Kommentar

Vom Mäzen zur Kirchenmaus

Früher war Kirche selbst der große Mäzen für Kunst und Künstler: Kaum ein Musiker, der nicht eine Messe oder zumindest ein geistliches Lied komponierte. Kaum ein Maler oder Bildhauer, den nicht Aufträge für die Kirche im Zweifel besser über Wasser hielten als die Bauwut seines Landesherrn.


Heute hat sich das Bild gewendet: Pfarrer Horst-Ulrich Müller ist froh, dass die evangelische Gemeinde in Heiligenhaus heute Mäzene in der Unternehmerschaft hat, die im Stillen bis zu fünfstellige Beträge geben. Und selbst die Kunst ist inzwischen Mäzen des Gemeindelebens – siehe Dorfkirche.
Für die Protestanten in Heiligenhaus sind’s glückliche Konstellationen. Noch, muss man sagen. Eine auf längere Sicht verlässliche Basis ist’s leider nicht.


Wenn die Gemeinde sich als sprichwörtliche „arme Kirchenmaus“ kleiner setzen muss (noch nicht im nächsten oder übernächsten Jahr, aber mit großer Gewissheit) dann trifft das nicht nur die Protestanten, sondern die ganze Stadt: von konfessionslosen Eltern der Kita-Kinder bis zum Besuchsdienst im Klinikum. Wenn alle von Kirche profitieren – sollten nicht alle Kirchensteuer zahlen? Fürs Fernsehen wird ja auch unterschiedslos kassiert.

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