24-Stunden-Bücherei zunächst nur ein Traum

Reine Handarbeit: In der Stadtbücherei bindet die Buchaus- und rückgabe das Personal. Ein Selbstverbuchungsautomat bleibt aber zunächst nur ein Traum.
Reine Handarbeit: In der Stadtbücherei bindet die Buchaus- und rückgabe das Personal. Ein Selbstverbuchungsautomat bleibt aber zunächst nur ein Traum.
Foto: IKZ

Hemer..  Die elektronische Lesekarte öffnet in der Nacht die vollautomatische Tür zur Stadtbücherei, das Licht schaltet sich ein. In Ruhe kann in den Regalen gestöbert werden, um dann das ausgewählte Buch am Selbstverbuchungsautomaten einzuscannen, den Diebstahlalarm zu deaktivieren und mit neuer Lektüre die Bibliothek zu verlassen. Sieht so die Zukunft der Hemeraner Stadtbücherei aus? „24/7 Bibliothek“ nennt sich das Zukunftsprojekt, bei dem Hemers Stadtbücherei gerne eine Vorreiterrolle übernehmen würde, doch die Politik hat im Kulturausschuss erst einmal auf die Bremse getreten.

Selbstverbuchungsautomat ein erster Schritt

Der Name „24/7 Bibliothek“ steht für die Möglichkeit, die Bücherei rund um die Uhr nutzen zu können, ganz klassisch ohne Onleihe. Nur wenige Universitätsbibliotheken bieten diese maximalen Öffnungszeiten, andere Büchereien haben zumindest Rückgabeautomaten eingeführt. „Das Endergebnis wäre eine personalfreie Bücherei. Es bietet höchstmögliche Flexibilität“, sagte Kulturdezernent Guido Forsting im Ausschuss. Dass dieser technische Fortschritt nur in mehreren Schritten erfolgen kann, wurde schnell deutlich. Der erste Schritt wäre die Installation eines Selbstverbuchungsautomaten. Die Leser könnten dann ihre Bücher zum Entleih selber einscannen, das reduziert den Personalaufwand. Alle Medien müssten aber mit der Funkerkennung RFID versehen sein.

Zu den weiteren Schritten gehört ein Sicherungssystem, das außerhalb der mit Personal besetzten Öffnungszeiten den Zugang, das Licht, Alarmanlage und Selbstverbuchung steuert. Dadurch könnten die Öffnungszeiten, die derzeit mit 24,5 Stunden an der untersten Grenze liegen, auf 80 oder mehr Stunden in der Woche erweitert werden. Das Land fördert diese 24/7-Bibliothek über vier Jahre mit insgesamt 40 000 Euro, bei 10 000 Euro Eigenmitteln der Stadt. Diese Förderung hätte die Stadtbücherei gerne nutzen wollen, doch für den Kulturausschuss blieben zu viele Fragen offen.

Die Reduzierung des Personalaufwands durch die Selbstverbuchung konnten alle nachvollziehen, doch welche weiteren Kosten mit der Gebäudesicherung verbunden sind, blieb völlig offen. Für die alte Stadtvilla wurde lediglich auf „nicht unerhebliche bauliche Veränderungen“ hingewiesen. Auf ein Konzept für bauliche Veränderungen wartet der Ausschuss aber bereits seit November 2013. Damals war der Verbleib am jetzigen Standort als Bücherei für alle Generationen und die Prüfung von Investitionen beschlossen worden. Auch erste Mittel für einen Architekten stellte der Ausschuss bereit. „Die 24/7 Bibliothek muss ein Baustein des baulichen Konzepts sein“, sprach Hans-Jürgen Großmann (FDP) für den Ausschuss.

Ungebrochener Elanim Büchereiteam

Was die räumliche und personelle Ausstattung nicht bieten, gleicht das Büchereiteam mit ehrenamtlicher Unterstützung durch ungebrochenen Elan aus. „Die personelle Situation in Hemer ist katastrophal“, verwies Hans-Jürgen Großmann auf die seit 2003 bekannten Defizite und fehlende Krankheitsvertretungen. Trotz der nur viereinhalb Stellen konnte die Zahl der Entleihungen im vergangenen Jahr um 12,6 Prozent gesteigert werden, die zweithöchste Zahl in über 100 Jahren Büchereigeschichte.

Eine 50-prozentige Erhöhung der Entleihgebühren wollte die Politik daher auch nicht mittragen. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Gebührensituation zu überarbeiten (zurzeit 15 Euro). Familiennutzung, Lastschrift und die Gebühren der Nachbarstädte sollen dabei berücksichtigt werden.