Angeklagter Stiefvater schweigt zu Missbrauchsvorwürfen

Foto: Sergej Lepke

Hemer..  „Die Mama hatte Angst, dass mir das auch einmal passiert.“ Diese Worte richtete der Neunjährige während einer zurückliegenden Vernehmung an eine Richterin des Amtsgerichts Iserlohn. Die Mutter des Kindes war in ihrer Jugend sexuell missbraucht worden. Nun scheint ihr eigener Sohn ebenfalls Opfer eines solchen Verbrechens geworden zu sein. Der Stiefvater habe sich mehrfach an dem Kleinen vergangen. Seit Mitte Dezember muss sich der 36-jährige Metallverarbeiter deswegen vor dem Hagener Landgericht verantworten. Am Dienstag wurde die Verhandlung fortgesetzt, bei der auch die Iserlohner Richterin zu den Zeugen gehörte. Sie schilderte vor der Ersten Großen Strafkammer ihr Gespräch mit dem Neunjährigen.

Vor allem eine Vergewaltigung habe das Opfer detailliert beschrieben. Nachts sei der Stiefvater im Pyjama zu ihm ins Zimmer gekommen, habe ihn aus dem Bett geholt, auf einen Stuhl gelegt und missbraucht. Dabei habe er ihm mit seinen Händen den Mund zugehalten, damit er nicht schreien könne. Der gestern ebenfalls zu den Zeugen gehörende Eilrichter, damals als Erster mit dem Fall betraut, erklärte es seien an dem Jungen leichte Verletzungen festgestellt worden. Medizinisch sei aber nicht einwandfrei zu klären, ob die Verletzungen auf eine Vergewaltigung zurückzuführen seien. Zudem wurden von der Polizei im Bett des Jungen und in der Unterhose des Angeklagten Spermaspuren entdeckt.

Erschwerend kommt aber hinzu, dass der Stiefvater, der seit Juli in U-Haft sitzt, in einer Vernehmung zugegeben hat, sich kinderpornografische Videos angeschaut zu haben. „Es hat mich überrascht, dass er das so freimütig zugab“, so der Eilrichter. Zu dem sexuellen Missbrauch an seinem Stiefsohn äußerte sich der Angeklagte gestern nicht, in der Vergangenheit hatte er die Vorwürfe aber vehement bestritten.

Die Mutter des Kindes hatte im Frühjahr vergangenen Jahres Verdacht geschöpft und versucht, ihrem Lebensgefährten auf die Schliche zu kommen. Sie installierte Kameras im Zimmer ihres Sohnes und machte Tonaufnahmen, um ihren Partner in flagranti zu erwischen. Die Aufnahmen brachten jedoch nichts zu Tage. Im Juli eskalierte die Situation dann. In der gemeinsamen Wohnung kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung. Eine Polizistin aus Iserlohn schilderte gestern ihre Eindrücke von dem Tatort: „In der Wohnung lagen viele Glassplitter, auch ein Messer mit Blut“ Mit letzterem hatte die Mutter auf ihren Lebensgefährten eingestochen.

Am Dienstag,13.Januar, wird die Verhandlung vor dem Landgericht fortgesetzt. Eventuell spricht das Gericht dann auch das Urteil.