Vögelzählen als Familien-Aktion

Gespannte Blicke in den Garten: Fabian May , Julia und Lina Brünig zählen die Wintervögel.
Gespannte Blicke in den Garten: Fabian May , Julia und Lina Brünig zählen die Wintervögel.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Nabu rief wieder zur „Stunde der Wintervögel“ auf. Die WAZ hat mitgezählt. Hauptbeobachtung: „Hier können wir nicht landen - das ist Amselgebiet.“

Heiligenhaus..  10.47 Uhr: Die Beobachtungsposten sind verteilt, ich am Fenster beim Esstisch, am Fenster beim Sofa meine Freundin Lina und ihre Schwester Julia. Die beiden beobachten nicht nur, wenn der Nabu zur Vogelzählung aufruft, denn eigentlich gehört Birdwatching zu ihren Hobbys. Für alle Fälle liegt das Vogelbestimmungsbuch zwischen uns. Doch es wird sich herausstellen, dass mit diesen beiden der Fall gar nicht eintritt.

Draußen herrscht nieseliges Wetter bei um die fünf Grad. Drinnen herrscht Ungeduld. Das Futter ist gestreut, auf den Gartenweg unterhalb der Terrasse und ins Vogelhäuschen. Auch das beliebte Spatzenbad, eine freiwillige Leistung der Familie, steht am gewohnten Platz. Doch zunächst passiert nichts. „Das muss sich erst mal rumsprechen“, sagt die hinzugekommene Mutter.

Zählt auch die Rabenkrähe?

10.52 Uhr: ein Rotkehlchen unterm Flieder. Dann: „Da fliegt ne Rabenkrähe vorbei.“ – „Das zählt nicht, oder?“ Wird jedenfalls eingetragen.

Dann landen eine, zwei, drei Amseln und machen sich übers Futter her. Bis 11.10 Uhr ist der Garten Amselgebiet. Andere Vögel lassen sich nicht blicken. „Das gibt’s doch nicht, hier sitzen manchmal vier Tauben“, kommentieren die beiden Schwestern, und: „Die Vögel haben die Ankündigung auch gelesen.“ Man denkt schon über Selbstjustiz nach: „Die Buntspechte melde ich aber auch.“

Um 11.12 Uhr dann wieder das Rotkehlchen. Hatten wir schon. Die Krähe fliegt wieder vorbei. Es wird über die TV-Serie „Hannibal“ geplaudert, im Radio läuft „Ich weiß, was ich will“ von Udo Jürgens. Die Mutter des Hauses kommentiert: „Ich hab ja mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass die Bühne so leer bleibt.“ Immer wieder: „Ne Amsel. Voll langweilig …“ Wir kombinieren, dass wir bislang zwar nie fünf Amseln, aber doch drei Männchen und zwei Weibchen gesehen haben.

Ex-Zugvögel gehen nicht mehr auf Reisen

11.31 Uhr: Die Moral knickt ein. Ich notiere laut, dass die Moral einknickt, und alle bleiben auf ihrem Posten. Zehn Minuten später: „Da hinten ist ne Elster!“ Kurz darauf ist im Garten nur noch der Wind. Der Grund: Ein unidentifizierter Raubvogel gleitet im Gegenwind aufmerksam über derselben Stelle.

11.52 Uhr: Die Stunde ist um. Ich würde jetzt einen Haussperling, ein Rotkehlchen, eine Elster, eine Rabenkrähe und fünf Amseln melden, wenn nicht die Nabu-Hotline besetzt wäre. Sekunden später: „Das gibt’s doch nicht, da sind zwei Buchfinken.“ – „Da ist eine Kohlmeise und eine Blaumeise!“ – „Die spinnen doch!“ 11.54 Uhr: fünf Spatzen! Die Stunde wird jetzt umdeklariert: „Jetzt haben die sich eingegroovt.“

Doch dann ist plötzlich Ausgangssperre: Die weiße Katze aus der Nachbarschaft beendet die Zählung durch ihre Patrouille.

„Das war nicht repräsentativ für das, was wir sonst im Garten beobachten“, hatte die vögelzählenden Schwestern kurz vor dem Ansturm aufs Häuschen noch kommentiert: „keine Dompfaffen, Buntspechte, Wintergoldhähnchen, Buchfinken“. Doch auf den letzten Metern haben sich die Vögel doch noch auf diesen Garten eingelassen.

Jetzt nur noch melden. Doch die Hotline ist weiterhin besetzt. Um 12.13 Uhr ist sie frei. Wir haben aber inzwischen schon über www.nabu.de unsere Zählergebnisse gemeldet.