Bei Auszubildenden aus dem Vollen schöpfen

Keuco zum Anfassen: Nach dem Gespräch über Ausbildungsfragen führten Heinz-Werner Robbert sowie die beiden Auszubildenden Janis Pinkoß und Lukas Eggert die Besucherinnen Karin Käppel und Christel Voßbeck-Kayser durch das Technik-Forum. Ganz links die Vorsitzende des Jugend- und Ausbildungsvertretung Christina Welzel.
Keuco zum Anfassen: Nach dem Gespräch über Ausbildungsfragen führten Heinz-Werner Robbert sowie die beiden Auszubildenden Janis Pinkoß und Lukas Eggert die Besucherinnen Karin Käppel und Christel Voßbeck-Kayser durch das Technik-Forum. Ganz links die Vorsitzende des Jugend- und Ausbildungsvertretung Christina Welzel.
Foto: IKZ

Hemer..  Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt hat sich in den zurückliegenden Jahren um 180 Grad gedreht: Waren es seinerzeit viele Jugendliche, die vergeblich einen Ausbildungsplatz suchten, so sind es heute die Betriebe aus Industrie, Dienstleistung und Handwerk, die vielfach Mühe haben, junge Leute als Auszubildende zu gewinnen. Zu den Unternehmen, die solche Probleme allerdings kaum kennen, gehört die Firma Keuco, Badzimmerausstatter von Weltruf. Wie schafft es Keuco, den Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs zu decken? Eine Antwort auf diese Frage suchte Karin Käppel, Chefin der Agentur für Arbeit in Iserlohn, am Montag in einem Gespräch mit dem Keuco-Personalleiter Heinz-Werner Robbert. Mit am Tisch: Die CDU-Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser, die als Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales eng mit der Ausbildungsproblematik befasst ist.

Karin Käppel wartet eingangs mit aktuellen Zahlen auf: 438 Auszubildende werden in Iserlohn und Hemer derzeit gesucht, nur 352 Bewerbungen liegen der Agentur für Arbeit vor. Die gute Nachricht, die sich hinter diesem Missverhältnis verbirgt: Wer hier eine Lehrstelle sucht, hat beste Chancen auch eine zu finden, wenn auch nicht immer im jeweiligen Traumberuf. Favoriten sind bei den jungen Männer weiterhin der Maschinen- und Anlagenführer, der Industriemechaniker und der Industriekaufmann. Die meisten Frauen möchten Industriekauffrauen, medizinische Fachangestellte und Verkäuferin werden.

Die Firma Keuco beschäftigt derzeit 25 Auszubildende in 15 Berufen, berichtet Heinz-Werner Robbert. Bis zu 200 Bewerbungen landen alljährlich auf seinem Schreibtisch, Keuco hat als Marke auch da einen hohen Stellenwert. Dennoch finden sich auch bei Keuco für manche Ausbildungsgänge nur schwer Interessenten.

Beispielsweise will kaum jemand Oberflächenbeschichter werden. Dabei sei das ein anspruchsvoller und spannender Beruf, bestätigt auch Lukas Eggert den Besucherinnen. Er ist Auszubildender im zweiten Jahr, liebäugelte nach dem Abschluss der Realschule in Letmathe lange mit einer Lehre als Chemielaborant, erhielt auf entsprechende Bewerbungen keine Resonanz. Sein Vater riet ihm, es als Oberflächenbeschichter zu versuchen. Dass es dann mit einem Ausbildungsplatz bei Keuco klappte, haben beide Seiten nicht bereut. Selbst, dass die nächste Berufsschule für Oberflächenbeschichtung in Solingen liegt, ändert für Lukas daran nichts. Zweimal Blockunterricht von sechs bis acht Wochen nimmt er in Kauf. Auch dass er dort in dieser Zeit ins Schülerwohnheim einzieht, ist für ihn „ganz okay“.

Christel Voßbeck-Kayser sieht den zunehmenden Mangel an Auszubildenden nicht zuletzt im demografischen Wandel begründet. Spätestens, wenn in zehn Jahren die Babyboomer beginnen, in den Ruhestand zu wechseln, stehe der Arbeitsmarkt vor großen Herausforderungen. Auch schulisch schwächere Jugendliche würden dann für die betriebliche Ausbildung attraktiv. „Wir brauchen jeden!“, so Christel Voßbeck-Kayser. Auf die Frage der Abgeordneten, ob die Unternehmen deshalb ihre Anforderungen herunterschrauben müssten, reagiert Heinz-Werner Robbert skeptisch. „Wir brauchen nicht jeden, aber jeden Richtigen. Wir ziehen da das Niveau bestimmt nicht herunter.“ In allen Berufen sei hohe theoretische Kompetenz unerlässlich. Bei einem Weltmarkt-Unternehmen wie Keuco ist für die Industriekaufleute mindestens eine gut beherrschte Fremdsprache obligatorisch.

Die Firma knausert aber auch nicht mit dem Geld, das sie in die Mitarbeiter der nächsten Generation investiert. Keuco bezahlt zum Beispiel einen ehemaligen Berufsschullehrer dafür, dass er bei den Azubis Wissenslücken schließt. Und die angehenden Kaufleute lernen sechs Wochen lang den Außendienst kennen, drei Wochen davon im Ausland. So hat Janis Pinkoß kürzlich für drei Wochen in England für die britische Tochtergesellschaft von Keuco gearbeitet. Der Iserlohner hat nach dem Abitur eine Lehre als Industriekaufmann begonnen, parallel dazu absolviert er ein duales Studium als Wirtschaftsingenieur. Montags bis freitags Keuco, Samstags Hörsaal und Lernen nach Feierabend. Die drei Wochen England an verschiedenen Standorten hätten ihn weit nach vorne gebracht, sagt Janis Pinkoß. Nicht nur was die Sprachfertigkeit angeht.

Die kaufmännischen Berufe sind bei Keuco der Renner. Anders sieht es da schon aus, wenn es beispielsweise darum geht, einen Metallschleifer auszubilden. Heinz-Werner Robbert übt deutliche Kritik daran, dass es den Ausbildungsberuf des Metallschleifers nicht mehr gibt. Unter anderem mit den Teilezurichtern oder den Gerätezusammensetzern sind die Metallschleifer zur „Fachkraft für Metalltechnik“ vereinigt worden. In der Praxis bedeutet dieses laut Robbert, dass in der gesamten Ausbildungszeit nur ein paar Monate auf das Schleifen entfallen – viel zu wenig, um diese Fähigkeit zu erlernen. Und auf erstklassige Metallschleifer ist ein Produzent von Armaturen schlicht angewiesen. Wenn auch die Politik für diese Strukturen des Ausbildungswesen nicht zuständig sei, sondern mit Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften besetzte Gremien, versprach Christel Voßbeck-Kayser, die Kritik in Berlin weiterzugeben.