Wenn Bäume tief fliegen

Reihenweise landen zur Zeit Weihnachtsbäume am Straßenrand und warten geduldig darauf, abgeholt zu werden. Viele der einst glanzvollen Bäumchen haben im laufe der wurzellosen Weihnachtszeit Nadel um Nadel abgeworfen. Ohne Lametta und Kugeln ähneln sie nun eher den Wüstenläufern, die kilometerweit durch den Wilden Westen rollen. Aber nicht nur rein optisch ähneln sich die starren Gerippe verblüffend, sie haben auch dieselbe Fortbewegungsart.


Neulich auf dem Weg zum Einkaufen fuhr ich wie gewohnt durch unsere Straße, als sich plötzlich ein paar Weihnachtsbäumchen selbstständig machten. Durch starke Böen angetrieben, rollten die Tannen blitzschnell auf die Straße. Drüber fahren ging nicht, dafür war der Stamm zu dick und der Baum zu schade. Während ich versuchte, den einen Baum aus dem Weg zu räumen, kam auch schon das nächste nadelnde Weihnachtsüberbleibsel auf mich zugeflogen. Dieses Exemplar hatte es sogar geschafft sich in die Lüfte zu erheben, bevor ich es an einem dünnen Ast schließlich zu packen bekam. Mittlerweile flog ein ganzer Schwarm Bäume über die Straße.


Nach schier endloser Rennerei konnte ich endlich passieren. Fliegt die Schwalbe hoch, wird das Wetter schöner noch, fliegt die Schwalbe nieder, kommt grobes Wetter wieder – so prophezeit es eine alte Bauernregel. Wenn das auch für Weihnachtsbäume gilt, wird’s ungemütlich werden.