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Das Gras wachsen hören?

01.07.2010 | 16:07 Uhr
Das Gras wachsen hören?

Hemer. Fünf Freunde ha­ben sich am Donnerstag ein Stelldichein beim Bärenwirt in der Ur­becke gegeben, um ihr Goldjubiläum zu feiern.

Vor 50 Jahren waren sie 1960 als Wehrpflichtige in die Hemeraner Bundeswehrkaserne eingerückt als Rekruten des Fernmeldebataillons, Ausbildungskompanie 3/7: Günter Becker (Neheim), Hans Engemann (Gelsenkirchen), Bruno Fiesel (Hohenlimburg), Peter Fritsch (Bochum) und Wilhelm Harjes (Hagen), alle Jahrgang 1939, sind bei der Bundeswehr Freunde fürs Leben geworden; bei ihrem Treffen in der Urbecke fehlte Reiner Mestermann (Dortmund); ein Ka­me­rad, Paul Ritz aus Gevelsberg, ist bereits gestorben.

Der aus Iserlohn stammende Bruno Fiesel war schon da­mals Amateurfunker und ist heute bei den DARC-Funkern im „Park der Sinne“ der Landesgartenschau tätig; auch Wilhelm Harjes kennt die LGS und ist sehr beeindruckt.

Fiesels Kameraden hatten vor 50 Jahren ihre Probleme mit der Fernmeldetechnik beim Bund: Der Job sei nicht für ihn gewesen, sagte jetzt einer: „Ich habe nur Gras wachsen gehört.“ Die Ausbilder waren ehemalige Wehrmachtssoldaten, Fallschirmjäger, „Kretaspringer“, Kriegsteilnehmer. Die Rekruten wurden gefordert und gedrillt: Aber es war eine „schöne Zeit, eine andere Zeit als heute“. Nach drei Monaten wurden die sieben Freunde nach Unna versetzt, wo sie im Sommer 1961 ins Zivilleben verabschiedet wurden. Diese Reservisten trugen keine Panamahüte aus Stroh: „Wir waren kultiviert“, erklärt Peter Fritsch. Beim Entlassungsappell trug das Septett schwarze Anzüge, Chrysanthemen im Re­vers, Zylinderhüte, weiße Handschuhe. Der Kasernenkommandant, Major Pfingsten aus Iserlohn, bestellte ei­nen Fotografen und hängte sich das Bild später über seinen Schreibtisch an die Wand. Auch die alten Herren besitzen dieses Foto.

Die Vorgeschichte der Blücherkaserne als berüchtigtes Kriegsgefangenenlager Stalag VI A Hemer haben die sieben Freunde nicht gekannt. Erst in diesem Jahrtausend, die Kaserne war bereits geräumt, stand Hans Engemann mit seiner Frau bei einem Motorradausflug am zugesperrten Haupttor und wurde auf die Stalag-Gedenkstätte aufmerksam. Und jetzt sind alle neugierig auf die LGS - mit Stalag-VI-A-Gedenkstätte und Traditionsraum der Bundeswehr.

Paul Kramme

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