Ein bisschen „bekloppt“ muss man sein
31.01.2012 | 16:42 Uhr 2012-01-31T16:42:00+0100
Hemer. Dietmar Boronowski (46) und Daniel Villmann (36) aus Hemer würden sich eher als ein „bisschen bekloppt“ beschreiben. Sie nahmen am brutalsten und härtesten Rennen der Welt teil - an der Tough Guy Challenge im britischen Perton.
Wer freiwillig in eiskalte und dazu noch brusttiefe Schlammlöcher fällt, unter tief gespanntem Stacheldraht durch den Dreck robbt oder bei Minusgraden im Wasser auf Tauchstation geht, wer Stromstöße über sich ergehen lässt, um dann über brennende Heuballen zu springen, der sucht normalerweise den besonderen Kick.
Ziel war es nicht, auf dem Siegertreppchen zu stehen, sondern das Objekt ihrer Begierde - eine schlichte Teilnehmermedaille - in den Händen zu halten. Und die präsentierte Polizeipressesprecher Dietmar Boronowski in der IKZ-Redaktion mit einer gewissen Portion Stolz. „Sieht nach nichts aus, hat aber großen ideellen Wert!“
Wie kommt man auf die Idee beim „Tough Guy“ zu starten? „Daniel hatte das schon lange vor, jetzt haben wir Nägel mit Köpfen gemacht. Flug gebucht, Geld überwiesen und ab ging’s“, so der 46-Jährige, der mit Daniel Villmann auch schon einen Marathon gelaufen ist. „Die Strecke in Perton hatte mit einem normalen Marathon natürlich nichts zu tun“, so Boronowski, der sich genau an den Augenblick erinnert, als alle 8000 Teilnehmer vor dem Start regelrecht eingepfercht wurden, ehe es endlich los ging. In Gruppen a 2000 Startern ging es auf den zwölf Kilometer langen Parcours, Villmann mit der Startnummer 4171 und Boronowski mit der Startnummer 4177.
„Es war ein unglaubliches Gefühl“, beschreibt der 46-Jährige die euphorische Stimmung unter den Starten. Einige hatten sich in auffällige Verkleidungen geschmissen, andere waren kampflustig bemalt und brüllten um die Wette, und alle hatten das eine Ziel vor Augen: Die schwierige Strecke zu schaffen, die ein echter Alptraum war.
Es war wahrlich kein Zuckerschlecken: Als die Hemeraner morgens auf dem Gelände in Perton ankamen, war das Wasser in den Schlammlöchern noch gefroren. In zehn separaten Trainingseinheiten hatte sich das heimische Duo auf die Tough-Guy-Challenge vorbereitet, unter anderem wurde im Hexenteich in Menden und im Fischteich in Langenbruch geschwommen, um sich ein wenig an die eisigen Temperaturen im Wasser zu gewöhnen.
Aber nicht nur die „Schwimm- und Taucheinheiten“ bei den extremen Bedingungen waren nichts für Weicheier - der gesamte Parcours hatte es in sich und forderte den Männern und Frauen alles ab. Nur rund 60 Prozent der Teilnehmer kamen ins Ziel - alle anderen mussten aufgeben - weil sie sich entweder verletzt hatten oder schlichtweg am Ende ihrer Kräfte waren. Zum Teil waren die Hindernisse zehn Meter hoch, die man überwinden musste, um dann der nächsten Herausforderung ins Auge zu sehen.
Die beiden Hemeraner trugen jede Menge Schürfwunden und blaue Flecken davon. „Während des Laufes merkst du davon nichts. Der ganze Körper ist irgendwie taub. man wird von einer Welle der Euphorie getragen. Musst du an Hindernissen warten, fängst du wegen der Kälte fürchterlich an zu zittern. Wir reden hier über Temperaturen am Gefrierpunkt“, erzählt Dietmar Boronowski. Die 21 Hindernisse auf dem 150 Hektar großen Gelände machten allen das Leben schwer. „Es war eine Grenzerfahrung. Man kann sich das einfach nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat“, erzählt der Hemeraner, der die ganzen Eindrücke erst mal verarbeiten muss. Drei Stunden hat es gedauert, bis die Hemeraner im Ziel waren. Die Teilnehmer kamen aus aller Herren Länder. Boronowski: „Das war irre!“ Eines ist aber klar: „So bekloppt, dass wir das ein zweites Mal machen, sind wir nun auch wieder nicht!“
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