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Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule

23.01.2009 | 16:06 Uhr
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule

Hemer. Für die Eltern war die Entscheidung wie ein „Schlag ins Gesicht”: Engagiert hatten sie ein ganzes Jahr lang für eine Gesamtschule in Hemer gekämpft. In der Ratssitzung am Donnerstag im Gymnasium platzte der Gesamtschul-Traum Hemer wie eine Seifenblase. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Nach drei Anmeldetagen wurden 188 Kinder für die Gesamtschule angemeldet. Das sind 50 Prozent der Hemeraner Kinder, die ab Sommer 2009 eine fünfte Klasse besuchen sollen. 32 Kinder haben eine gymnasiale Empfehlung, 74 eine Empfehlung für die Realschule, 82 eine Empfehlung für die Hauptschule. Mit dem Antrag auf geheime Abstimmung hatte die GAH gehofft, dass der eine oder andere der CDU in seiner Meinung kippen könnte. Angesichts des großen Menschenauflaufs saßen die Christdemokraten teilweise wie versteinert auf ihren Plätzen, aber von fünf benötigten Ja-Stimmen gab es nur zwei. Das reichte nicht, um den nicht zu übersehenden Elternwillen umzusetzen.

Damit bleibt der ursprüngliche Antrag der Stadt Hemer zur Einrichtung einer Ganztagsgesamtschule, der bekanntlich von der Bezirksregierung abgelehnt wurde, bestehen. Bürgermeister Michael Esken hat damit von Rechts wegen den Auftrag, das jetzige Verfahren weiterlaufen zu lassen. Noch ist der endgültige ablehnende Bescheid zum ursprünglich eingereichten Antrag zur Ganztags-Gesamtschule vom Regierungspräsidenten nicht bei der Stadt Hemer eingegangen. Dieser sei aber definitiv zu erwarten, heißt es. Ob dann juristisch weiter um die Gesamtschule gekämpft wird, muss wieder die Politik entscheiden. Esken hatte für die Ratsitzung Rechtsanwalt Müller aus Bielefeld hinzugezogen, der auf Schulrecht spezialisiert ist.

Die CDU hat in der Ratssitzung am Donnerstag angekündigt, ihre Kontakte nach Düsseldorf zu nutzen und das Votum für die Errichtung einer Gesamtschule in Ganztagsform dort vorzutragen.

Schulausschussvorsitzender Martin Gropengießer berichtete im Rat, dass sich der Schulausschuss seit Februar 2008 in sechs Sitzungen mit der Gesamtschulproblematik befasst hatte. „Der Schulausschuss als zuarbeitendes Gremium des Rates hat seine Aufgabe konstruktiv, gründlich und gewissenhaft gemacht”, sagte Gropengießer.

Fakt ist: Dieses Jahr wird es in Hemer keine Gesamtschule geben. Bürgermeister Michael Esken rief Hemeraner Eltern dennoch dazu auf, ihre Kinder weiter für die Gesamtschule anzumelden. Die Anmeldezahlen wird er an die Bezirksregierung weitergeben.

Hemers erster Bürger sprach sich im Gegensatz zur CDU-Fraktion für die Halbtags-Gesamtschule aus. „Wenn ich eine Verwaltungsvorlage unterzeichne, weiß ich auch, was darin steht”, so Michael Esken. Man müsse sich nicht immer der Parteipolitik unterordnen, sagte er weiter. Seine Haltung habe natürlich in der Fraktion zunächst für Unruhe gesorgt. CDU-Fraktionschef Dr. Gerhard Webers aber betonte: „Zwischen die CDU-Fraktion und den Bürgermeister Esken passt kein Blatt!”

Am 29. Januar können in Iserlohn Kinder für die Gesamtschule angemeldet werden. Fördervereins-Vorsitzende Petra Schlottmann war angesichts der neuen Entwicklung tief betroffen. Der Förderverein lädt am Montag, 26. Januar, um 19 Uhr in das Jugend- und Kulturzentrum am Park ein, um die betroffenen Eltern zu informieren. Die Einladung wird aber auch an die Eltern von Drittklässlern ausgesprochen.

