Urteil für den Heiligenhauser lautet 11 Jahre Haft

Der Tatort, an dem N. seine 27-jährige Ehefrau tötete.Foto:Heinz-Werner Rieck
Der Tatort, an dem N. seine 27-jährige Ehefrau tötete.Foto:Heinz-Werner Rieck
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Was wir bereits wissen
Richter halten Heiligenhauser N. für voll schuldfähig. Auch finden sie Teile des Geständnisses zweifelhaft. Verteidiger hat Revision angekündigt.

Wuppertal / Heiligenhaus..  Die Kammer fasse sich nach Möglichkeit kurz, entschuldigte sich der Vorsitzende Richter, nachdem er den seitenlangen Antrag des Strafverteidigers mit Verlesen einer seitenlangen Begründung zurückwies. Doch bei all den widersprüchlichen Aussagen und spät aufgetauchten Hinweisen muss man festhalten: In diesem Prozess war es von Anfang an nicht möglich, irgendetwas kurz zu fassen.

Gestern sprach die Große Strafkammer am Landgericht Wuppertal das Urteil im Heiligenhauser Totschlag-Prozess. Nach Einschätzung der drei Berufsrichter und zwei Schöffen ist der Altenpflegerhelfer N. (31, Name geändert) schuldig, seine Noch-Ehefrau am 7. März 2014 bei einem Streit in der ehemals gemeinsamen Wohnung in der Harzstraße erstochen zu haben.

Dass N. eingeschränkt schuldfähig gewesen wäre oder sich in einem Affektsturm zur Tat habe hinreißen lassen, ließ das Gericht nicht gelten. Auch glaubte es nicht, dass N. von seiner Frau körperlich angegangen oder mit sexuellen Details aus ihrer neuen Beziehung gedemütigt worden wäre.

Die Kammer folgt damit „voll und ganz“ dem Psychiater, „der uns als ein überragender Gutachter bekannt ist“, der aber von der Verteidigung in Zweifel gezogen wurde. Ebenso folgte es der Forderung des Staatsanwalts.

Der hatte elf Jahre Haft für N. beantragt. Mildernd wertete er, dass K. geständig gewesen und frei von Vorstrafen sei, dass man den allseits als hilfsbereit, liebevoll und pflichtbewusst bekannten Mann als „wertvolles Mitglied unserer Gemeinschaft“ bezeichnen könne und dass die Familie seine Entscheidung „negativ beeinflusst“ habe. Strafverschärfend, merkte der Staatsanwalt an, sei das „Abschlachten im wahrsten Sinne des Wortes“. Dass N. seine Frau mit mindestens 29 Messerstichen getötet hat, sei als „absoluter Vernichtungswille“ zu werten.

Der Gutachter hatte diesen Gewaltexzess zuvor als „Demonstration eigener Stärke“ interpretiert.

N.s Verteidiger dagegen hatte auf Freispruch plädiert, da N. „mangels ausreichender Begutachtung nicht verurteilt werden“ könne. Im Wissen, dass das Gericht bislang alle Anfechtungen des Gutachtens abgelehnt hatte, hatte der Verteidiger alternativ gefordert, weil N. schuldlos von seiner Frau provoziert worden sei, möge der anschließende Totschlag als minder schwerer Fall bestraft werden.

Bemerkenswert an dem Fall sei, das war dem Staatsanwalt wichtig zu betonen, „dass Angehörige so unverhohlen unredlichen Einfluss“ auf den Prozessverlauf zu nehmen versucht hätten. Verschiedentlich war der Verdacht aufgekommen, Zeugenaussagen wären beeinflusst oder abgesprochen.

Das Strafmaß: elf Jahre Haft. Fast ein Jahr hat er schon in U-Haft abgesessen. Ferner muss er die Kosten des Verfahrens und die Auslagen der Nebenkläger (Bruder und Vater der Getöteten) tragen.

Die Gelegenheit, das letzte Wort zu haben, nutzte N., als wären es in der Tat seine allerletzten Worte. Unter Tränen bat er seine Familie und die des Opfers um Vergebung und schwor: „Sollte ich je aus dem Gefängnis kommen, werde ich meine Kinder besuchen und das Grab meiner Frau und sagen: Es tut mir leid, was ich gemacht habe.“

Ob N. überhaupt ins Gefängnis geht, ist indes unklar. Sein Anwalt hat bereits angekündigt, in Revision zu gehen.