Fast 500 historische Fotos und Fülle von Details

Niederhemer 1954: An der Endhaltestelle in Höhe der Straße am Ebberg wartet der Triebwagen 22 auf die Abfahrt Richtung Iserlohn. Karl Humme kommt mit seinem Pferd Max, rechts der Salon von Friseur Kissing und der Kohlenhändler.
Niederhemer 1954: An der Endhaltestelle in Höhe der Straße am Ebberg wartet der Triebwagen 22 auf die Abfahrt Richtung Iserlohn. Karl Humme kommt mit seinem Pferd Max, rechts der Salon von Friseur Kissing und der Kohlenhändler.
Foto: IKZ

Hemer..  Wer in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts oder früher geboren ist, erinnert sich sicherlich noch daran, dass zwischen Hohenlimburg, Hemer und Altena Straßenbahnen verkehrten, auf den Gleisen aber auch Güter mit Kleinbahnzügen von und zu vielen heimischen Betrieben transportiert wurden. Die Geschichte dieser „Iserlohner Kreisbahn“ von der Gründung bis zur letzten Fahrt eines Güterzuges im Jahr 1964 wird in einem neuen Buch ausführlich dargestellt, das jetzt bei DGEG Medien, dem Verlag der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte erschienen ist.

Der 1. Band mit über 180 Hochglanz-Seiten wurde am Mittwoch im Felsenmeer-Museum offiziell vorgestellt. Autoren sind Rolf Löttgers aus Siegen und Wolfgang R. Reimann aus Remscheid, zwei bekennende Eisenbahn-Verrückte, die sich seit ihren Jugendjahren bereits mit allem befassen, was auf Schienen rollt. Zusammen oder getrennt haben die Freunde bereits eine Fülle von Büchern und Dokumentationen verfasst. Reimann und Löttgers haben sich 1961 durch das gemeinsame Interesse an den Bahnen in den damaligen Kreisen Iserlohn kennen gelernt. Die Kreisbahn wies gegenüber anderen Straßen- und Kleinbahnen technische und organisatorische Besonderheiten auf und lockte über Jahrzehnte immer wieder Enthusiasten mit und ohne Kameras zum Teil von weither an. Wobei die Kreisbahn für den in Altena aufgewachsenen Rolf Löttgers schon Bestandteil seiner Kindheit war.

Heimatgeschichte über Schienenverkehr hinaus

Rund drei Jahre haben die Autoren an dem jetzt vorliegenden ersten Band und geplanten zweiten Band gearbeitet. Sie haben eine Fülle von Dokumenten in Archiven gesichtet, Zeitzeugen befragt und vor allem Hunderte von Fotos zusammengetragen, von denen fast 500 allein im Band 1 abgedruckt sind. Etliche davon haben Löttgers und Reimann seinerzeit noch selbst geschossen, die meisten aber stammen aus dem Fundus von Firmen, Zeitungen oder Privatleuten.

Neben Begebenheiten und Anekdoten sind es vor allem diese Bilder, die das vorliegende Buch auch für solche Leser zu einem Faszinosum machen, die bislang kein sonderlich spezielles Interesse für die Iserlohner Kreisbahn und ihre Geschichte gehegt haben. Die Aufnahmen sind in allen Orten gemacht worden, die durch das Schienennetz verbunden waren – vor allem durch die etwa 20 Kilometer lange Hauptstrecke, die von Hohenlimburg über Letmathe und Iserlohn über Westig nach Niederhemer und weiter bis Höcklingsen führte. Vornehmlich für den Güterverkehr waren die Nebenstrecken von Bedeutung: In Hemer vom Amt bis hinauf nach Deilinghofen und von der Drehscheibe in Westig nach Ihmert und Evingsen bis ins Nettetal und nach Dahle. Eine weitere Strecke verlief von der Grüne über Nachrodt bis Helbecke. Aber es gab überall zahlreiche Nebenanschlüsse, die von den Autoren minuziös oft bis in die letzten Verzweigungen innerhalb der Areale größerer Unternehmen dokumentiert und skizziert worden sind – Lesestoff für Detailbesessene.

Wie sahen bekannte Straßenzüge und Verkehrsknotenpunkte in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts aus, wie der Alltag der Menschen, die die Kreisbahn nutzten oder in ihren Diensten standen? Auf diese und andere Fragen liefern die Fotos aber auch die Texte Antworten. Die Bilder sind aufregende Zeitzeugnisse und verleiten immer wieder zum Blättern, Staunen und Lesen.

Ganz nebenbei erfährt der Betrachter auch, wie sich damals die Mode entwickelte und sich die Straßenbahn zunehmend den Platz mit dem wachsenden Autoverkehr teilen musste, was im Laufe der Zeit zu immer mehr Stilllegungen von Teilstrecken und schließlich der letzten Fahrt eines Güterzuges am 15. Dezember 1964 führte.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE