Wechsel in stürmischen Zeiten

Andrea Friedrichs leitet seit 1. März das Familienzentrum Löwenzahn in der Unterilp.
Andrea Friedrichs leitet seit 1. März das Familienzentrum Löwenzahn in der Unterilp.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Andrea Friedrichs ist neue Leiterin im Familienzentrum Löwenzahn. Mit der WAZ sprach die Heilpädagogin über ihre Pläne und die Streiksituation in den Kitas.

Heiligenhaus..  95 Mädchen und Jungen besuchen das Familienzentrum Löwenzahn. Da geht es manchmal wuselig und laut zu, manchmal aber auch ganz leise, wenn die Kids vor ihren Malbögen sitzen oder gerade spannende Geschichten vorgelesen bekommen. Andrea Friedrichs kennt alle ihre Namen, auch wenn sie erst seit einigen Wochen dabei ist. Sie hat am 1. März Gabriele Rodemers in der Funktion der Einrichtungsleiterin abgelöst.

Und gleich sind es stürmische Zeiten, in denen dieser Wechsel geschieht. Die Erzieherinnen und Erzieher des Landes streiken, selbst Eltern demonstrieren mittlerweile vor den Rathäusern. „Auch wir haben gestreikt“, sagt sie, „aber nur einen Tag.“ Die Eltern hätten sich damit gut arrangieren können, Unterbringungen in Notgruppen seien nicht nötig gewesen. Dass es angesichts der festgefahrenen Tarifverhandlungen durchaus auch in Heiligenhaus zu weiteren Streiks kommen kann, möchte die neue Kita-Leiterin nicht ausschließen: „Streiken ist schließlich ein Grundrecht.“

Das Team kennen lernen

Nach Heiligenhaus gefunden hat die 51-Jährige durch eine Stellenanzeige. Beim bisherigen Arbeitgeber, einem freien Träger einer Kindertagesstätte in Wuppertal, standen Umstrukturierungen an. Nach 13 Jahren dort als Leiterin beschloss die Erzieherin und Heilpädagogin, neue Wege zu gehen. Diese führten sie in die Unterilp. „Viel mehr als Unter- und Oberilp kenne ich von Heiligenhaus noch nicht“, gesteht sie lachend ein. „Aber mir ist es primär ganz wichtig, mir überhaupt vor Ort einen Überblick zu verschaffen und das Mitarbeiterteam näher kennen zu lernen.“ Immerhin 20 Erzieherinnen, Therapeuten und Heilpädagogen arbeiten in und für die fünf Gruppen. Den Kolleginnen und Kollegen in den anderen Heiligenhauser Einrichtungen ist Friedrichs schon auf der Stadtteilkonferenz und in Arbeitskreisen begegnet. Im Jugendhilfeausschuss wurde sie bei der jüngsten Sitzung den Politikern vorgestellt.

Die Wülfratherin mag Herausforderungen, findet, dass ab und zu ein bisschen Veränderung gut tut. Im Löwenzahn könnte sie sich gut ein teiloffenes Angebot vorstellen. „Die Kinder können jeden Tag selbst entscheiden, in welcher Gruppe und an welchem Angebot sie teilnehmen. Das fördert die Selbstständigkeit. Die Kleinen lernen von den Großen und umgekehrt.“ Ein Konzept, das sie in Wuppertal bereits zehn Jahre erfolgreich praktiziert habe. „Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, das ist eine langfristige Geschichte. Aber schon das gemeinsame Mittagessen ist ein Schritt in diese Richtung.“

Kinder mit Förderbedarf

ie Anmelderunde für das nächste Kindergartenjahr gehörte zu einer der ersten Aufgaben der neuen Löwenzahn-Leiterin Andrea Friedrichs. Für das Unterilper Familienzentrum stellt sie fest: „Die Mütter kommen schon sehr frühzeitig mit ihren Kindern. Teilweise informieren sich Schwangere schon jetzt über das Angebot.“ Angenommen werden Mädchen und Jungen ab zwei Jahren. Geschwisterkinder erfahren besondere Berücksichtigung.

Zehn Kinder im Familienzentrum haben einen besonderen Förderbedarf. Ihre Handicaps liegen im sozial-emotionalen Bereich, es sind aber auch Kinder mit Down-Syndrom darunter. „Rollifahrer haben wir noch nicht, könnten wir aber nach ein paar Umbaumaßnahmen auch aufnehmen“, sagt die Kita-Leiterin. Bei der Sprachförderung gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Kreis Mettmann, Sprachtherapeuten seien nach wie vor regelmäßig vor Ort, „auch wenn Delfin 4 ja ein Auslaufmodell ist.“