Taxi-Chef spitzt den Bleistift

Die „Taxi“-Dachzeichen trägt nur noch gut die Hälfte der Wohlgefahrt’schen Wagenflotte.
Die „Taxi“-Dachzeichen trägt nur noch gut die Hälfte der Wohlgefahrt’schen Wagenflotte.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Klaus Wohlgefahrt sieht sein Gewerbe in einer zunehmend schwierigen Lage. Dem „größeren Anbieter“ helfen Firmenfahrten und Schulbus-Einsätze.

Beantragt hatte Klaus Wohlgefahrt eine Erhöhung um 30 Prozent. Tatsächlich gilt vom 1. Februar an eine Erhöhung von knapp neun Prozent. „Wir rechnen mit spitzem Bleistift“, sagt der Inhaber von „Taxi 6666“ – wohl wissend, „dass es sich beim Fahrgast anders anfühlt“.

Der Taxi-Tarif ist immer auch ein politischer Preis, beschlossen vom Kreistag, Und der Heiligenhauser Chef von 45 Mitarbeitern, Bürokräfte und Aushilfen mitgerechnet, zählt seine Branche zum ÖPNV, zum Öffentlichen Personennahverkehr. „Schließlich muss ich zu jeder Zeit ein Taxi anbieten“, betont Klaus Wohlgefahrt, „kann aber nicht vorhersehen, wann es brennt“. Wird’s in diesem Sinne „brenzlig“, dann sitzt der Chef auch selbst hinterm Lenker.

Warum hatte er einen deutlich höheren Taxi-Tarif beantragt? „Es hakt im gesamten Gewerbe“, sagt der Unternehmer – und blickt auf die nahen Großstädte: In Essen nämlich greift eine 30-prozentige Tarif-Erhöhung, und Düsseldorf ist schon seit vielen Jahren ein für Taxi-Kunden besonders teures Pflaster. Die Forderung nach plus 30 Prozent, erläutert Wohlgefahrt, „folgt der Vorgabe des Taxiverbandes“. Der habe die steigenden Kosten – auch durch die Einführung des seit Jahresbeginn geltenden Mindestlohns – genau kalkuliert.

Mit einer Fahrzeugflotte von 34 Wagen sieht sich der Chef von „Taxi 6666“ als einen der größeren Anbieter – und sieht die „Mini-Unternehmen“ in einer grundsätzlich anderen Situation: „Ein Alleinfahrer kann seine Lohnkosten vergessen. Er betuppt sich nämlich selber.“ Wie das? Weil er seinen tatsächlichen Stundenlohn gar nicht erst ausrechnet. Klaus Wohlgefahrt weiß: Der läge bei den Solisten seines Gewerbes weit unter den für Angestellte verbindlichen 8,50 €.

Der Inhaber von „Taxi 6666“ kalkuliert, wie er sagt, „hart am Wind“. Firma und Fuhrpark sind geteilt: Etliche seiner Wagen tragen kein Dachzeichen, sondern sind speziell für Schülerfahrten unterwegs. Der große Vorteil: „Man hat klare Zeiten der Nachfrage.“ Ähnlich sei es bei den fest gebuchten Firmenfahrten. Und Klaus Wohlgefahrt verweist auf die eigene Werkstatt im Firmen-Domizil an der Wildenburg. Dank einer „gut sortierten Flotte“ könne er gängige Ersatzteile günstiger einkaufen.

Trotz solcher Pluspunkte sieht er seine Branche auf einem holprigen Weg: „Über die Jahre ist die Situation auf jeden Fall schwieriger geworden. Die Nachfrage ließ stetig nach.“ Und zwar synchron mit dem Rückgang der Gastronomie. „Die Leute feiern heute lieber zuhause.“ Nein, böse Worte über den nun nach zwei Jahren nochmals erhöhten Taxi-Tarif hörte Klaus Wohlgefahrt noch nicht von seinen Kunden: „Aber man muss die Situation erklären. Niemand verkauft gerne eine Teuerung.“