„Existenzgründung“ mit vielen Herausforderungen
27.07.2011 | 15:08 Uhr 2011-07-27T15:08:00+0200
Hemer. 138 793 Besucher in den ersten 100 Tagen, 17 603 verkaufte Dauerkarten. Das sind die nüchternen Zahlen: Es ist Halbzeit im ersten Jahr nach der Landesgartenschau. Der Sauerlandpark hat seine Bewährungsprobe bestanden, doch Zeit für eine Ruhepause gibt es nicht. Die Macher haben vielmehr schon das Jahr 2012 im Blick, denn der 100-Tages-Rückblick wird immer wieder mit dem Ausblick verknüpft.
„Das Jahr Eins ist ein Lehrjahr. Wir sind nicht mehr LGS, sondern ein eigener Park. Wir hatten eine ganze Menge an Herausforderungen“, blickt Aufsichtsratsvorsitzender Michael Esken zurück, doch das sei nach den Erfahrungen aus Rietberg nicht überraschend gekommen. Für Geschäftsführer Guido Forsting gehörten vor allem die internen Strukturen zu den Anfangswehen, quasi von 100 auf 2 hauptamtliche Mitarbeiter. Manch schlaflose Nacht hat ihm die Organisation beschert, aber auch ein Aufatmen zur Halbzeit. „Ich bin zufrieden. Wir haben die GmbH mit allen Schwierigkeiten neu erfunden“, sagt er. Möglichst wenig Personal sollte die Kosten gering halten, es war ein Experiment. Jetzt bilanziert der Chef: „Mit dieser optimierten Struktur kommt man dauerhaft klar.“
Auf Kritik hat der Park reagiert, manche Abläufe hat man lernen müssen. Die Öffnungszeiten oder der Pflegezustand sind dafür zwei Beispiele. Das trockene Frühjahr hat quasi nur die Disteln sprießen lassen. Für die Neuanpflanzungen war es ein denkbar schlechter Start, was auch den Besuchern nicht verborgen blieb. Der Stadtbetrieb musste den Arbeitseinsatz verstärken, jetzt sind dauerhaft zwei Gärtner im Park beschäftigt.
Positiv sieht Guido Forsting die mit 60 Prozent überraschend hohe Zahl an Dauerkarteninhabern. Diese wolle man auch in den nächsten Jahren an den Park binden. Zurzeit wird dafür ein Newsletter erstellt. Positiv ist auch das außerordentliche Engagement der Ehrenamtlichen. „Mein Highlight sind die Themengärten. Man erkennt nahezu keinen Unterschied zu den professionellen Pflege im vergangenen Jahr. Ohne Ehrenamt und Engagement wäre das nicht leistbar“, dankt Michael Esken dem Förderverein.
Beim Rundgang durch den Sauerlandpark fallen zwei Brachflächen auf: der obere Teil des Städtemosaiks und die Landwirtschaftsfläche. Dort soll dringend nachgebessert werden. „Die Landwirtschaft ist mein Thema, da müssen wir wieder Leben reinkriegen“, betont Michael Esken. Die Kleintierzuchtanlage hätte dort schon lange platziert werden sollen, doch dafür muss im Außenbereich der Bebauungsplan geändert werden. Das Verfahren läuft zurzeit. Im nächsten Jahr soll der Park dort wieder Tiere bieten. Durch die Gestaltung der Fläche wird der Rundweg zum Turm aufgewertet. Oberhalb des Volleyballfeldes ist das Luftkissen zerstört worden. Mit der SGV-Jugend laufen Gespräch, die Fläche dauerhaft für das Erlebnisprojekt „s’Ourland“ zu nutzen. Erlebnisorientierte Freizeitgestaltung in der Natur ist das Ziel. Ein erster Beitrag dazu wird Geocaching sein.