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Carmen Fürstenau

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Kommentare
27.01.2009
11:32
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von Carsten Jäker | #14

@Ruhrik,
eines sollte klar sein:
Es gibt auch unter den Gesamtschulen auch falsch verstandene Pädagogik. Die Qualität hängt stark von der Einstellung der Lehrer ab. GS vor 20 Jahren waren andere, als heute. Bitte schauen Sie nur einmal auf die Seite des NRW Bildungsministeriums und suchen Sie die Übersicht der Gütesiegelschulen. Sie werden überrascht sein, wie hoch der Anteil der Gesamtschulen ist. Außerdem berücksichtigen Sie nicht, wie häufig das dreigliedrige Schulsystem versagt hat. In Hemer kenne ich mehrere Fälle, die davon zeugen. Da dieses System aber die Normalität ist, wird es kaum hinterfragt. Außer von den Eltern einer Stadt selbst. Das mit der Heterogenität stimmt so auch nicht. Da spielen noch andere Faktoren eine Rolle z.B. allgemeine Deutschkenntnisse etc.
In Finnland kommt man übrigens mit dieser Heterogenität ziemlich gut klar. Weiter muss man sich fragen wie es die gut abgeschnittenen Grundschulen machen. Heterogener geht es kaum.
Da müssen andere Konzepte her, die Leistungswillen positiv motivieren ohne nur zu selektieren oder zu demütigen. Eine Kuschelpädagogik ist ebenso falsch wie eine autoritäre Hand. Auch wenn einzelne GS scheitern, so gibt es doch genung Erfolgsmodelle. - Es ist eine Frage der praktischen Durchführung und da haben wir Eltern gerade in der Anfangszeit einen erheblichen Einfluss.

26.01.2009
15:18
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von Ruhrik | #13

In Kamen hat man in den 60er Jahren die Wahlfreiheit genommen. Eine Generation später haben die Bürger/innen die Politik mit allen verfügbaren Mitteln dazu gezwungen, das mehrgliedrige Schulsystem wieder zu installieren. Sie hatten selbst erfahren, dass in den Gesamtschulen der Leistungswille ausgebremst wurden. Die Heterogenität in den Klassen führte dazu, dass sich die leistungsstarken Schüler/innen rasch nach unten anpassten. So wurden starke Kinder schwächer, und schwächere nicht stärker.

26.01.2009
14:21
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von Carsten Jäker | #12

@Alex,
rechnen Sie mal gegen wieviele diesen Abschluss heute (!) nicht mehr schaffen und das nur wegen des Schulsystems aus Kaisers Zeiten. Das System war auch in der Vergangenheit nicht immer schlecht. Doch ist besorgniserregend, dass die Durchlässigkeit des kaiserlichen Schulsystems in den letzten 15 Jahen nahe dem Nullpunkt geschrumpft ist. Wir haben heute eine viel heterogenere Schülerstruktur, der nun Rechnung getragen werden muss. Nichts gegen das kaiserliche Schulsystem, wenn es entwicklungs- (nicht selektions-) orientiert und nach oben durchlässiger wäre. Das ist es aber nicht mehr. Kurz nach Kaisers Zeiten gab es übrigens auch die sogenannte Reformpädagogik. Diese wurde aber in der NS-Zeit wieder eingestampft, weil zuviel Freigeist und zu wenig Gehorsam vermittelt wurde. Helmut und Loki Schmidt schwärmen immer noch von dieser Schulform, die sie genießen konnten. Vielleicht googeln Sie mal. Dann werden Sie folgendes feststellen:
- nicht wenige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben diese Schulform besucht.

Ein weiterer wichtiger Punkt kommt noch hinzu:
Die Grundschulen sind übrigens IGLU-Spitze. IGLU ist PISA für die Grundschulen gewesen.
Der Schnitt wurde aber wesentlich von den Grundschulen gehoben, welche reformpädagogische (Nicht zu verwechseln mit Kuschelpädagogik) Prinzipien anwendeten. Leider fällt kaum eine Hemeraner Grundschule (eventuell noch die Ihmerter - ein wenig) darunter. Am ehesten ist dies bei der Bartholomäusschule in Oestrich zu finden.
Bei den weiterführenden Schulen ist absolut Ebbe in Hemer.
Daher wäre die GS ein richtiger Schritt gewesen. Diese ist natürlich in sehr konservativen Kreisen zu wenig (be-)greifbar. Was auch in Ordnung ist. Doch den Elternwillen von 50 % der schulpflichtigen Kinder aufgrund parteipolitischer Ränkespiele zu ignorieren ist das eingentliche Debakel.

25.01.2009
19:40
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von woelkewesthoff | #11

@Carsten Jäker: Herzlichen Dank für Ihren Beitrag.

