Das aktuelle Wetter Heiligenhaus 7°C
Wirtschaft

Traditionsfirma verlässt Stadt

29.07.2012 | 17:59 Uhr
Traditionsfirma verlässt Stadt
Will sein Unternehmen weiterentwickeln, aber bedauert den Wegzug: Gesellschafter-Geschäftsführer Matthias Kohl.

Heiligenhaus.   Beyer & Müller fand im Stadtgebiet kein passendes Grundstück für Neubau – Wahl fiel auf Gewerbegebiet „Am Lindenkamp“ in Velbert .

Das Traditionsunternehmen Beyer & Müller verlässt nach 125 Jahren die Stadt. Seit 1887 produziert das mittelständische Unternehmen in Heiligenhaus Schlösser und Beschläge. Damit ist ab 2013 nun Schluss – die Firma zieht in die Nachbarstadt Velbert.

Beyer & Müller will expandieren – aufgrund der Umgebungsbebauung ist dafür rund um den Firmenstandort an der Hauptstraße kein Platz. Vor fünf Jahren meldete das Unternehmen den Bedarf nach einem neuen Grundstück bei der Stadt an. Zwar suchte die städtische Entwicklungsgesellschaft „Stadt und Boden“ nach einer geeigneten Baufläche, doch letztlich konnte sie Beyer & Müller kein passendes Grundstück vermitteln.

Intensiv mit Stadt verhandelt

„Wir bedauern sehr, dass wir Heiligenhaus nach so langer Zeit verlassen“, sagt Matthias Kohl, Geschäftsführer und Gesellschafter des Schlossherstellers. Seit zwölf Jahren führt er in fünfter Generation das Familienunternehmen. Peter Parnow von der städtischen Wirtschaftsförderung zeigte sich ebenfalls enttäuscht: „Wir haben die Nachricht mit hochgradigstem Bedauern zur Kenntnis genommen.“ Der Weggang schmerze besonders mit Blick auf die rund 90 Arbeitsplätze und die Gewerbesteuereinnahmen, die der Stadt Heiligenhaus dadurch verloren gehen.

Dabei wurde intensiv über einige mögliche Grundstücke verhandelt. Im Gespräch war zunächst, auf der Fläche des ehemaligen Bundeswehrdepots an der Talburgstraße ein Gewerbegebiet einzurichten. Dort hätte Beyer & Müller neu bauen können. Diese Option scheiterte am geforderten Kaufpreis des Bundes, dem die Fläche gehört.

Auch ein Grundstück in Hetterscheidt war im Gespräch. Wegen „topographischer Versprünge“, wie Wirtschaftsförderer Parnow sagt, also einer nicht ebenerdigen Lage, habe Beyer & Müller die Fläche abgelehnt.

Die letzte Hoffnung der Firma, im Stadtgebiet von Heiligenhaus fündig zu werden, war an das seit mehreren Jahren geplante Gewerbegebiet rund um die ehemalige Gaststätte „Zum Grünen Jäger“ an der Ratinger Straße geknüpft. Allerdings ist bislang nicht klar, wann die Stadt sich mit dem Privateigentümer einigt, von dem sie das Grundstück erst einmal kaufen muss. „Die Gespräche laufen intensiv“, beteuert Parnow.

„Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens konnten wir nicht länger warten“, sagt Kohl. Die Stadt Velbert habe der Firma nach Anfrage „zügig“ drei Grundstücke angeboten. Im Gewerbegebiet „Am Lindenkamp“ will Beyer & Müller nun auf einem 14 450 Quadratmeter großen Grundstück Produktionshallen und ein Verwaltungsgebäude neu errichten. Baubeginn soll Anfang 2013 sein.

Gutes Zeichen für Zukunft

Am neuen Standort bieten sich dem Schlosshersteller einige Vorteile: Reserveflächen können auch in Zukunft genutzt werden, um räumlich zu wachsen. Daneben können alle Abteilungen auf einer Ebene und dem Materialfluss entsprechend angeordnet werden. Auch der Grundstückszuschnitt eigne sich gut für die Grundrisse der geplanten Gebäude, erklärt Geschäftsführer Kohl. Er sieht optimistisch in die Zukunft: „Sonst würden wir so eine große Investition nicht machen.“

Katharina Klöber

Facebook
 
Kommentare
05.08.2012
05:25
Traditionsfirma verlässt Stadt
von inserv | #4

... Beschilderung ändern (Durchfahrtverbot für LKW ausgenommen Anlieger)?

Ich wundere mich ehrlich, dass man sich nicht einmal langsam um solche Kleinigkeiten kümmern kann...

