Digitale Daten liegen offen wie ein Scheunentor

Der IT-Forensiker Karsten Zimmer (r.) war am Mittwoch beim Politischen Aschermittwoch der FDP zu Gast und wurde von Andrea Lipproß und Arne Hermann Stopsack begrüßt.
Der IT-Forensiker Karsten Zimmer (r.) war am Mittwoch beim Politischen Aschermittwoch der FDP zu Gast und wurde von Andrea Lipproß und Arne Hermann Stopsack begrüßt.
Foto: IKZ

Hemer..  Der Blick in die Runde macht es deutlich. Kaum jemand weiß, wo die Gefahren im Internet lauern. Die Besucher des Politischen Aschermittwochs hängen Karsten Zimmer förmlich an den Lippen. Es ist spannend, was der IT-Forensiker zu erzählen hat – aber auch erschreckend. Unter dem Titel „Der Dieb vom Schreibtisch gegenüber“ gibt der 50-jährige Referent einen Einblick in seine Arbeit, und die ist sehr spannend. Unter anderem ist Karsten Zimmer für die Staatsanwaltschaft im Einsatz und hilft Internet-Kriminalität aufzudecken. Es folgt ein Vortrag mit vielen „wachrüttelnden Momenten“.

Der Hacker kommt längst auch im Anzug daher

Wer denkt, dass die Festplatte seines Computers kaputt ist, wenn man mit einem Hammer draufhaut, wird eines besseren belehrt. Äußerlich mag das sein, doch die Daten können in den meisten Fällen gerettet werden. „Ach“, kommt es aus der einen Ecke des Saales im Jugend- und Kulturzentrums. Wie man sich einen Hacker vorstellt, lautet die nächste Frage. Zottelige Haare, ungewaschen und mit einem mehr als vollen Aschenbecher neben der Tastatur? „Hacker sind längst auch Anzugträger“, belehrt Karsten Zimmer die Gäste, und sagt: „Ihre Daten sind Gold wert!“

Industriespionage gibt es meist in kleinen und mittelständischen Unternehmen, erfuhren die Besucher der FDP-Veranstaltung. „Oft wird das Fabriktor peinlich genau abgeschlossen, aber die digitalen Leitungen liegen offen wie ein Scheunentor“, sagt der IT-Forensiker und beziffert die jährlich entstehende Schadenshöhe zwischen 50 und 80 Milliarden Euro.

Zero Days Exploits — das sind kleine Sicherheitslücken, die nur der Entdecker und noch nicht mal der Hersteller kennt. Äußerst gefährlich, denn auch das Anti-Virenprogramm kann da nichts ausrichten, da es die Gefahr nicht erkennt. Ein Exploit eines Hackers ist wie die Brechstange eines Einbrechers.

Die meisten Unternehmen merken es gar nicht oder erst sehr spät, dass sie ausspioniert werden. „Aus Prestigegründen wird oft keine Strafanzeige erstattet. Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer sehr groß ist!“

Zum Onlinespeicher Cloud sagt der Experte: „Daten kommen in die Cloud, damit sie einer klaut!“ Er rät, bei der Benutzung von Onlinespeichern sehr vorsichtig zu sein. Zimmer appelliert, generell vorsichtig zu sein. „Das Internet wird nicht bedroht von denen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen!“ Auch im Umgang mit den sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook oder Xing gilt höchste Vorsicht. Auch scheinbar gelöschte Beiträge sind nur oberflächlich weg. Das Internet vergisst nie.

Wichtig für den „normalen Internetnutzer“ ist nach Aussage des Datendetektivs, immer die aktuellen Updates für das Betriebssystem herunterzuladen und ein aktuelles Viren-Programm zu nutzen. Die Firewall muss eingeschaltet sein. Für den Fall der Fälle.