Elternwille ist die Einrichtung einer Gesamtschule
17.04.2008 | 19:37 Uhr 2008-04-17T19:37:00+0200
Hemer. (rd) Die Eltern von Grundschülern votieren mit einer deutlichen Mehrheit für die Einrichtung einer Gesamtschule in der Felsenmeerstadt.
Das hat zur Folge, dass am Donnerstag, 17. April, gegen 18 Uhr in Hemer der Kommunalwahlkampf begonnen hat. Da wurde das Ergebnis der Elternbefragung zur Gesamtschule bekannt, und es findet sich bei Eltern von Erstklässlern, Zweitklässlern und Drittklässlern eine respektable Mehrheit für die Einrichtung dieser Schulform in Hemer. Und die Politik streitet.
152 Eltern von 387 Drittklässlern an den Grundschulen befürworten die Gesamtschule, das sind 63 %, wenn man zwei Haushalte abrechnet, die postalisch unbekannt sind. 87 Eltern (36 %) sind zufrieden mit dem bisherigen Schulsystem (Gymnasium, Real- und Hauptschule).
Bei den Zweitklässlern war das Ergebnis ebenso eindeutig: 149 Befürworter der Gesamtschule (65 %) von insgesamt 382 Kindern bei einer Wahlbeteiligung von 229 Eltern bei 71 Befürwortern des klassischen Schulsystem mit drei Gliedern und neun ungültigen Stimmen.
"Deppendorf ruft an: Gibt's eine Hochrechnung?"
Beifall zuletzt im Sitzungszimmer des Rathauses beim dritten Resultat: 408 Erstklässler insgesamt, 219 Teilnehmer (54 % Wahlbeteiligung), 142 Stimmen für die Gesamtschule (65 %) und 74 Stimmen (34 %) für das dreigliedrige System. „Schade, dass hier der Elternwille nicht zählt”, sagte ein Enttäuschter.Erst ging es lustig zu in der 2. Rathausetage, wo sich um 17 Uhr Eltern und viele Ratsleute eingefunden hatten. Zur Entlastung der Zähler (Stadtverwaltung) wurden die Politiker als Hilfskräfte fürs Öffnen der Briefumschläge eingesetzt. Bürgermeister Michael Esken als Briefträger war ein lustiger Entertainer, und beim Auszählen gab es noch gute Laune und Berliner Ballen. „Deppendorf ruft an”, rief Arne Stopsack (FDP): „Gibt es eine Hochrechnung?”
Wie es ernst weiter geht? Ende Mai wird der Schulausschuss das Thema beraten: „Inhaltlich hätte ich mir ein anderes Votum gewünscht”, erklärt Ausschussvorsitzender Martin Gropengießer, der die Elternbefragung als CDU-Vorsitzender angestoßen hatte. „Es gilt zu überprüfen, wie dieses Ergebnis umzusetzen ist”, sagt er im Nachhinein. Stopsack bleibt knochenhart: „Die Schulform Gesamtschule findet nicht unsere Anregung. (...) Die Diskussion beginnt jetzt erst richtig.”
07:21
... zu nbk1907:
Aus meiner Sicht besteht der wahre Hammer darin, dass die Hemeraner SPD wirklich meint, Hemer könne auf dem Hintergund der stark rückläufigen Schülerzahlen zusätzlich eine Gesamtschule verkraften, ohne dass der ehrlichere Weg gegangen würde, auch einen SPD-Antrag zur Schließung der Haupt- und Realschulen im Rat vorzulegen. Von der CDU wird dieser Antrag doch wohl nicht kommen. So streut man den Eltern und der Öffentlichkeit Sand in die Augen, um sie zu blenden.
Nur so hätte eine Gesamtschule in Hemer eine dauerhafte Perspektive.
20:59
Durch die Befragung der Hemeraner Eltern hat sich jetzt ergeben, dass sie sich eine Hemeraner Gesamtschule vorstellen können. Doch ist das in erster Linie nur ein Meinungsbild und kein Anmeldebogen.
