Wenn Publikum und Musiker eins werden

Der Künstler sitzt am Klavier: Markus Lüpertz (Ex-Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie) gab mit der Band TTT ein Benefizkonzert in der Dorfkirche.Foto:Uwe Möller
Der Künstler sitzt am Klavier: Markus Lüpertz (Ex-Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie) gab mit der Band TTT ein Benefizkonzert in der Dorfkirche.Foto:Uwe Möller
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Was wir bereits wissen
Markus Lüpertz und seine Free Jazz-Band „TTT“ gaben in der Dorfkirche Isenbügel ein Konzert,das noch lange bei den Zuhörern nachhallte.

Heiligenhaus..  Saxophon, Klavier, Schlagzeug – eigentlich Instrumente von ganz unterschiedlichem Charakter. Ausgerechnet mit Freejazz haben TTT es erneut geschafft, ihre Zuhörer in Isenbügel zu verzaubern: Prof. Manfred Schoof und Ryan Carniaux aus New York an den Trompeten, Gerd Dudek am Saxophon, Samuel Dühsler aus der Schweiz als Schlagzeuger, Bassist Frank Wollny und – last, not least – Markus Lüpertz, „der Urheber der Talente“, am Klavier.

Zur Förderung junger Talente gaben die Musiker bereits zum dritten Mal ein Benefizkonzert in der Dorfkirche. Nach der Pause durften dann auch die lokalen jungen Talente mitspielen: Freestyle, wie sich das für den Abend gehörte. Christian Huffenbach, Alexander und Johannes Brzoska zeigten mit Bass, Klarinette und Violine, was sie konnten und bekamen ebenfalls schallenden Applaus.

Ein Musiker fängt an, die anderen steigen nach und nach ein. Anfangs ist das Ohr ein wenig überfordert, doch nach nur kurzer Zeit möchte es, dass dieser Wohlklang nie aufhört. Wenn man genau lauscht, kann man jedem einzelnen Instrument mit Genuss folgen. Das ist der Grund, warum TTT (Triple Trip Touch) keine Proben brauchen. „Konzerte sind das A und O“, weiß Bassist Wollny. „Außerdem sind die Gespräche vorher ganz wichtig. Wir unterhalten uns über Persönliches, nicht über Musik. Und dann fangen wir einfach an zu spielen.“

Spaß stand ins Gesicht geschrieben

Wenn die Künstler üben, entwickeln sie ein Vokabular. Entweder sie wenden dieses an oder sie nutzen kleine „Unfälle oder Fehler“, wie Dühsler sie nennt: Beispielsweise ist der Knopf seines Jacketts, der an den Drums ganz aus Versehen mit klingt, eine neue Inspiration.

Die Frage „Wie stimmen Sie sich ab?“ darf nicht gestellt werden, sondern eher „Worauf achten Sie?“ Wollnys Antwort: „Als Musiker hat man zwei Ohren und einen Bauch.“ Ausdruck und Tonart seien freundlicher Natur. „Wir wollen die Leute kriegen, ihre Herzen erobern.“

Damit waren TTT in jedem Fall erfolgreich, denn wie man dem Schlagzeuger Dühsler ansehen konnte, dass die Musik ihn erfüllte und er mit dem ganzen Körper seine Stöcke bewegte, so ging der Swing auch durch den Körper der Zuschauer: im Takt nickende Köpfe, wippende Füße, pochende Finger und Hände, die nicht still halten können. Dass es den Künstlern Spaß macht, ist ihnen ins Gesicht geschrieben: Lüpertz‘ Lachfalten waren sogar von der vierten Reihe aus zu sehen.

„Virtuoses Chaos“ zum Wohlfühlen

„Wir würden uns freuen, wenn solch ein Abend zur Tradition wird“, verkündete am Ende Erika Otten, Vorsitzende des Förderkreises Dorfkirche Isenbügel. Ein lautes „Ja!“ ruft Dr. Frank Steinert aus dem Publikum. Er ist schon seit 40 Jahren an Jazz interessiert, hauptsächlich als Sammler. „Ich bin von der Atmosphäre hier begeistert und ich würde mich freuen, wenn man damit an die Jugend herankommt.“ Nach der Show hat Ingrid Meyer ihre Meinung über die zuvor als „virtuoses Chaos“ bezeichnete Musik geändert: „Man hört sich rein, es war toll!“ – „Wir haben uns richtig wohl gefühlt“, berichtet auch Prof. Manfred Schoof. „Wenn Publikum und Künstler Eins werden, ist es das Schönste, was passieren kann, und das haben wir heute Abend erlebt.“