Was man kennt, davor hat man keine Angst

Michael Schindowski
Michael Schindowski
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Was wir bereits wissen
Die Kreispolizei setzt beim Thema Integration auf den Dialog.

Heiligenhaus / Mettmann..  Es war ein beeindruckendes Bild: 5000 Menschen gingen in Ratingen auf die Straße, um gegen die deutschlandweite Pegida-Bewegung ein Zeichen zu setzen. Bürger und Vertreter aller Religionen zeigten gemeinsam: Wir sind alle eine Gemeinschaft, wir wollen weiter in Frieden mit allen Religionen leben, oder einfach: Je suis Charlie. „Das war ein sehr beeindruckendes, schönes und beruhigendes Zeichen, dass man sich keine Angst machen lässt“, findet Michael Schindowski, Kontaktbeamter für muslimische Institutionen der Kreispolizei.

Die Welt ist verunsichert. Terroranschläge wie just in Paris auf die Zeitungsredaktion Charlie Hebdo und die furchtbaren Gräueltaten islamistischer Terrororganisationen wie IS oder Boko Haram treiben einige soweit, gleich eine ganze Religion zu fürchten und damit auch um die eigene Sicherheit hier in Deutschland. „In unserem Kreis gibt es nur eine abstrakte Gefahr des Anschlags, aber keine reale“, berichtet Kreispolizeidirektor Dieter Dersch. „Diese abstrakte Gefahr des Terrors ist gleich mit der abstrakten Gefahr eines Verkehrsunfalls. Wir sind ein sicherer Kreis, aber 100 prozentige Sicherheit, die gibt es einfach nicht.“

Denn die Kreispolizei setzt im Bereich der Islamismusprävention auf den Dialog, berichtet Polizeidirektor Dieter Dersch im WAZ-Gespräch: „Vor mindestens fünf Jahren habe ich gemeinsam mit Hayrettin Kahraman von der Ditib-Gemeinde im Kreis Mettmann den Dialog begonnen. Wir haben gemeinsame Veranstaltungen gehabt und sind seitdem im engen Kontakt.“ Und auch der Kontaktbeamte Michael Schindowski ist ständig im Gespräch mit muslimischen Institutionen: „Der Dialog ist die wichtigste Prävention. Wir sind im ständigen Austausch. Wir ermuntern: Hört euren Kindern zu, schaut, was sie machen, redet mit ihnen darüber.“ Nur in Einzelfällen kam es im gesamten Kreisgebiet zu Auffälligkeiten. „Es bleibt nicht aus, dass sich Jugendliche auch mal im Internet was angucken.“

Gut informiert ist auch immer der Heiligenhauser Bezirkspolizist Andreas Piorek: „Ich schnappe natürlich immer viel auf, bin auch im ständigen Kontakt. Hier habe ich aber noch nicht gehört, dass jemand islamistisch auffällig geworden sei“, berichtet Piorek. „Wenn das so wäre, würde das hier bei uns aber auch sicher schnell auffallen. Wir haben hier in Heiligenhaus ja immer noch den dörflichen, heimischen Charakter. Aus dieser familiären Atmosphäre heraus zieht man nicht so schnell in den sogenannten Heiligen Krieg.“

Auch die Kreispolizei hat keine Informationen dazu, dass sich schon jemand nach Syrien aufgemacht habe. „Wir im Kreis Mettmann leben schon lange mit anderen Religionen zusammen. Wir kennen uns. Und das ist auch der Grund, wieso sich hier die Mehrzahl gegen die Pegida-Bewegung stellt: Was man kennt, das ängstigt eben nicht“, sagt Michael Schindowski. Aus Polizeisicht gibt es also keinen Grund, Angst zu haben, so Schindowski: „Wir sind ein sehr dialogoffener Kreis. Diejenigen, die Terror machen, wollen Angst und Schrecken verbreiten. Doch wir setzen auf den Dialog.“