Eine Gesamtschule für Hemer ist meiner Meinung nach aus drei Gründen keine Option. Aus bildungspolitischer, aus ökonomischer und aus demographischer Sicht. Wie mein Vorredner bereits deutlich gemacht hat, ist die für Hemer vorgesehene Struktur kaum zu realisieren, da die Gesamtschule eher eine Einrichtung für schwächere Schüler ist, die durch die individuelle Förderung die Chance bekommen sollen, leichter die Schulform zu wechseln, um einen höheren Abschluss zu erlangen. Demnach wird die geforderte Anzahl an Anmeldungen mit Gymnasialempfehlung nur schwer zu erreichen sein. Des weiteren kann ich aus persönlicher, nicht repräsentativer, Erfahrung an der Universität berichten, dass die Leistungsdichte und das Vorwissen der Studenten, die ihre Hochschulreife an eienr Gesamtschule erworben haben, weniger hoch ist, als bei den ehemaligen Gymnasiasten.
Nun zum ökonomischen Argument. Der Schulträger ist die Stadt und die Stadt Hemer ist finanziell nicht in der Lage, eine fünfte Weiterführende Schule zu unterhalten. Die Folge ist also, dass die vorhandenen Schulen finanzielle Einbußen hinnehmen müssen und unter Umständen nicht in der heute bestehenden Form gehalten werden können.
Die Haupt- und Realschule verzeichnen bereits rückläufige Schülerzahlen. Die Einrichtung einer Gesamtschule würde in diesem Zusammenhang als Multiplikator der Entwicklung wirken.
Provokativ wage ich zu formulieren, dass eine Gesamtschule das mittelfristige Ende des Hemeraner Haupt- und Realschulstandortes bedeuten würde.
17:38
Übrigens, man müsste schon Hein Blöd heißen, wenn man denkt, dass etwa 140-150 Voten aus der Umfrage in den Klassen 1-3 für eine Gesamtschule schon 112-114 Anmeldungen für eine solche Schule sind!
17:26
... Es handelt sich natürlich nicht um die Eltern mit einer Empfehlung für HS, RS oder GY, sondern um deren Kinder, die bei der Anmelderunde für eine Gesamtschule eine entsprechende Schulformempfehlung haben ...
17:22
Jetzt gibts in Hemer ein echtes Dilemma. Die CDU-FDP Landesvorgaben torpedieren die Neugründung einer Gesamtschule durch das Vorenthalten der Ganztagsschulform und durch die Drittel-Regelung bei den Anmeldungen. Ich bin mal gespannt, ob sich wirklich unter diesen besch... Startbedingungen für eine Gesamtschule genügend Eltern finden, die das mitmachen. Zur Erinnerung: man benötigt jeweils 38 Eltern mit Realschul- und Gymnasialempfehlung sowie 38 Eltern mit Hauptschulempfehlung aus den Grundschulen. - Das steht zwar in keinem Gesetz. Dies kann die Landesregierung aber auf dem Verfügungs- und Verordnungsweg an die obere Schulaufsicht (Bezirksregierung Arnsberg) administrativ verfügen bzw. verordnen. - Wie soll eigentlich ohne Ganztag individuell in 28-30er Klassen gefördert werden, wenn es keine Stellenzuschläge aus dem Ganztagstopf für eine neue Gesamtschule in Hemer gibt? ... - Hinweis für die ideologischen Grabenkrieger aus beiden Lagern: wer den Elternwillen missachtet, erzeugt die viel beklagte Politikverdrossenheit.
14:37
Herr Gropengießer deutete ja schon an, dass ihm der Elternwille wichtig sei, was noch nicht heißt, dass er auch respektiert wird. Ich bin auch gespannt, ob und wie die CDU aus dieser Nummer wieder herauskommt.
13:17
Ich bin zwar nicht für die Gesamtschule. Aber jetzt bin ich mal gespannt, wann und wie dieses Projekt durchgezogen wird. Der Elternwunsch sollte schnellstens erfüllt werden. Aber leider sehe ich es so, dass es nur mal wieder nur eine halbe Sache wird. Hoffentlich werde ich eines Besseren belehrt.
22:50
Ich hoffe ja mal, das unsere Politiker nicht rumeiern sondern den Elternwusch respektieren und entsprechend umsetzen. Aber es wird dann mal wieder ander kommen, wie man unsere Politiker kennt. Ich hoffe nur das die Gesamtschue für Hemer schnellstens kommt.
20:12
Gut so. Jetzt muss der Elternwille ohne Störmanöver umgesetzt werden. Auch wenn es schwer fällt, muss der Bürgermeister das Ergebnis anerkennen und eine Gesamtschule als Ganztagsangebot für Hemer fordern.