Wie Bea Zeidler aus Hartz IV entkam

Bea Zeidlerhat die Job-Suche nie aufgegeben – und wurde dank eigener Initiative schließlich fündig.Foto:Uwe Möller
Bea Zeidlerhat die Job-Suche nie aufgegeben – und wurde dank eigener Initiative schließlich fündig.Foto:Uwe Möller
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Heiligenhauserin suchte lange Jahre nach einem Vollzeitjob. Jetzt läuft es wieder für die 52-Jährige – mit zwei Arbeitsstellen in Teilzeit.

Als es im Januar hieß, „Happy Birthday zum Zehnjährigen, Hartz IV!“, hat kaum jemand gratuliert. Zu leicht kann das, was die lange Arbeitslosigkeit mit sich bringt, einen unterkriegen

„Ich habe mich geschämt, weil ich keine Arbeit habe“, sagt etwa Bea Zeidler (52) aus Heiligenhaus. 2003 kam sie mit ihrer Tochter nach Heiligenhaus, ihren Job im Verkauf musste sie in Schwerte zurücklassen. Sie habe immer Arbeit gesucht, im Altersheim, im Hotel und anderswo, erzählt sie. Sie habe aber nichts in Vollzeit bekommen: „Ich habe immer Pech gehabt, weil ich nicht übernommen wurde.“

Doch im Januar, als Hartz IV „Geburtstag feierte“, war sie dann gleich zweifach in Lohn und Brot. Im September sah sie einen Aushang am Drogeriemarkt, ging Probe-arbeiten, und arbeitet inzwischen zwei Tage die Woche dort. Im Oktober fand sie durch Vermittlung von Christina Treutler, Integrationsfachkraft 50+ im Jobcenter, außerdem eine zweite Stelle bei einem Pflegedienst in Mettmann. Jetzt — mit den zwei Teilzeitjobs — läuft es wieder für Zeidler.

„Wir haben uns etwa ein Jahr lang getroffen, haben gesucht und intensiv über mögliche Stellen gesprochen“, sagt Christina Treutler über den Vermittlungs-Aufwand. Heute steht Bea Zeidler mit zwei anderen erfolgreich Vermittelten aus dem Kreis auf der Pressekonferenz des Jobcenters, um zu beglaubigen, dass es sie gibt – die „Wege aus der Langzeitarbeitslosigkeit“.

„Mut machen“ will sie mit ihrem öffentlichen Auftritt, und mit den anderen beiden und dem Jobcenter dem landläufigen Klischee vom faulen Arbeitslosen entgegen treten. Es wäre schön, wenn potenzielle Arbeitgeber öfter den Mut zeigen würden, Menschen mit unterbrochener Erwerbsbiografie auf dem Lebenslauf wenigstens die Chance zu einem Probe-Arbeitstag zu geben, sagt Bea Zeidler. Denn, so ergänzt Martina Würker vom Jobcenter: „Die meisten unserer Kunden wollen Arbeit und am Leben teilhaben.“

Der Aufwärtstrend in Zahlen: 56 Prozent der 26 300 Leistungsberechtigten in Mettmann sind langzeitarbeitslos, also länger als ein Jahr ununterbrochen ohne Arbeit, sagt Martina Würker, Geschäftsführerin des Jobcenters Me-aktiv.

Durchschnittlich können pro Jahr 6000 in Arbeit vermittelt werden. Von diesen 6000 sind ein Jahr nach der Vermittlung noch etwa 60 Prozent in Arbeit.

Momentan sieht es insgesamt gut aus auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Arbeitsagentur hat ihre Jahresprognose nach unten korrigiert, auf 2,8 Prozent Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt, 100 000 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist stark gestiegen, auch im Kreis: von Juni bis September 2014 allein um 3000 auf 177 000. Aktuellere Zahlen sind noch nicht ausgewertet.

Martina Würker bestätigt diesen Trend. „Wir haben hier einen leichten Beschäftigungs-Zuwachs, das entspricht dem Bild im Bund.“