Beeindruckende Einblicke in die fremde Kulture

Juliane Stolle macht ein soziales Jahr in Argentinien
Juliane Stolle macht ein soziales Jahr in Argentinien
Foto: IKZ

Hemer/Argentinien..  Ein freiwilliges soziales Jahr, und dabei möglichst eine ganz andere Kultur kennen lernen: Das sollte es für die Hemeranerin Juliane Stolle nach dem Abitur sein. Vor einem halben Jahr war es dann nach zuvor sorgfältiger Recherche soweit: Die 19-Jährige machte sich auf den Weg nach Argentinien. Nun schreibt sie über ihr neues Leben auf Zeit in Südamerika:

„Nach einigen Recherchen im Internet bin ich auf die Organisation „IN VIA Köln“ gestoßen. Ich habe mich beworben, und nach einem Auswahlseminar wurde ich tatsächlich angenommen. Es folgten zwei Vorbereitungsseminare und nun liegt schon die Hälfte meines Auslandsaufenthaltes hinter mir.

Schnell eingelebt in der argentinischen Kultur

Ich habe mich inzwischen schon gut in die argentinische Kultur eingelebt und auch mein Castellano (Spanisch) hat gute Fortschritte gemacht. Zu Hause sprechen meine Mitfreiwilligen und ich schon gar kein Deutsch mehr, und so passiert es ab und zu auch mal, dass mir beim Skypen mit Freunden und Verwandten in Deutschland ein spanisches Wort herausrutscht.

Wie sehr wir uns schon zu Hause fühlen, erkennt man besonders an unseren oft und gern benutzten Formulierungen wie: No pasa nada – nicht schlimm und Ni idea – keine Ahnung. Diese Tranquilidad – Gelassenheit wollen wir auch auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen.

Meine Organisation in Argentinien heißt Tupambaé. Sie hat sich die christliche Nächstenliebe als Vorsatz genommen und ist in vielen verschiedenen Bereichen tätig, um das Leben der Menschen zu verbessern. Neben Freizeitangeboten für Kinder, Bildungsangeboten für Mütter, einer Kleiderkammer und einer Bibliothek sowie ärztliche Versorgung, gibt es auch eine großen Mittagstisch, bei dem für rund 250 Bedürftige gekocht wird.

Jenni und ich arbeiten in der Küche und verteilen danach das Essen, servieren Wasser und organisieren Becher und neues Besteck. Dieses Jahr kommt eine neue Herausforderung auf uns zu. Nach den langen Sommerferien werden wir nun nämlich mit unseren eigenen Kursen beginnen. Ich habe mich für einen Bastelkurs entschieden, bei dem ich einen besonderen Schwerpunkt auf Upcycling legen möchte – aus eigentlichem Müll möchte ich Spielzeuge herstellen. Außerdem werden Jenni und ich zusammen einen Englischkurs anbieten, bei dem wir den Kindern spielerisch Grundkenntnisse beibringen wollen. Ich bin schon sehr gespannt, wie das werden wird.

In Argentinien habe ich ganz neue Dimensionen von Armut kennen gelernt. Und auch, wie groß die Schere zwischen Arm und Reich ist. Dennoch ist mir aufgefallen, dass die Menschen, die ich kennen gelernt habe, mit viel weniger zufrieden sind und dass die Familie einen viel höheren Stellenwert hat, als das in Deutschland der Fall ist . Besonders in meiner argentinischen Gastfamilie ist mir das aufgefallen. Ich wurde mit so viel Herzlichkeit und Liebe aufgenommen, wie ich es in Deutschland nicht für möglich gehalten hätte. Schon jetzt habe ich viel für mich dazugelernt und bin gespannt auf die Zeit die kommen wird“.

Reger Kontakt zu den Lieben in Deutschland

Den Kontakt nach Deutschland zur Familie und Freunden hält Juliane natürlich. Die moderne Technik macht das heutzutage ohne Probleme möglich. Groß war die Freude, als ihr Freund Chris über Weihnachten und den Jahreswechsel in Argentinien war.

Im Januar setzten sich ihre Mutter Katharina und ihre Oma Therese in den Flieger, um Juliane zu besuchen. Unter anderem machten alle zusammen ein paar Tage Urlaub in Uruguay. Im argentinischen Buenos Aires war Juliane dann eine tolle Stadtführerin – sehr zur Begeisterung ihrer Mutter und ihrer Großmutter.

Wenn die junge Hemeranerin wieder in Deutschland ist, wird sie ein Studium beginnen. Soziologie oder Lehramt soll es sein. Durch ihr Engagement im Rahmen des freiwilligen sozialen Jahres hat Juliane durchs Leben gelernt und viele neue Erfahrungen gemacht.