„Die Situation ist im Moment sehr schwierig“

„Mein Gott, was ist denn das passiert?“, werden sich viele Deilinghofer und auch Bewohner anderer Hemeraner Ortsteile gefragt haben, als immer mehr Einsatzfahrzeuge unter Blaulicht am Montag die Flüchtlingsunterkunft ansteuerten und dort etwa ein Stunde blieben.
„Mein Gott, was ist denn das passiert?“, werden sich viele Deilinghofer und auch Bewohner anderer Hemeraner Ortsteile gefragt haben, als immer mehr Einsatzfahrzeuge unter Blaulicht am Montag die Flüchtlingsunterkunft ansteuerten und dort etwa ein Stunde blieben.
Foto: IKZ

Deilinghofen..  „Es tut uns sehr Leid, wenn wir für eine Beunruhigung der Bevölkerung gesorgt haben. Ich kann da nur mein Bedauern aussprechen. Wichtig ist aber auch, dass zu keinem Zeitpunkt irgend eine Gefährdung bestanden hat.“ Dr. Christian Chmel-Menges, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg, sieht die Vorgänge vom Montagabend in und an der Flüchtlingsunterkunft in Deilinghofen als eine unglückliche Verkettung von Missverständnissen und im Nachhinnein unglücklicher Entscheidungen.

Wie am Vortag aktuell berichtet, waren über 20 Fahrzeuge des Roten Kreuzes und der Malteser mit Blaulicht zur Unterkunft am Apricker Weg gefahren. Das vielfache Blaulicht war weithin sichtbar und hatte bei etlichen Anwohnern die Befürchtung einer ernsten Notfallsituation in der Einrichtung ausgelöst.

Erst gegen 21 Uhr rückten Einsatzkräfte wieder ab

Aufgabe der „Einsatzeinheit Hagen 04“ sollte es sein, auf dem Gelände der Einrichtung Zelte für 60 Flüchtlinge aufzustellen, die im Laufe des Abends in Deilinghofen eintrafen. Erst als die Einheit bereits vor Ort eingetroffen war, stellte sich heraus, dass die Zelte doch nicht benötigt wurden, und die zumeist ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer durften mit ihren Fahrzeugen wieder abrücken.

Christian Chmel-Menges bat im Gespräch mit der Heimatzeitung um Verständnis dafür, dass die Versorgung des immer weiter wachsenden Flüchtlingsstromes alle Beteiligten derzeit vor große Herausforderungen stellt. Allein in der zurückliegenden Woche seien 5041 neue Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen eingetroffen, ein neuer Spitzenwert in diesem Jahr. In der Woche davor sei mit 4400 Flüchtlingen der zweithöchste Wert registriert worden. Aktuell werde die Situation zusätzlich dadurch verschärft, dass sechs der 21 Zentralen Unterbringungseinrichtungen und 20 Notunterkünfte im Land sechs wegen Windpocken keine neuen Menschen aufnehmen dürfen.

Die 60 Flüchtlinge, die am Montagabend schließlich in Deilinghofen untergekommen sind, waren eigentlich bereits unterwegs in eine Einrichtung in Bonn. Weil dort allerdings gestern ein Verdachtsfall von Tuberkulose aufgetreten war, musste für die 60 Menschen eine neue Bleibe gefunden werden und es wurde in Hemer angefragt. Dabei sei es, so Christian Chmel-Menges, zu ersten Missverständnissen gekommen.

Offenbar war die Auskunft, es sei kompliziert, in der ohnehin schon mit 630 Personen belegten Einrichtung Platz für weitere 60 zu schaffen, so interpretiert worden, dass dies überhaupt nicht möglich sei. Darauf wurde die Einsatzeinheit des Roten Kreuzes zum Zeltaufbau in Marsch gesetzt. Warum die Fahrzeuge unter Blaulicht gefahren sind, kann Christian Chmel-Menges weder erklären noch verstehen. „Solch ein Aufmarsch war sicher unnötig“, so der Pressesprecher.

Die Zentrale Unterbringung in Deilinghofen ist seit Montagabend mit rund 700 Menschen wieder eindeutig überbelegt. Die Bezirksregierung sei aber bemüht, die Belegung wieder auf rund 600 zurückzufahren. Wie schnell das gelingt, kann Christian Chmel-Menges nicht sagen: „Die Situation ist im Moment sehr schwierig.“