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Erkrankungswelle durch Keime im Wasser

13.01.2013 | 17:09 Uhr
Erkrankungswelle durch Keime im Wasser
Die Stadtwerke spülen nach der Belastung mir Coli-Bakterien die Wasserleitungen in Landhausen und auf dem Stübecken und entnehmen Proben.Foto: Ulrich Töpel

Hemer. Zahlreiche Magen-Darmerkrankungen im Norden der Felsenmeerstadt sind möglicherweise auf verunreinigtes Trinkwasser zurückzuführen. Seit Samstagnachmittag sind die Bürger in Landhausen und auf dem Stübecken aufgefordert, ihr Trinkwasser abzukochen! Dies gilt bis zu einer Entwarnung, die frühestens am Montag erfolgen kann.

Viele Bürger dachten zunächst an einen schlechten Scherz, als sie ein Schreiben der Stadtwerke ohne Briefkopf und mit handschriftlichen Ergänzungen vorfanden. Doch das Schreiben ist echt und warnt vor möglichen Gefahren des Wassergenusses. Darin heißt es:

Handzettel der Stadtwerke

„Das Trinkwasser der Stadtwerke Hemer GmbH wird regelmäßig vom Hygieneinstitut des Ruhrgebiets in Gelsenkirchen untersucht. Bei der letzten Untersuchung wurden sog. Coliforme Keime festgestellt, die zwar selbst nicht gesundheitsgefährdend sind, aber auf eine Verunreinigung des Wasser schließen lassen. Als Vorsichtsmaßnahme wird daher vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises angeordnet, das gesamte Wasser zum Trinken sowie alles Brauchwasser für die Körperpflege und die Reinigung der Haushaltsgeräte vor Gebrauch abzukochen.

Die Stadtwerke spülen nach der Belastung mir Coli-Bakterien die Wasserleitungen in Landhausen und auf dem StübeckenFoto: Ulrich Töpel

Einmal erhitztes Wasser darf nicht mit ungekochtem Leitungswasser gemischt werden. Speisen dürfen mit Leitungswasser nur zubereitet werden, wenn das Wasser dabei gekocht wird. Eine Kontrolluntersuchung des Wassers wird kurzfristig durchgeführt. Wenn das Wasser wieder einwandfrei ist, werden wir Sie umgehend informieren.

Bis zum Nachweis der bakteriologischen Unbedenklichkeit wird das Wasser gechlort. Es kann zu Geschmacks- und Geruchsbeeinträchtigungen kommen. Wir haben die Feuerwehr und Polizei informiert. Sofern nicht unbedingt notwendig, bitten wir Sie von Rückrufen abzusehen und die Leitungen freizuhalten.“ Handzettel mit dieser Mitteilung verteilten Stadtwerkemitarbeiter am Samstagabend an rund 900 Haushalte nördlich der Geitbecke. Da viele Anwohner aber wohl erst am Montag in ihre Briefkästen geschaut hätten, entschloss man sich am späten Abend, auch per Lautsprecherdurchsage durch Feuerwehr und Polizei zu warnen.

Nach Informationen des Iserlohner Kreisanzeigers haben mehrere Magen-Darm-Erkrankungen im Bereich Landhausen, die seit Weihnachten gehäuft aufgetreten sind, den Alarm ausgelöst. Von einem grassierenden Magen-Darm-Virus war zunächst die Rede. Einige Hausärzte veranlassten Stuhluntersuchungen, deren Ergebnisse auch an das Gesundheitsamt des Märkischen Kreises gingen. „Keime haben wir andauernd, aber wenn eine Häufung auftritt, müssen wir tätig werden“, so Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Gesundheitsdienste vom Märkischen Kreis. Über 20 Nachweise des Keims Clostridium konnten räumlich auf Landhausen eingegrenzt werden. Das Gesundheitsamt leistete komplizierte Detektivarbeit, befragte die Erkrankten nach gemeinsamen Lebensmitteln oder Veranstaltungen und stellte die räumlich eingegrenzte Häufung fest. „Es deutet einiges auf das Trinkwasser hin“, so Volker Schmidt. Daraufhin wurde neben der turnusmäßigen Beprobung des Trinkwassers eine Zusatzbeprobung veranlasst. „Die Stadtwerke sind sehr kooperativ“, betont der Kreis.

Leitungen gespült

Die Probenentnahme ist am Freitag erfolgt. Die Ergebnisse lagen nach Auskunft der Stadtwerke Samstagmittag vor. „Nach dem Trinkwassermaßnahmenplan haben wir sofort alle Maßnahmen eingeleitet“, so der technische Leiter Dieter Gredig. Dazu gehören neben der Information der rund 900 Haushalte per Hauswurfsendung die Chlorung des Wassers und die Spülung der Leitungen. „Wir werden die ganze Nacht über spülen“, so Dieter Gredig. Das Gebiet kann auf Landhausen und Stübecken eingegrenzt werden, weil die Belastung nur hinter einer Druckerhöhungsstation festgestellt wurde. „Die Ursache der Trinkwasserverunreinigung ist noch völlig unbekannt“, teilten die Stadtwerke am Sonntag mit.

Es erfolgte eine erneute Beprobung. Bis die Messergebnisse vorliegen, vergehen 24 Stunden. Daher gelten alle Vorsichtsmaßnahmen mindestens bis einschließlich Montag.

Die betroffenen Bürger stellte die Wasserwarnung vor einige Probleme. In Anbetracht geschlossener Geschäfte war Flaschenwasser nicht zu besorgen. In der Kreuzkirche wurde das Kirchencafé sicherheitshalber abgesagt.

Viele Fragen an Feuerwehr

Mit vielen Fragen sah sich die Feuerwehr konfrontiert, da die Stadtwerke keine Rufnummer angegeben hatten. „Viele Kunden, die sich bei den Stadtwerken meldeten, brachten Verständnis auf und dankten für die rasche Information“, berichtet Geschäftsführerin Monika Otten. Nur zwei von bis dahin 13 Anrufern habe sie wegen offenkundig großer Besorgnis zurückrufen müssen.

Ralf Engel



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