CDU: „Es ist ein schwieriger Tag für Hemer“

Die Findungskommission der CDU für die Esken-Nachfolge: Jörg Schulz, Holm Diekenbrock, Martin Gropengießer und Diana Naujocks
Die Findungskommission der CDU für die Esken-Nachfolge: Jörg Schulz, Holm Diekenbrock, Martin Gropengießer und Diana Naujocks
Foto: IKZ

Hemer..  Eigentlich hatten sich alle Parteien auf eine lange Wahlkampfpause gefreut. Sollte Michael Esken aber am 13. September in Verl zum Bürgermeister gekürt werden und im Oktober sein Amt antreten, dann werden die Hemeraner wohl im Frühjahr 2016 einen neuen Bürgermeister wählen müssen. Die Kandidatensuche hat schon begonnen: Die CDU hat eine Findungskommission gebildet.

Für alle Ratsfraktionen kam der wahrscheinliche Esken-Abschied am Mittwoch überraschend. Der CDU-Vorstand nahm am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz Stellung. Vorsitzender Martin Gropengießer griff das Nominierungszitat für die Bürgermeisterwahl vom November 2013 „Es ist ein guter Tag für Hemer“ auf und wandelte es in „Es ist ein schwieriger Tag für Hemer“ um. Bis zuletzt habe die CDU gehofft, Eskens Entscheidung falle anders aus. Jetzt respektiere man aber seinen Entschluss und habe großes Verständnis für die familiären Beweggründe.

Großes Kapitel in der Stadtgeschichte geschrieben

„Wir konnten mit Esken ein großes Kapitel der Stadtgeschichte schreiben und haben die Stadt maßgeblich vorangetrieben“, sagte Gropengießer und verwies auf die stets sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen CDU und Bürgermeister. Das Kapitel müsse nun bis zum Ausscheiden Eskens gemeinsam und konstruktiv zu Ende geschrieben werden. Über den Zeitpunkt des Rücktritts sei allerdings noch nicht gesprochen worden.

„Es hat uns überrascht, wir sind unvorbereitet und haben keinen Plan B in der Schublade“, so der CDU-Vorstand. Gleichwohl rüstet sich die CDU bereits für die nächste Bürgermeisterwahl. „Es ist nicht die Zeit für eine große Trauerarbeit“, sagte Gropengießer. So wurde am Mittwochabend eine sechsköpfige Findungskommission aus Mitgliedern der Partei und Fraktion gebildet, die einen Anforderungskatalog an den Nachfolger erstellen und die Kandidatensuche vorantreiben soll. Dabei sei die CDU zu Gesprächen mit allen Fraktionen bereit. Alles sei ergebnisoffen.

Auch der SPD-Fraktionschef Hans-Peter Klein ist nach eigenem Bekunden von den Plänen Michael Eskens völlig überrascht worden. Aber Zorn oder Wut haben sie nicht ausgelöst. Klein: „Ich wünsche Michael Esken persönlich, dass alles so klappt in Verl, wie er sich das vorstellt.“ Die Zusammenarbeit des CDU-Bürgermeisters mit der SPD sei schließlich in all den Jahren gut gewesen. „Wir waren nur zweimal wirklich völlig konträrer Meinung – bei der Schulstruktur und bei der Gründung der Stadtbetriebe Iserlohn-Hemer.“ Den aktuellen Streit über die Tribüne für das Grohe-Forum bezeichnet Klein dagegen als „bloße Marginalie“. Der SPD-Fraktionschef plädiert dafür, frühzeitig mit der Suche nach einem Nachfolger zu beginnen: „Als ersten Schritt würden wir gern mit den anderen Fraktionen Gespräche führen, ob man sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen kann.“

„Ich finde es gut für Hemer, dass er geht, weil das auch die dauerhafte Mehrheit der CDU vielleicht zerbrechlicher macht“, sagt Antje Bötcher von Larcher, Vorsitzende der Fraktion der Grünen Alternative. Michael Esken habe zwar viel für Hemer geleistet, aber nicht im Alleingang. Zuletzt habe der Bürgermeister zuviel mit seiner Macht gespielt. Eskens persönliche Entscheidung für seine Heimatstadt und Familie könne sie aber absolut verstehen, räumt Antje Bötcher von Larcher ein. Über die Nachfolge müsse man in Ruhe nachdenken und die Sache jetzt erst mal sacken lassen. Der neue Bürgermeister sollte nach Meinung von Antje Bötcher von Larcher ein Verwaltungsfachmann sein, redegewandt, charismatisch – und am besten eine Frau.

Gemeinsamer Kandidataller Fraktionen?

Den UWG-Fraktionsvorsitzenden Michael Heilmann hat es nach eigenem Bekunden nicht wirklich verwundert, dass Michael Esken aus Hemer weggehen will. „Ich hatte allerdings geglaubt, er werde eines Tages in eine deutlich größere Stadt wechseln. Dass es jetzt Verl sein soll, dass ist wirklich eine Überraschung“, so Heilmann. Er freue sich für Michael Esken auch wenn er ihn gern länger als Hemeraner Bürgermeister gesehen hätte. Mit seinen Fraktionsmitgliedern hat Michael Heilmann noch nicht gesprochen, das werde aber sicherlich im Rahmen der Haushaltsklausurtagung am kommenden Wochenende auch über dieses Thema der Fall sein. Er könne sich einen gemeinsamen Kandidaten aller Fraktionen vorstelle, der idealerweise nicht von auswärts, sondern aus Hemer kommt.

Arne Hermann Stopsack, Vorsitzender der FDP-Fraktion, bedauert zwar den Schritt Eskens, räumt aber ein, dass man ihn akzeptieren müsse. „Michael Esken hat viel für Hemer bewirkt, und sein Weggang wäre ein Verlust für Hemer. Was uns künftig sicher fehlen wird, sind seine hervorragende Vernetzung und seine landesweiten Kontakte.“ Bei der Suche nach einem Nachfolger hält auch Stopsack einen parteiübergreifenden Kandidaten für sinnvoll. Grundsätzlich sei dessen Qualifikation höher zu bewerten als das Parteibuch. Stopsack: „Man sollte deshalb auch eine Ausschreibung in Erwägung ziehen.“ Er hoffe, dass es bis zur Neuwahl, die voraussichtlich erst Anfang kommenden Jahres stattfinden werde, nicht zu einem Stillstand in Hemer komme. Was ihn nachdenklich stimme, so Stopsack, sei die Tatsache, dass aktuell keiner der Dezernenten der Stadt seinen Lebensmittelpunkt in Hemer habe.