Unter Brücken, im Konzertsaal

Nein, auf einem handelsüblichen Stadtfest wird man die Sängerin Helene Clark wohl kaum erleben – obwohl etwas Sonnenschein ihrem blassen Teint sicher gut täte. Aber so mondäne Chansons wie „La vie en rose“ oder „Je ne quitte pas“, gesungen mit niedlichem englischen Akzent, passen besser in eine „Club“-Umgebung.


Die zarte Person mit der unwahrscheinlichsten Stimme, die man sich für eine hübsche Frau vorstellen kann – als wäre der alte Grummler und Knarzer Tom Waits in sie gefahren – erschien auf der Bühne in schlabberiger Leinenhose und derbem Hemd: „Tomboy“ sagen Briten; Amerikaner würden an Huckleberry Finn denken.


Eine originelle Masche? Helene Clark versicherte zwischen kunstvoll geknurrten Liedern: Nein, wirklich, sie musste eine Zeit lang auf der Straße leben, schlief mit ihrer Gitarre unter den Brücken von Themse und Seine. Und sie strahlte wie ein kleines Kind, als das gut situierte Konzertpublikum von ihr auch noch eine zweite Zugabe forderte – für die sie gar kein Lied mehr im Repertoire hatte. Straßenmusiker sehe ich jetzt jedenfalls mit ganz anderen Augen.