Die Kranken wie Erwachsene behandeln und nicht wie Kinder

Demenz-Tagung der Volkshochschule
Demenz-Tagung der Volkshochschule
Foto: IKZ

Hemer..  In der älter werdenden Gesellschaft ist die Begleitung von demenziell erkrankten Menschen durch Familienangehörige, Ehrenamtliche und Hauptberufliche eine der wesentlichen Zukunftsaufgaben. Damit sowohl Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, als auch Professionelle einen noch intensiveren Einblick in Krankheitsbild, Verlauf und sinnvolle Unterstützungsmaßnahmen erhalten, haben das Demenz-Servicezentrum NRW, Region Dortmund in Kooperation mit dem Netzwerk-Demenz Hemer dem Seniorenheim St. Vincenz, den Städten Menden, Hemer und Balve und der Volkshochschule Menden-Hemer-Balve einen Fachtag angeboten, der bereits wenige Stunden nach der Ausschreibung mit über 70 Teilnehmern ausgebucht war.

Wie groß der Bedarf an Information und Austausch war, zeigte sich am Veranstaltungstag unter anderem durch die engagierten Diskussionen im Nachgang des Vortrags von Christian Müller-Hergl von der Universität Witten-Herdecke. Müller-Hergl nicht nur Symptome, Krankheitsverläufe und Unterstützungsmöglichkeiten vor, sondern zeigte auch auf, welche alternativen Konzepte in der Betreuung in anderen Ländern umgesetzt werden. Unter anderem seien die Schweiz und die Niederlande Vorreiter.

Berichtet wurde von der Unterstützung durch Familienhelfer, die mit betroffenen Familien für eine Zeit gemeinsam leben, um mit diesen eine neue Form von Kommunikation und Verhalten aufzubauen. In Deutschland werden in stationären Pflegeeinrichtungen durch den Personalmangel und die Prüfkriterien des Medizinischen Dienstes alternative Betreuungsformen, die den Bedürfnissen dementiell Erkrankter gerecht werden, viel zu selten umgesetzt.

Aber auch das Festhalten an gesellschaftlichen Konventionen, die für „normale“ Menschen wichtig, aber für Demenzkranke nicht mehr in diesem Maße gültig sind, verhindere eine bessere Versorgung und Förderung. Beispielsweise sei es nicht möglich, in der stationären Versorgung Himmelbetten auf den Fluren aufzustellen, die den Bedürfnissen nach Nähe und Geborgenheit entgegenkommen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch belegt, dass bei Einrichtungen in anderen Ländern, die dieses Konzept umsetzen, die Betreuten viel ruhiger und zufriedener sind.

Demenziell Erkrankte möchten primär verstanden und angenommen werden, wie sie sind. Dies ist vor allem wichtig, weil sie gesellschaftliche Sichtweisen und Normen immer mehr verlieren, sich dieser Tatsache aber meist nicht bewusst sind und weiterhin als Erwachsene und nicht als Kinder behandelt werden möchten.

Dies stellt oft Familien und Betreuende vor große Herausforderungen. Hier können dann qualifizierte Ehrenamtliche einen ganz wichtigen Bestandteil der Betreuungskette darstellen. Sie können die Erkrankten in den unterschiedlichen Stadien der Krankheit fördern, begleiten, oder einfach nur für sie da sein. Was einfach klingt, ist in der Realität jedoch sehr komplex. So hat angemessenes Verhalten mit dem Vorwissen über die Persönlichkeit, über seine Unsicherheiten und Ängste und über seine noch erhaltenen Fähigkeiten und Freuden zu tun.

Dieses Wissen immer besser auszubauen, forderten die Teilnehmenden des Fachtages auch im Rahmen der Workshops ein, die zu unterschiedlichen Bereichen der Arbeit mit demenziell Erkrankten angeboten wurden. Ein wichtiges Thema war auch der Umgang mit Spiritualität. Viele Fragen nach Sinn, Glaube oder Schicksal tauchen in den Gesprächen immer wieder auf. Sowohl Hauptamtliche als auch Ehrenamtliche sollten über ein fundiertes Wissen verfügen, wie man mit diesen Fragen adäquat umgehen kann.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Qualifikationen im Bereich Demenz zukünftig durch regelmäßige Fortbildungen über die Grundqualifikation hinaus weiter ausgebaut werden sollten. Die Volkshochschule wurde dafür als geeigneter Partner ins Spiel gebracht. Sie wünschten sich aber auch, dass das Thema Demenz und Ehrenamtlichkeit noch weiter in die Bevölkerung hereingetragen werden sollte. Trotz einer sehr Sinn stiftenden Erfahrung in ihrer Arbeit, stoßen viele Ehrenamtliche noch immer auf viel Unverständnis bei Bekannten und Verwandten für ihr Engagement.