Das Herz des Schwimmbades pumpt im Keller

Freibad Am Damm: Schwimmmeisterin Alexandra Bongard kennt sich in der Technik aus.
Freibad Am Damm: Schwimmmeisterin Alexandra Bongard kennt sich in der Technik aus.
Foto: IKZ

Hemer..  Noch ist es ruhig im Freibad Am Damm. Die Schwimmmeister und Schwimmmeisterinnen sind die ersten, die morgens eintreffen. Dann ist es gerade mal 5.30 Uhr. Eine von ihnen ist Alexandra Bongard. Seit 17 Jahren kennt man die stellvertretende leitende Schwimmmeisterin in Hemer als die Frau, die immer ein Auge auf das Geschehen im Wasser hat. Doch das allein ist nicht die Aufgabe der 46-Jährigen. Sie kennt sich auch mit der Technik bestens aus. Für die Heimatzeitung öffneten Alexandra Bongard und Marcel Semme vom Hochbauamt der Stadt die Türen, lassen in der Serie „Innenansichten“ den Blick hinter die Kulissen zu.

Während die Badegäste noch zu Hause am Frühstückstisch sitzen, bereitet das Schwimmmeisterteam alles für den Tagesbetrieb vor. „Wir arbeiten sehr selbstständig, jeder erledigt sämtliche Dinge, die anfallen“, sagt Alexandra Bongard und führt die Besucher unter anderem in den großen Technikraum, den sonst kaum jemand zu sehen bekommt. Es ist heiß dort und zudem sehr laut. Der erste Blick auf die Kessel und Rohre ist für den Laien verwirrend, aber Alexandra Bongard weiß genau, was zu tun und worauf zu achten ist. Es ist wichtig, dass die Wassertemperatur stimmt. „Das Wasser hat jetzt 25,9 Grad“, sagt sie zufrieden – mindestens 22 bis 23 Grad sollten es sein. An diesem Tag beträgt die Außentemperatur 38 Grad Celsius, deshalb wird auch das Wasser wärmer.

Mitte April werden die Becken mit Wasser gefüllt. Das Schwimmerbecken ist 536 Quadratmeter groß, das Nichtschwimmerbecken misst 358 und das Planschbecken hat 64 Quadratmeter. Insgesamt fassen alle drei Becken mit 1369 Kubikmeter. Das Füllen geschieht bereits Mitte April, damit das Wasser zum Saisonstart am 1. Mai die richtige Temperatur hat. „Wird das Wasser eingelassen, hat es nur zehn bis zwölf Grad. Es ist reines Quellwasser“, so die Schwimmmeisterin. Und weil jeden Tag 50 Kubikmeter frisches Wasser durch die Filterspülung in die Becken gepumpt werden, ist auch die Heizung dauerhaft im Einsatz. Auch im Hochsommer. „Nur wenn es eine lange Zeit sehr heiß ist, dann wird das Quellwasser knapp, und es fließt Leitungswasser dazu“, erklärt die Fachfrau.

Wichtig ist es auch, jeden Tag den pH-Wert des Wassers zu untersuchen, optimal ist ein Wert zwischen 7 und 7,2. Einmal in der Saison schauen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes vorbei, einmal im Monat zeigen Mitarbeiter des Hygieneinstituts Präsenz und kontrollieren. Alle Berichte werden an das Gesundheitsamt des Märkischen Kreises weitergeleitet.

Alexandra Bongard reicht es nicht, nur am Beckenrand zu stehen und aufzupassen. In die Technik ist sie hereingewachsen. „Es war schon eine große Herausforderung“, so die 46-Jährige. „Aber ich mache es immer gern, man wächst mit seinen Aufgaben“, sagt die Schwimmmeisterin, die ihr Wissen zurzeit auch an eine Auszubildende weitergibt. Genau gesagt, lernt die junge Frau den Beruf der Fachangestellten für Bäderbetriebe. Für die Attraktionen im Freibad – wie zum Beispiel den Wasserpilz oder die Massagedüsen gibt es einen eigenen Technikraum, wo sofort erkannt werden kann, ob alles nach Plan läuft.

Eine neue Heizung fürdas Freibad muss sein

Die nächste zwingend notwendige Anschaffung steht bald an: Das Freibad benötigt eine neue Heizungsanlage, die aktuelle ist mittlerweile 19 Jahre alt und hat lange genug Dienst getan. Durchschnittlich 600 bis 800 Kubikmeter Gas werden fürs Heizen in 24 Stunden verbraucht – je nach Außentemperatur. „Das ist eine ganze Menge, aber wir haben schließlich ein Warmwasserbad“, so Marcel Semme, zuständig für die gesamte Haus- und Betriebstechnik aller städtischen Gebäude. Die Solaranlage – auch 19 Jahre alt – hilft beim aktuellen Wetter natürlich dabei, Strom zu sparen. „Nächstes Jahr würden wir auch diese Anlage gerne erneuern und auf den neuesten Stand kommen. Falls jemand spenden möchte...“, schmunzelt der städtische Angestellte.

Wenn die Badegäste das Freibad verlassen, ist die Arbeit für das Freibad-Personal nicht erledigt. Dazu gehört auch das Säubern des Geländes. Tradition ist es mittlerweile, dass Kinder helfen, den Müll aufzusammeln. Dafür bekommen sie eine Tagesfreikarte für das Freibad.

Die Stadt Hemer arbeitet hinsichtlich des Freibades eng mit der DLRG-Ortsgruppe Hemer zusammen, die an den Wochenenden den Wachdienst übernimmt. „Anders geht es nicht“, so Alexandra Bongard, die ihren Beruf liebt – seit 27 Jahren.