05.08.2012
05:24
Traditionsfirma verlässt Stadt
von inserv | #3

Also mich schickiert an solchen kleinstädtischen Nachrichten nichts mehr. Auf dem Level der Stadt sind solche rein politischen Nachrichten doch nichts neues mehr.

Wir warten seit Jahren auf die A44-Anbindung (gecancelt wegen der Unfähigkeit Baurecht herzustellen, aber die POLITIKER brüsten sich mit tollen Erfolgen), das Gewerbegebiet GRÜNER JÄGER kommt auch nicht in Gang (wie auch ohne Flächenerwerb & die Friedhofsallee besteht ja auch nur noch aus Schlaglöchern) und das Neubaugebiet GRÜN SELBECK ist ja auch nicht gerade ein Paradebeispuiel städtischer Planung (Telekommunikative Anbindung!). Wenn man dann auch noch sieht wie mit ansässigen Händlern im Zuge der Umgestaltung der Innenstadt umgegangen wird, dann wundert es nicht, wenn ehemalige "Perlen" abwandern.

Aud der anderen Seite ist man nicht gewillt, Versprechen einzulösen, die man einmal gegenüber den Innenstadtanwohnern abgegeben hat. Warum fahren noch so viele LKW durch die Innenstadt? Kann man hier nicht langsam einmal die

02.08.2012
22:38
Traditionsfirma verlässt Stadt
von westpennanthills | #2

Was mich an der Nachricht wirklich schockiert ist die Information, daß die anvisierten Gewerbeflächen beim Grünen Jäger noch nicht einmal der Stadt gehören. Seit geraumer Zeit werden diese als wichtiger Baustein für die Stadtentwicklung gesehen und müssen sogar als Mitbegründung für die A 44 herhalten. Und nun kommt so beiläufig heraus, daß das alles noch reine Zukunftsmusik ist.

Wenn es um die A 44 geht, schwingen die Bürgermeister der Region gemeinsam den Spaten, wenn es aber Gewerbeansiedlung betrifft, jagen sie sich gegenseitig die Investoren ab. Nett.

30.07.2012
09:12
Traditionsfirma verlässt Stadt
von dorfbeobachter | #1

Wichtig ist doch, dass das Unternehmen in der Region bleibt. Niemand muss seinen Arbeitsplatz verlieren, die Kaufkraft bleibt vor Ort, kaum jemand muss auch nur seine Wohnung wechseln. Nicht immer kann eine kleine Kommune alle Wünsche erfüllen, auch wenn es schade ist, dass der Bund nach seinem Rückzug aus der Region so wenig Unterstützung bei der Stadtentwicklung zeigt (was haben da eigentlich unsere MdB getan, anderswo ist man da sofort beim Verteidigungsministerium vorstellig geworden) Ob in Wülftahth-Kocherscheidt, Velbert-Röbbeck oder in Hetterscheidt ist zunächst Gleichgültig. Die meißten Einwohner fühlen sich mehr einer Region verbunden, als einem Kirchturm.
Sicher, die deutsche Besonderheit der Gewerbesteuer macht es zum Nachteil für die Gemeinde, wenn ehrwürdige Mittelständler, die sich bei der Gewerbesteuer anders als abgezockte Konzerne nicht kleinrechnen, fortziehen. So entsteht auch der Eindruck einer ungesunden Konkurrenz zwischen den Nachbarstädten. Steuerrecht ändern!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6929295/create

Die WAZ als Wunschzeitung - Umfrage

Die Aktion "Leserzeichen" geht in die nächste Runde: Unsere Leser bestimmen, worüber die Redaktion schreibt. Stimmen Sie ab!

 
Fotos und Videos
Heiligenhaus von oben
Bildgalerie
Aus der Luft gegriffen
Stuntshow
Bildgalerie
Show
Bernd Stelter
Bildgalerie
Kabarett
Großes Kinderfest
Bildgalerie
Club
Aus dem Ressort
Ein Festival der starken Emotionen
Neanderland Biennale 2013
Sechste Auflage der Neanderland Biennale präsentiert sich unter dem Motto „Rot“ alsdeutsch-polnisches Kulturereignis. 27 Aufführungen und Lesungen in zehn Kreisstädten.
1670 Hunde leben in Heiligenhaus
Serie: Der Reporter mit...
Einer von ihnen ist ab heute in der neuen Serie „Der Redakteur mit der kalten Schnauze". Zum Auftakt verlosen wir zwei Karten für Martin Rütters Hundeshow.