Viele neue Gesichter auf der Heiligenhauser Vereinsmeile

Stets umlagert: die Stadtfestbühne auf dem Rathausplatz. Am Samstag lockte die trödelmeile auf die Hauptstraße, am Sonntag präsentierten sich die verschiedenen Vereine und Institutionen.
Stets umlagert: die Stadtfestbühne auf dem Rathausplatz. Am Samstag lockte die trödelmeile auf die Hauptstraße, am Sonntag präsentierten sich die verschiedenen Vereine und Institutionen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Zum Abschluss lockte das Stadtfest noch einmal viele Besucher in die „neue Mitte“. Das Kunstquadrat nutzte die Chance, das alte Pastorat noch einmal zu beleben.

Heiligenhaus..  Ein satter Hip Hop Beat wummert aus der riesigen Lautsprecheranlage an der Stadtfestbühne. Zum tiefen Bass schwingen die Mädels der Tanzschule Heigl ihre Hüften und verwandeln dern Rathausplatz in eine riesige Party. Die gute Laune scheint ansteckend zu sein. Auf der ganzen Hauptstraße steppt der Bär. Der Sonntag gehört traditionsgemäß den Heiligenhauser Vereinen und die haben sich einiges einfallen lassen, um die Besucher auf Trab zu bringen.

Gleich am Anfang der bunten Meile sind eine ruhige Hand und ein gutes Auge gefragt. Die CDU hat die Hauptstraße kurzer Hand zum Mini-Golfplatz umfunktioniert. Den Ball durch den Looping oder die Spirale ins Loch zu manövrieren, ist gar nicht so einfach. Umso größer ist der Jubel bei den kleinen Stadtfestbesuchern, wenn das genoppte Rund doch ins Ziel kullert.

Magisch angezogen werden die Jüngsten auch von der eigenwilligen Kreation der Sportkegler. Sie brachten gleich ein Stück Kegelbahn mit zum Stadtfest. „Die letzten Jahre waren wir an diesem Wochenende immer auf den Deutschen Jugendmeisterschaften. Leider sind wir am Samstag ausgeschieden, aber dafür können wir beim Stadtfest sein“, freut sich Sportkegler Bernhard Grote mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Mit der galgenartigen Vorrichtung können auch Kegelneulinge abräumen. Die Kugel schwingt dabei an einem Seil in Richtung „Alle Neune“ und haut die Kegel mit voller Wucht um. Trotz guter Stimmung am Stand der Sportkegler, etwas stört Bernhard Grote ganz gehörig – allein steht er mit dieser Meinung nicht da: „Es muss nicht sein, dass der Supermarkt mit Dumping-Preisen den Vereinen den Umsatz wegnimmt. Das Geld, was wir einnehmen, ist für die Jugendarbeit. Wenn die Stadt schon das Ehrenamt fördern möchte, dann nicht so“, ärgert sich Grote. Bei 30 Cent pro Softdrink bliebe nichts mehr übrig.

Begleitende Kunst

Der Stand der Sportkegler liegt in direkter Nachbarschaft zum alten Pastorat. Vor diesem steht Künstler Armin Schmidt und malt sich Stein für Stein in Richtung Fahrbahnmitte vor. „Ich habe mir neun Symbole der menschlichen Bedürfnisse, wie Essen oder Kleidung, ausgedacht. Da sie mit Lehmschlicke gemalt werden, nimmt jeder der darüber läuft, etwas unter seinen Schuhen auf dem Weg mit“, so Schmidt.

Spuren dieser Lehmfarbe landen auch vor dem Stand der Interessengemeinschaft Heiligenhauser Bürgervereine (IHB). Der Zusammenschluss der mitgliederstärksten Vereine präsentiert sich zum ersten Mal so öffentlich. „Wir vertreten die Bedürfnisse der Menschen stadtteilübergreifend“, erklärt IHB-Sprecher Helmut Stypa. Das Stadtfest wollen sie nutzen, um bekannter zu werden: „Gemeinsam wollen wir parteiunabhängig Stärke zeigen. Und Gemeinsamkeit ist genau das, was das Stadtfest ausmacht.

Zwischen Kitsch und Kunst

Wir kämpfen ein bisschen gegen die Baubarrieren an und wollen zeigen, dass es hier trotzdem gemütlich und schön sein kann“, erklärt Ellen Niehaus, Gemeindereferentin der kath. Pfarrgemeinde St. Suitbertus. Zusammen mit vielen fleißigen Helfern hat sie den „langen Tisch“ vor der Suitbertus-Kirche wieder aufleben lassen. Premiere feierte er im Kulturhauptstadtjahr 2010. Serviert werden in diesem Jahr biblische Speisen wie Datteln mit Salzmandeln und eine Suppe nach biblischem Vorbild.

Tisch an Tisch reihte es sich auch am Samstag die Hauptstraße entlang. Beim traditionellen Trödel konnten Schnäppchenjäger bis weit in die Oberstadt hinein stöbern. Zischen Kitsch und Kunst war alles dabei, was das Sammlerherz höher schlagen lässt.

Alte Bekannte bei „Hey Joe“

„Volker Sauer und ich sind vor hundert. . . ach was tausend Jahren zusammen zur Schule gegangen. Seitdem sind wir uns immer wieder begegnet“, scherzt Gitarrist Joe Brozio. Und obwohl sich die beiden Heiligenhauser die Leidenschaft zur Musik teilten, zusammen gespielt haben sie nie. Bis jetzt! Ganz spontan spielten „Hey Joe“ beim vergangenen Weihnachtsmarkt ein paar Songs zusammen auf der freien Bühne und merkten schnell: „Die Musik von früher steckt uns noch in den Knochen.“

Ihre musikalischen Wurzeln liegen in den 1960er Jahren. Weltgrößen wie Erik Clapton, Jimi Hendrix und die Beatles haben ihre Spuren in den Gehörgängen hinterlassen. Selbst Nachwuchsmusiker Florian Sauer (Schlagzeug) wurde von Hause aus mit dem Sound einer ganzen Ära „verdorben“. Jedoch entwickelten sich die Akteure musikalisch in andere Richtungen. Volker Sauer (Gesang und Saxofon), Gerald Schmiechen (Bass) und Andreas „Ironhead“ Eisenkopf (Keyboard) wurden mit der Celtic-Rockband Claymore über die Heiligenhauser Stadtgrenzen bekannt. Berufsmusiker Joe Brozio wuchs mit „Blues bis zum abwinken“ auf und Florian Sauer spielte in einer Metall-Band.

Dem Grundelement Rock blieben sie treu. „Die Musik war damals einfach ehrlich. Jetzt können wir die Musik mit Lebenserfahrungen und Erinnerungen füllen“, beschreibt Brozio das Ergebnis jahrzehntelanger Bühnenerfahrung. Die Musik bietet für jeden von ihnen genug Freiraum zur Improvisation. „Das ist der schönste Moment auf der Bühne. Wenn man eine ungeplante Passage eröffnet und alle einsteigen“, so Volker Sauer. Nicht nur für die Musiker, sondern auch für das Hörerlebnis am Sonntagnachmittag im Publikum.