25.01.2009
19:36
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von Alex H | #10

Dafür schaffen andere einen Abschluß
der ihnen sonst verwärt worden wäre
und nur wegen eines Schulsysthems aus Kaisers zeiten

MFG

25.01.2009
19:30
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von Carsten Jäker | #9

@Trogus_Bumper,
das Zentralabitur hat die Qualität der Gesamtschulen, die Sie (!) unterstellen, nicht betätigen können. Angesichts der Tatsache, dass ein nicht unerheblicher Teil der Gesamtschüler, die Abitur ihr machen nicht einmal die Empfehlung für das Gymnasium hat, spricht für das pädagogische Konzept der GS. Das ca 30% der Schüler (natürlich mit Empfehlung) bis Klasse 7 das Gymn. verlassen, spricht nicht gerade für eine Entwicklungorientierung dieser Schulform. Wir können uns aber immer weniger leisten diese Ressourcen zu vergeuden (vom ethischen Standpunkt ganz abgesehen.)
Sich nicht für Alternativen zu engagieren, weil man denkt das eh alles mit der GS keinen Zweck hat, ist für mich politische Resignation. Viele GS sind Gütesiegelschulen (Website des Bildungsministeriums NRW).
@Parkstraße: Auch aus den Kommentaren zu den bisherigen Artikel von Ihnen erkenne ich deutlich, das Sie eher mit dem Bauch denken, denn an Fakten interessiert sind. Ich sage es äußerst selten, aber vielleicht sollten Sie sich erst einmal rüsten, um überhaupt etwas Konstruktives beitragen zu können. Und auch wenn Schulpolitik Ländersache ist, so ist es auch das Recht eines jeden Bürgers eine Initiative zu starten. Die Schaltzentrale der Macht ist übrigens auch in Düsseldorf. Entschuldigen Sie also nicht das peinliche Verhalten unserer CDU.
Weiter schließe ich mich woelkewesthoff an:
Dies ist nicht der Ort, an dem man anonyme (!) Tipps zu Weiterbildung oder einfach nur SH-Sprüche abgeben sollte. Zudem die eigentliche Unkenntnis bei Ihnen liegt.

25.01.2009
10:05
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von woelkewesthoff | #8

Warum versteckt sich @parkstraße hinter diesem Pseudonym? Der Kommentar spricht für sich.
@parkstraße liegt mit seiner Vermutung falsch.

24.01.2009
23:33
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von Trogus_Bumper | #7

Liebe Eltern, überlegt doch mal, mit einem NRW - Gesamtschulabschluß sind Eure Kinder doch in der bundesweiten Rangfolge gaaanz hinten !!!

24.01.2009
21:25
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von parkstraße | #6

@woelkewesthoff: Zunächst eine Frage - Sind Sie die Frau, die nur an sich und ihre eigenen Vorteile denkt? Westtangente, Grundschulleserbriefe, jetzt Gesamtschule. Vielleicht sollten sie sich mal selbst überdenken und nicht nur kritisieren. Jedenfalls sollten Sie das Eintrittsgeld für die LAGA sparen und in die Fort-Bildung, vielleicht auch in die eigene stecken. Dann wüssten sie auch, dass Schulpolitik Landessache ist. Nebenbei, ein Medizinstudium ist nur eines von vielen und bedeutet nicht, dass man Weisheit mit Löffeln auffangen kann.

23.01.2009
22:25
Die Hälfte des Jahrgangs will auf die Gesamtschule
von woelkewesthoff | #5

Den bisherigen Kommentaren kann nur zugestimmt werden. Die Eltern und Schüler sind an der Nase herumgeführt worden. Wie im heutigen IKZ-Artikel schon erwähnt: war alles nur Taktik? Was sollen insbesondere die Kinder von einem derartigen Schauspiel halten. Vorbildfunktion hat dies nicht.
Wie oft lesen wir von den guten und effizienten Kontakten der hiesigen Spitzenpolitiker zu ihren politischen Freunden in den Schaltzentralen der politischen Macht bzw. den Administrationen. Hat man diese Kontakte bemüht? Wenn ja, in welcher Weise?
Natürlich kann man juristische Bedenken ins Feld führen. Doch in anderen Fällen wird auch das Unmögliche versucht, wenn man von der Richtigkeit überzeugt ist. Wo ein Wille ist, kann auch ein Weg sein. In Amerika heißt das jetzt: Yes, we can. Aber in Hemer???
Die Landesgartenschau wird von den hiesigen Spitzenpolitikern mit einer unglaublichen Dynamik vorangetrieben. Gerne zeigt man sich und stellt sich dar. Aber warum kann man sich nicht in gleicher Weise für den Eltern- und Schülerwillen einsetzen? Die LGS ist 2010 vorbei, schnell wird die Stadt von der Realität eingeholt. Hier ist es wichtig, die schulische Attraktivität der Stadt für zuzugswillige wie ortsansässige Familien mit Kindern nachhaltig zu erhöhen.
Frühere gravierende Bedenken meinerseits gegen die Gesamtschule sind mittlerweile aufgrund positiver Erfahrungen aus dem Wege geräumt.
Aber leider ist die Gesamtschule weiterhin für viele ein politischer und bildungsideologischer Spielball.
Es bleibt zu hoffen, dass die mündigen und kritischen Wähler die gestrige Entscheidung bis zum Wahltag nicht vergessen und einfach nein zu den verantwortlichen Parteien und ihren Spitzenpolitikern sagen.

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