Vom Urpferdchen zur rassigen Schönheit

So ein Pferd ist doch kein Hund zum Durchknuddeln? Der argentinische Gaucho und sein „Criollo Argentino“ sehen das wohl anders.Foto:Yann Arthus-Bertrand
So ein Pferd ist doch kein Hund zum Durchknuddeln? Der argentinische Gaucho und sein „Criollo Argentino“ sehen das wohl anders.Foto:Yann Arthus-Bertrand
Was wir bereits wissen
Das Neanderthal Museum zeigt noch bis zum 21. Juni die Pferde-Porträts des Fotografen Yann Arthus-Bertrand, ergänzt um naturgeschichtliche Exponate.

Kreis Mettmann..  Seine erste große Fotostrecke, publiziert in vielen namhaften Zeitschriften, entstand noch in abenteuerlicher Feldforschung in ostafrikanischer Savanne: Damals holte die Kamera von Yann Arthus-Bertrand das Familienleben der Löwen ganz nah zum Betrachter. Während vieler weiterer Jahre schwebte der heute 68-jährige Franzose in Leichtflugzeugen über nahezu allen Ländern der Welt: „Die Erde von oben“ machte ihn weltberühmt – mit Freilicht-Ausstellungen von Göteborg bis Palermo.

Da sind mit aller Raffinesse ausgeleuchtete und fotografierte Nutztiere doch etwas ganz anderes – könnte man meinen? „Pferde“ lautet der Titel der prächtigen Foto-Sonderausstellung, die noch bis zum 21. Juni im Neanderthal Museum in Mettmann zu sehen ist.

In poetischen Bild-Kompositionen

15 Jahre lang hat Yann Arthus-Bertrand auf der ganzen Welt die Anmut, Eleganz und Vitalität von Pferden in einzigartigen poetischen Foto-Kompositionen eingefangen. Jedes Foto verbindet das Tier mit der Landschaft, der Kultur und den Menschen, mit denen die schönen Rösser leben. Von den afrikanischen Savannen über die sibirische Taiga bis in die Höhen des Himalaya: wo sich der Mensch angesiedelt hat, begleitete ihn das Pferd. In der Sonderausstellung sind die Anfänge in den eurasischen Steppen und die Vielfalt der heutigen Rassen, die der Mensch geschaffen hat, um seine Träume zu erfüllen, zu sehen.

Seit über 20 Jahren fotografiert Yann Arthus-Bertrand Tiere. Für seine Hommage an das Pferd hat er einen ungewöhnlichen Blickwinkel gewählt: Zum einen porträtiert er die Tiere als Persönlichkeiten, als eigenständige Charaktere. Zum anderen zeigt er sie zusammen mit den Menschen, die ihr Leben bestimmen, mit ihren Besitzern, Ausbildern, Pflegern, Reitern.

Denn Pferd und Mensch sind in einer wechselseitigen Beziehung miteinander verbunden. Über Jahrtausende hat der Mensch die Pferderassen nach seinen Bedürfnissen geformt: die ausdauernden Pferde der Steppenvölker, die muskulösen Arbeitstiere der gemäßigten Breiten, die edlen Vollblüter. Die Entwicklung der Pferderassen ist auch ein Stück Kulturgeschichte.

Die Ausstellung im Neanderthal Museum wird – wie es sich um ein Museum zur Vor- und Frühgeschichte wohl gehört – ergänzt um natur- und kulturgeschichtliche Exponate. 47 Millionen Jahre alte Urpferdchen als Versteinerungen aus der Grube Messel, 300 000 Jahre alte Speere des Homo heidelbergensis aus dem niedersächsischen Schöningen, geheimnisvolle Höhlenmalereien aus Südfrankreich und frühe Nachweise für die Zähmung des Pferdes an über 3000 Jahre alten Knochen.

Yann Arthus-Bertrand, international gefeierter Fotograf und Filmemacher, hatte schon immer eine große Leidenschaft für Natur und Tiere. Als Umwelt-Journalist arbeitete er für international angesehene Magazine. Er wurde zum „Fotografen der Lüfte“ und schuf mit dem von der Unesco geförderten Projekt „Die Erde von oben“, einer fotografischen und filmischen Inventur der Welt, einige der erfolgreichsten Bildbände aller Zeiten. 2009 erschien sein bisher größer Kinofilm „Home“ (gemeint ist der Planet Erde als „Heimat“ aller irdischen Lebewesen), der weltweit erstmals komplett aus der Luft gedrehte Dokumentarfilm als Hommage an den blauen Planeten.