Bücherei-Chefin zieht die Notbremse und geht

Katrin Gabriel ist seit 2009 Leiterin der Stadtbücherei Hemer und verlässt Hemer im September Richtung Dülmen.
Katrin Gabriel ist seit 2009 Leiterin der Stadtbücherei Hemer und verlässt Hemer im September Richtung Dülmen.
Foto: IKZ

Hemer..  „Ich mache meinen Beruf mit ganz viel Leidenschaft, aber das funktioniert in Hemer nicht mehr!“ Die Büchereileiterin Katrin Gabriel hat ihre Arbeitsstelle in Hemer gekündigt und beginnt Mitte September als Leiterin der Stadtbücherei Dülmen. Vor sechs Jahren hat die Bibliothekarin in Hemer begonnen, mit viel Elan und Tatendrang – „und mit einem tollen Team“, wie sie während des Gesprächs immer wieder betont.

Tolle Ergebnisse trotz der engen Personaldecke

Die Personaldecke war immer dünn, aber irgendwie hat es das Stadtbücherei-Team geschafft, trotz aller Einschränkungen und Sparmaßnahmen am Jahresende tolle Zahlen zu präsentieren. 4000 Leser haben im vergangenen Jahr rund 150 000 Bücher und andere Medien ausgeliehen. Sogar eine Auszubildende hat drei Jahre bei Katrin Gabriel gelernt. „Und die sitzt jetzt im Rathaus und schreibt Steuerbescheide, während wir hier mit 3,5 Stellen auskommen müssen“, sagt die 26-Jährige. Ihr fehlt der Rückhalt aus der Verwaltung. „Wir scheinen das Unwichtigste zu sein.“

Seit August vergangenen Jahres gibt es eine Dauerkranke, die seitens der Verwaltung nicht ersetzt werden kann. Zwischenzeitlich wurden die Öffnungszeiten der Bücherei reduziert, außerdem musste die Bücherei ein paar Tage geschlossen werden, weil einfach nicht genügend Personal für den Betrieb zur Verfügung stand.

Viele Leser machten in der Bücherei ihrem Ärger und ihrer Wut Luft. „Ich sitze ja hier in meinem Büro, aber meine Mitarbeiterinnen haben das alles abbekommen. Und sie können ja am wenigsten etwas für diese Misere. Niemand hat bei uns Dienst nach Vorschrift gemacht und auch keine Beamtenmentalität an den Tag gelegt“, so Katrin Gabriel, die sagt, dass sie immer versucht habe, ihre Mitarbeiter zu schützen.

Sie selbst sieht für sich in Hemer keinerlei Perspektiven mehr: „Es ist einfach keine Situation, in der man motivierte Menschen hält“, so die Bibliothekarin, die betont, sehr gerne in der Felsenmeerstadt gearbeitet zu haben. Aber nicht mehr unter diesen Umständen. „Ich möchte was tun, ich möchte was schaffen. Es geht so nicht mehr, wenn wirklich alles eingespart wird.“

Auch in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses war die Bücherei Thema. Die Politik kämpft zurzeit aber vergeblich für eine Verbesserung der Situation. Seitens der Verwaltung gab es keine Zeichen, dass sich in naher Zukunft etwas ändern kann. Zu eng ist der finanzielle Gürtel geschnallt. Katrin Gabriel hofft, dass es bald wieder besser Zeiten für die Stadtbücherei in Hemer gibt, aber sie freut sich jetzt auf ihre neue Aufgabe in Dülmen.