Wie viele Blumen und Erholung und wie viele Events gehören in den Sauerlandpark? Auch oder gerade zur Halbzeit wird das intensiv diskutiert. „Zu 80 Prozent ist der Park eine Begegnungs- und Erholungsstätte“, sagt der Bürgermeister und spricht von einer intensiven Diskussion im Hause. Die Politik wird sich spätestens bei der Jahresbilanz anschließen, denn die Zahlen der Großveranstaltungen sorgen nicht nur für Jubel. 2300 Besucher bei Howard Carpendale und 6300 bei den Söhnen Mannheims erfüllten nicht die hohen Erwartungen. Die mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von 5000 Besuchern kalkulierten Großveranstaltungen belasten den Wirtschaftsplan mit aktuell rund 400000 Euro, und haben bislang nicht das erhoffte Einnahmeplus beschert. Guido Forsting spricht von einer „Existenzgründungsphase“. Spätestens im zweiten oder dritten Jahr müssten die Zahlen aber stimmen.
„Howard Carpendale bestuhlt würde ich so nicht wieder machen“, räumt Guido Forsting ein. Der Himmelsspiegel sei geschaffen für typische Open Air wie die Söhne Mannheims. Der Konzertveranstalter sei begeistert gewesen und habe die GmbH zu weiteren Gesprächen nach Frankfurt eingeladen. „Wir haben uns einen guten Ruf erarbeitet“, so Forsting. Highlights werde es auch in Zukunft geben.
„Im Bereich Event lernen wir eine Menge“, so Michael Esken, zumal es nach der Landesgartenschau nur eine kurze Vorbereitungszeit gegeben habe, und Guido Forsting ergänzt „wir werden nicht mehr alles selbst machen“. Eine Beispiel dafür ist das Konzert von Unheilig im August 2012 mit dem Tourneeveranstalter. Hemer soll verstärkt in die Deutschlandtourneen der Künstler eingebunden werden. Die Planungen laufen auf Hochtouren, um im Herbst den Jahreskalender präsentieren zu können. So verrät der Park bereits ein Konzert für 2012. Im März gastiert die in Berlin so erfolgreiche Johnny Cash Tour mit Gunter Gabriel und Helen Schneider im Grohe-Forum. Viele Kooperationen möchte der Sauerlandpark dauerhaft anlegen. „Festamia“ ist ein Beispiel oder auch das Konzert „Luxuslärm and friends“. Zu einem echten Treffpunkt ist der „Soundgarten“ geworden. Er soll im Musikclub der Jueberger auch im Winter fortgesetzt werden.
Man merkt im Gespräch: Eigentlich ist der Sauerlandpark mitten in den Planungen für 2012. Dabei bieten die kommenden knapp 100 Tage noch eine ganze Menge. Kaya Yanar und die Popolskis werden noch gastieren. Für das Oktoberfest soll das Grohe-Forum seine Wandelbarkeit unter Beweis stellen, so attraktiv gestaltet wie bei den fünf Abibällen. Und dann kommt natürlich noch der Lichtgarten.
Am 6. November werden die Tore vorübergehend geschlossen, um sie am 13. April für einen großen Gartenmarkt wieder zu öffnen. Start für das Jahr zwei im Sauerlandpark ist am 19. April 2012. Bis dahin wird die erste Jahresbilanz aber noch reichlich Diskussionsstoff liefern.
22:32
@1 für 3,5 € werden sie natürlich auch zu hause abgeholt
@2 alter nörgler
13:08
Entschuldigung,weclhe Besucherzahl hatte man denn bei den Söhnen kalkuliert? 6300 sind wahrlich nicht schlecht.Eine Halle dieser Größe müsste erstmal gefüllt werden.
Man sollte nicht immer mit 9000 wie bei Silbermond rechnen. Damals mussten die Kapazitäten ja extra um 2000 erweitert/freigegeben werden. 7000 galten damals vorher als Ausverkauft
21:33
Schade, dass das Grafitti am Haus der Kirche übertüncht wurde (musste das sein ?). Jetzt schaut man wieder auf einen grauen eintönigen Bau. Passt dann aber zu dem jetzt freien Blick auf die ehemaligen Panzergaragen.
19:38
Und dann noch bitte nen Shuttle oder den Bürgerbus wenigstens am Wochenende durchgehend. Bitteee.