licht zeigt sich dann, welche Bereiche der Hand mit der Substanz bedeckt wurden und – vor allem – welche nicht.

„Die Desinfektion der Hände ist das A und O der Hygiene“, ist Prof. Dr. Johannes Knobloch überzeugt. Der Arzt und Krankenhaushygieniker leitet die neugeschaffenen Zentralabteilung Hygiene der Paracelsus-Kliniken in Deutschland und koordiniert die Hygienemaßnahmen für alle 40 Einrichtungen des Konzerns.

Der Schmierfilm ist einAnzeichen für Hygiene

Mit dem Stand der Hygiene in der Hemeraner Klinik ist Prof. Knobloch zufrieden. Er hat sich auch vorliegende Beschwerden von Patienten und Besuchern durchgesehen und ist dabei auf ein verbreitetes Missverständnis gestoßen: „Die Leute bemerken manchmal einen Schmierfilm oder Ränder zum Beispiel auf einem Tisch und denken, er sei nicht ordentlich geputzt. Ein Krankenhaushygieniker sieht das aber gerne, denn Desinfektionsmittel hinterlassen nun einmal einen Film und Ränder auf Gegenständen. Hier ist also desinfiziert und damit wirksam gegen Keime vorgegangen worden.“

Prof. Johannes Knobloch kontrolliert die verschiedensten Bereiche des Krankenhauses, wie OPs, Stationen und Behandlungszimmer. Zudem sammelt er Daten, die Rückschlüsse auf multiresistente Erreger zulassen.

Hygieneexperten wie Bernhard Külpmann und Iris Strohhammer kümmern sich auch um die sachgerechte Umsetzung von Isolationsmaßnahmen, prüfen, ob Geräte für Operationen gut zu reinigen sind und tauschen sich mit Hygienefachkräften anderer Kliniken aus. Ein Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der Schulung der Mitarbeiter. Die Kontrolle der Händedesinfektion mit der UV-Box ist ein kleiner Teil davon. Die Desinfektionsspender in den Fluren und im Eingangsbereich der Klinik sollten natürlich nicht nur von Mitarbeitern, sondern auch von Besuchern benutzt werden und zwar sowohl beim Betreten, als auch beim Verlassen der Klinik. Prof. Knobloch: „Wenn Sie sich die Hände desinfizieren, schützen Sie beim Reingehen den Patienten vor Erregern und beim Rausgehen sich selbst.“