Viel Technik im Heiligenhauser Hallenbad

Dominic Gestendorf ist Herr der Freibadtechnik. Hier zu sehen sind die Wasserpumpen, im Hintergrund das Herzstück: Der Filter.
Dominic Gestendorf ist Herr der Freibadtechnik. Hier zu sehen sind die Wasserpumpen, im Hintergrund das Herzstück: Der Filter.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Sauberes, warmes Wasser, angenehme Temperaturen überall: Damit im Heljens Bad alles vernünftig läuft, hat Badmitarbeiter Dominic Gerstendorf jede Menge Technik im Schwimmbadkeller.

Das Wasser ist klar und warm, die Becken laden sofort zum Reinspringen ein. Wenn man das Heljens Bad als normaler Schwimmer besucht, sieht man aber nur das Endergebnis eines langen Prozesses, der viele technische und chemische Arbeitsschritte beinhaltet.

Einwandfrei sei die Wasserqualität des Heljens Bads, erklärt Badmitarbeiter Dominic Gerstendorf stolz: „Aber dahinter steckt eben eine ganze Menge Arbeit. Alles wird kontrolliert, sowohl von Hand als auch natürlich maschinell.“

Im kompletten Keller des Bades ist ein Arsenal an Gerätschaften zu finden, Rohre, große Wasserfilter, eine Belüftungsanlage, viele Pumpen und technische Regler. Kontrolliert wird hier alles: Das Schwimmwasser, das Duschwasser, die Luft im Schwimmbad, in der Sauna, dem Vorraum und dem Bad. „Jeder Bereich braucht eine andere Temperatur“, erklärt Gerstendorf, denn im Umkleideraum müsse es natürlich wärmer sein als in der Eingangshalle.

Auf geht es also zum Herzstück eines jeden Schwimmbades: Die Filter. Pumpen nehmen das Wasser aus einem Rückhaltebecken, welches dann durch den Filter, der aus Sand , Kies und Aktivkohle besteht, gereinigt wird. „Das Wasser wird hier durchgedrückt, die Schadstoffe bleiben hier unter Zuhilfenahme von Flockungsmittel ganz natürlich hängen“, erklärt Gerstendorf.

Nach dem Filtrieren wird dem Wasser noch Chlor beigemischt, allerdings in einer sehr geringen Konzentration (0,3 bis 0,6 milligramm pro Liter). „Der pH-Wert liegt bei uns zwischen 6,5 und 7,2“, berichtet Gerstendorf. Salzsäure wird zur Absenkung des pH-Wertes genutzt, also ist für die Hautverträglichkeit des Wassers.

Chlor ist aber die elementarste Chemikalie in jedem Schwimmbad, da sie für die Abtötung von Keimen sowie die generelle Hygiene verantwortlich ist. Allerdings ist bei der Einbringung von Chlorgas in das Wassersystem hohe Vorsicht geboten, da austretendes Chlorgas in zwei bis drei Atemzügen zum Tod führen kann, erklärt Gerstendorf. Im Heljens Bad ist das Chlorgas jedoch vorschriftsmäßig in einem separaten Raum.

Kontrolliert werden Chlorgehalt, pH-Wert und Temperatur von einer Mess- und Regeltechnik. Die Desinfektionsanlage ist ein eigenes Modul, welches alleine für die Desinfektion aller Bereiche im Schwimmbad verantwortlich ist. Flockungsmittel stehen den Badmitarbeitern neben Chlor und Salzsäure noch zur Verfügung, um die hohe Wasserqualität zu erreichen. „Chemikalien müssen sein, aber in einer so geringen Konzentration, das ist kein Vergleich zu manchen Hotelpools in Urlaubsländern“, beruhigt Gerstendorf. Mit offenen Augen könne man durch die Becken tauchen und es sei auch überhaupt nicht gesundheitsschädlich, wenn man denn mal aus Versehen ein Schluck des Badwassers nimmt. „Aber jeder Mensch, der ins Wasser geht, verliert nun mal Körperflüssigkeiten und Keime, deswegen sind die Chemikalien nötig.“

Eigene Energiegewinnung

Um diese Sauberkeit über den ganzen Tag zu halten werden beide Becken in vier Stunden komplett umgewälzt, was einem hohen hygienischen Standard entspricht, dessen Einhaltung jeden Monat von einem Hygieneinstitut überprüft wird. Außerdem erfolgt zwei Mal in der Woche eine Filterrückspülung, um die Arbeit des Filters zu überprüfen. Bei der Filterrückspülung ist ein Schauglas in das Wasserrohr eingebaut, um die Filterleistung zu sehen. „Es ist dann Anfangs ganz schwarz“, berichtet Gerstendorf. Das Verfahren der Rückspülung erfolgt immer über den gleichen Zeitraum, um die Ergebnisse vergleichbar zu machen.

30 Liter werden pro Tag pro Gast täglich ausgetauscht. „Man sieht ja, dass das Wasser am Rand abfließt, wenn man ins Wasser steigt, wenn jemand ins Wasser springt und so weiter. Das geht nicht verloren, sondern geht wieder in den Wasserkreislauf mit rein“, berichtet Dominik Gerstendorf. Hinzu kommen dafür immer wieder Haarbänder, die im Wasser verloren werden, welche ab er schon vor den Umwälzpumpen durch Haar- und Fasernfängern gefiltert werden, um eine Beschädigung der Pumpen zu vermeiden.

Für das Duschwasser gibt es zudem noch eine Enthärtungsanlage. Wasser wird durch den Ionentauscher geleitet, der mit Harzkügelchen gefüllt ist. Durch die Spülung mit einer Kochsalzlösung kann der Ionentauscher regenenieren.

Im Bereich der Energiegewinnung greift das Bad auf zwei gasbetriebene Blockheizkraftwerke zurück, die durchgehend laufen und genug Energie für das ganze Schwimmbad produzieren. „Wir können sogar Strom ins System einspeisen“, berichtet Dominic Gerstendorf. Außerdem gibt es noch zwei zusätzliche Brenner.

Wer also nun weiß, wie ein Bad technisch überhaupt funktioniert und wieviel Arbeit in der Unterhaltung steckt, kann vielleicht nun besser erahnen, wieso der Eintrittspreis unterm Strich gar nicht so teuer ist.